Endlich war es für den LASK soweit, das „Jahrhundertspiel“ stand auf dem Programm! Im Achtelfinale der UEFA Europa League kam es zum Duell gegen... Analyse: LASK kommt gegen Manchester United unter die Räder

Endlich war es für den LASK soweit, das „Jahrhundertspiel“ stand auf dem Programm! Im Achtelfinale der UEFA Europa League kam es zum Duell gegen den englischen Rekordmeister Manchester United. Es sollte eigentlich ein Fußballfest werden und der LASK verkündete stolz, dass man dreimal so viele Tickets hätte verkaufen können. Doch das „Coronavirus“ machte den Linzern und deren Fans einen gewaltigen Strich durch die Rechnung und daher musste dieses Highlight ohne Fans und als „Geisterspiel“ im Linzer Stadion ausgetragen werden. Eine bittere Nachricht, hatte man sich doch dieses Spiel dank der eigenen starken Leistungen erarbeitet und hätten sich auch die Fans diesen Leckerbissen verdient.

LASK zu Umstellungen gezwungen

Die Linzer hatten jedoch nicht nur mit den Umständen außerhalb des Feldes zu kämpfen, auch Personalsorgen führten bei Trainer Ismael zu Sorgenfalten. So fehlten die beiden wichtigen Halbverteidiger Wiesinger und Filipovic gesperrt, während sich Kreativspieler Goiginger am Wochenende in Mattersburg eine schwere Knieverletzung zuzog und monatelang fehlen wird. Dadurch stand die Frage im Raum, wie genau die Oberösterreicher diese Ausfälle kompensieren wollen würden. Und wie erwartet hatte dies speziell in der Abwehr große Umstellungen zur Folge: Ramsebner ersetzte Wiesinger, Ranftl übernahm die Position von Filipovic in der Halbverteidigung und verließ damit seine Position als rechter Wingback, die wiederrum Reiter übernahm. Also einige Rochaden in der sonst so eingespielten Abwehr, und dies gegen einen stark besetzten Gegner. Ansonsten blieb bei den Linzern alles beim Alten und man lief im bekannten 5-2-3/3-4-3 System auf.

Mit dem englischen Topverein Manchester United bekam man es natürlich mit einer Spitzenmannschaft zu tun, die gespickt ist mit individueller Klasse. Zwar fehlten mit Rashford und Martial zwei wichtige Spieler, allerdings bot Trainer Solskjaer mit Bruno Fernandes, Mata und Fred einige bekannte Namen auf. So gesehen musste der LASK defensiv ein perfektes Spiel ablegen, um eine Niederlage abzuwenden. Was überlegten sich die Linzer konkret? Zunächst fiel bereits früh in der Anfangsphase auf, dass die Gastgeber nicht ihr gewohntes Spiel durchziehen würden. Den Spielaufbau der Engländer ließ man weitestgehend in Ruhe und formierte sich zu einem kompakten 5-4-1 Abwehrblock. Die Pressinglinie definierte man im Bereich der Mittellinie und man versuchte, den aufbauenden Verteidigern von United keine Passoptionen nach vorne zu geben und somit die Passwege zuzustellen. Einzig der Kapitän der Gäste Maguire, wurde von Sturmspitze Klauss angelaufen, damit dieser den Spielaufbau nicht aufziehen konnte. Dieser sollte auf seinen Nebenmann Bailly gelenkt werden, vor dem man weniger Sorgen hatte.

Hinter der ersten Pressinglinie des LASK und den drei Stürmern, rückten die beiden Sechser ebenfalls etwas nach vorne und sollten ihre englischen Kontrahenten im zentralen Mittelfeld in Manndeckung nehmen, damit diese sich nicht hinter den Stürmern freilaufen und den Ball in Ruhe empfangen konnten. So gesehen war der Plan des LASK vereinfacht gesagt – mit fünf Spielern den gegnerischen Spielaufbau zu unterbinden und zu erschweren, der sechs Spieler aufbot. Gelang dieses Unterfangen, hatten dafür dann die eigenen Abwehrspieler hinten eine Überzahl und konnten gewohnt aggressiv verteidigen. Das bedeutet u.a., dass die Flügelverteidiger nach vorne schieben, aber auch, dass die Halbverteidiger aus ihren Positionen nach vorne stechen konnten.

Und United hatte in der Anfangsphase tatsächlich Probleme, vertikal und geordnet im Übergangsspiel nach vorne zu kommen. Manchester United lief in einem breit gefächerten 4-2-3-1 System auf in dem man probierte, den LASK in die Breite zu ziehen und dadurch Räume auf dem Feld zu kreieren. Die Gäste versuchte es speziell in der Spieleröffnung mit verschiedenen Aufbauformationen, wie u.a. einer Dreierkette, abkippenden Sechser oder tiefen Außenverteidigern. Doch egal was probiert wurde, man tat sich insgesamt schwer, die erste Pressinglinie des Gegners spielerisch zu umspielen. Der LASK verstand es gut, schnell Zugriff auf den ballführenden herzustellen und die Spieler von United in Zweikämpfe zu verwickeln. Problematisch war allerdings, was der LASK aus den erarbeiteten Ballgewinnen machte, den man agierte sichtlich nervös und übervorsichtig, wodurch man leichte Ballverluste einstreute und es an der entsprechenden Klarheit und Sauberkeit mangelte.

United findet allmählich Schlüssel um LASK zu knacken

Dadurch war es in der Anfangsphase ein weitestgehend ereignisloses Spiel, was von Abtasten auf beiden Seiten geprägt war. Der LASK erarbeitete sich einige Standards, die allerdings nicht wirklich gut in den Strafraum gebracht wurden. United suchte auf der anderen Seite weiterhin nach Lösungen um Gefahr zu entwickeln, weshalb man es auch vermehrt mit Spielverlagerungen versuchte. Doch allmählich schien man ein geeignetes Mittel gegen die gutstehenden Oberösterreicher gefunden zu haben. Dieses Mittel hieß Winterneuzugang Bruno Fernandes, der als „Zehner“ auflief und dem LASK große Probleme bereiten sollte. Der Portugiese bewegte sich kontinuierlich im Zwischenlinienraum und wartete darauf, den Gastgebern Probleme zu bereiten. Für den LASK war dies keine einfache Aufgabenstellung, denn da die beiden Sechser Michorl und Holland damit beschäftigt waren, die gegnerischen Sechser zu verfolgen, blieb natürlich die Frage: Wer kümmert sich um Bruno Fernandes?

United erkannte diese Möglichkeit und verlegte den Fokus immer mehr auf den spielmachenden Portugiesen. Fernandes bewegte sich meist in den seitlichen Halbräumen und setzte sich damit explizit von den Sechsern ab, um nicht in deren Radius zu geraten. Nun war es gefragt, dass die beiden Halbverteidiger herausrücken und Bruno Fernandes stellen und decken, damit dieser nicht zur Entfaltung kam. Doch da lag das große Problem, denn die beiden Halbverteidiger Ramsebner und Ranftl verfügen nicht gerade über den Rhythmus und die Selbstverständlichkeit, diese Situationen ansprechend zu antizipieren und herauszurücken. Und Bruno Fernandes nutzte dies eiskalt aus, indem er sich immer wieder gut löste und die herausrückenden Bewegungen der Abwehrspieler aushebelte, um dann anschließend die vorhandenen Lücken in der Verteidigung zu bespielen.

In diesen Situationen demonstrierte der portugiesische Nationalspieler schlicht seine individuelle Klasse und zeigte vielfältige Lösungsansätze, wie er sich die Vorgehensweise des LASK zunutze machen konnte und die Strukturen des Gegners mehr oder weniger zerbrach. Das führte dazu, dass nahezu alle gefährlichen Situationen über Bruno Fernandes liefen und er an fünf der neun Abschlüssen in der ersten Halbzeit direkt beteiligt war. So auch beim 1:0 Führungstreffer, als er mit einem schönen Außenristpass Ighalo bediente, der sehenswert die roten Teufel in Führung brachte.

Der LASK tat sich auf der anderen Seite weiterhin schwer, gezielt nach vorne zu kommen und gefährlich zu werden. Speziell das Fehlen der pfeilschnellen rechten Seite und vom Duo Ranftl/Goiginger machte sich bemerkbar, denn dadurch fehlte es den Gastgebern sichtlich an Lösungen und Durchschlagskraft. Immer wieder schlichen sich Fehler ein und blieben die Linzer am Abwehrverbund der Gäste hängen. Die beste Ausgleichschance vergab Frieser im Anschluss an einem Out-Einwurf, als der Offensivspieler mit einem Abschluss an Verteidiger Bailly scheiterte. Auf der anderen Seite hatte United Möglichkeiten auf 0:2 zu setzen und eine Vorentscheidung zu fällen. So ging es mit dem knappen 1:0 für die Engländer in die Kabinen.

LASK zeigt bekanntes Gesicht

Nach dem Wiederanpfiff musste beim LASK klarerweise etwas geschehen, denn mit der gleichen Vorgehensweise würde man weiterhin Probleme gegen diesen starken Gegner haben. Also entschied sich Trainer Ismael dazu, zu der gewohnten Spielweise zurückzukehren und dabei zu hoffen, dass das übliche Spiel dem LASK zu mehr Spielanteilen verhilft. Konkret hieß das, dass man zum intensiven Pressing zurückkehrte und versuchte, United ständig unter Druck zu setzen und die Bälle schnell zurückzuerobern. Nach Ballverlust zögerte man nicht mehr und ließ sich nicht fallen, sondern startete sofort ins Gegenpressing, verschob nach vorne und zog sich wie ein Schwamm zusammen. Diese Rhythmusänderung sollte somit den Anstoß geben, um den Ausgleich zu erzielen.

Und tatsächlich, die ersten Minuten wirkten auch recht vielversprechend aus Sicht des LASK und man konnte einige Male im Gegenpressing den Ball erobern. Man versuchte auch in weiterer Folge mit diesen Balleroberungen noch direkter nach vorne zu spielen und speziell über die Flügel United zu knacken. In einer Situation klappte dies auch und führte zu einer aussichtsreichen Freistoßsituation, die man allerdings wie alle anderen Standardsituationen nicht nutzen konnte. Als Gegenpool rückten die drei Stürmer der Linzer dafür sehr eng zusammen und versuchten, die Gäste ins Zentrum zu ziehen, um damit Platz für die aufziehenden Flügelverteidiger zu schaffen. Die Oberösterreicher schienen endlich endgültig das richtige Mittel gefunden zu haben, um mehr Spielanteile zu gelangen und dem Gegner Paroli bieten zu können. Hätte man dazu noch die Fans im Rücken gehabt und gespürt, hätte dies wohl noch zusätzliche Kraft freigesetzt.

So konnte Manchester United weitestgehend die Ruhe bewahren und sich auch auf diesen veränderten Bedingungen einstellen. Nach einer guten Viertelstunde gelang es den Briten, sich vermehrt aus der Umklammerung zu befreien und gefährliche Angriffe zu fahren. So auch beim 2:0 nach knapp 60 Minuten, als sich United nach einem Ballgewinn aus dem Gegenpressing des LASK befreien konnte und über drei Stationen vor das gegnerische Tor im vollen Tempo kam, wo dann James trocken ins Eck abschließen konnte. In der Szene enttäuschte vor allem das Gegenpressing der Linzer und es wirkte so, als wäre man vom Kopf her nicht schnell genug gewesen, um diesen Angriff zu unterbinden.

So gesehen war dies mehr oder weniger die Vorentscheidung und dem LASK fehlte es anschließend sichtlich an dem nötigen Werkzeug, um dich gut gestaffelte Defensive von United zu knacken. Trainer Ismael brachte mit Raguz zwar noch einen weiteren „Brecher“ in den Angriff hinein, doch zu vielen gefährlichen Szenen kam man dennoch nicht. Stattdessen musste man in der Schlussphase noch weitere drei Gegentreffer schlucken, wodurch es letztendlich eine deutliche 0:5 Schlappe wurde.

Fazit

Für den LASK war die Aufgabenstellung gegen den englischen Topverein Manchester United an diesem Abend schlichtweg zu groß. Kombiniert mit den Umständen, wie den Ausfall von drei Schlüsselspielern und dem Fehlen der heimischen Unterstützung, konnten die Linzer nie wirklich in ihren gewohnten Rhythmus und in ihre Selbstverständlichkeit finden, mit der man über weite Strecken der Saison agierte. Im ersten Durchgang agierte man etwas zu verhalten und passiv, traute sich auch offensiv zu wenig zu, um die Gäste richtig in Bedrängnis zu bringen. Im zweiten Abschnitt wurde man dann deutlich mutiger und konnte dadurch das Spiel für eine kurze Periode offen gestalten, ehe man dann doch nach einem schnellen Angriff recht früh den zweiten Gegentreffer erhielt. Letztendlich spielte United dann seine Klasse aus, ließ den LASK gegen die eigene stabile Defensive anlaufen, während man selber auf die Konterangriffe lauerte. Dadurch wurde es letztendlich auch zu einer deutlichen Gelegenheit, auch wenn das Ergebnis letztlich eindeutig zu hoch ausfiel.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic

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