Vom Spielermaterial her war Sturm stärker als vor zwei Wochen, am Feld machte sich das nicht bemerkbar. Ferdinand Feldhofer und Milan Dudic bildeten vor... Das 1:0 als Knackpunkt – Sturm verliert beim RSC Anderlecht nahezu chancenlos mit 0:3!

Vom Spielermaterial her war Sturm stärker als vor zwei Wochen, am Feld machte sich das nicht bemerkbar. Ferdinand Feldhofer und Milan Dudic bildeten vor Torhüter Silvije Cavlina die Defensivzentrale, rechts lief Ehrenreich auf, links Christian Klem. Auf der Doppelsechs sollten Manuel Weber und Matthias Koch das Spiel lenken. Haris Bukva und Andi Hölzl bildeten die Flügelzange, vorne bot Franco Foda mit Roman Kienast und Imre Szabics seinen Einsersturm auf. Die Grazer zeigten also das bekannte 4-4-2, welchem der RSC ein ebensolches, wenn auch spielstärkeres entgegensetzte.

Dann ging es auch schon los. Sturm brauchte den Sieg und suchte den direkten Weg nach vorne. Kienast prägte den Beginn des Spiels: Zunächst noch etwas zu früh ins Abseits gestartet, brachte er nachher eine gute Flanke zur Mitte. Der erste Angriff der Hausherren offenbarte aber gleich eine der Schwächen der Grazer: Die Innenverteidigung präsentierte sich auf internationaler Ebene einfach viel zu langsam, Cavlina musste nach ein paar Minuten schon an die rechte Strafraumgrenze eilen. Danach ein Schock, denn Hölzl hatte sich ohne Fremdeinwirkung verletzt und Wolf musste eingewechselt werden. Da waren noch keine fünf Minuten gespielt.

Weckruf

In Minute neun dann die nächste Schrecksekunde: Cavlina war nach einem guten Dribbling von Suarez gefordert. Dieser trug seinen Schuss aus etwa zwölf Metern allerdings zu zentral an. Im Gegenzug schoss Weber das erste Mal aufs Tor, traf aber links am Tor vorbei. Danach übernahm Anderlecht mehr und mehr das Kommando und versuchte, sich in der Hälfte der Gäste festzusetzen, was auch recht gut gelang. Doch das Stellungsspiel gehörte zu den Stärken von Dudic und Feldhofer. Flanken waren bei diesen zwei Verteidigern und Goalie Cavlina wohl das falsche Rezept, Fußballösterreich war’s recht. Sturm versuchte indes, sich langsam in die Richtung des Tores der Belgier zu arbeiten. Und nach knapp 20 Minuten war es fast so weit. Gutes Solo von Szabics, doch dann wollten die Grazer den Ball über die Linie bugsieren. Letztlich stand Kienast beim letzten Versuch im Abseits – zu umständlich gespielt.

Führung für Anderlecht

Um so direkter und schnörkelloser spielten die Belgier. Ein schneller Pass aus dem Mittelfeld auf Suarez, der überlief einfach seinen Gegenspieler und passte auf Gillet, welcher dem Sturm-Schlussmann nicht den Funken einer Chance ließ. Wie schon erwähnt, hatte die Verteidigung der Blackies schwere Probleme, wenn es flach und schnell ging. So stand es nach 23 Minuten 1:0 für die Heimmannschaft und Sturm begann sich mit einem Europa-losen Frühling zu befassen. Es muss ein Satz aus der Rubrik „Wenn man so will…“ fallen gelassen werden: Sturm offenbarte in der Verteidigung ein scheinbar ewiges österreichisches Problem. Während die Badstubers, Hummels und Abidals Fußballeuropas dynamisch und schnell, sowie tolle Spieleröffner sind, vertraute Foda an diesem Abend auf zwei große, unbewegliche Innenverteidiger. Nach einer halben Stunde kam Sturm dann endlich wieder vors Tor, Koch hatte vier Gegenspieler stehen gelassen, seine Hereingabe konnte Torhüter Proto jedoch abfangen. Anderlecht versuchte in der Folge über schnelle Diagonalpässe auf Jovanovic Gefahr zu erzeugen.

Mit 1:0 in die Pause

Der RSC präsentierte sich ausgezeichnet auf die Grazer eingestellt. Fodas Idee, schnell vorzustoßen, wurde meist schnell unterbunden, es konnten wenige Gefahrenmomente erzeugt werden. Es war im Endeffekt eine Lehrdreiviertelstunde, warum der belgische Fußball weiter ist, als der österreichische. Schnelles, diagonales Spiel vor das Tor, gutes und ebenso flottes Flachpassspiel, ein enger Verteidigungsverbund, der sich bei Ballverlust umgehend hinter den Ball begab. Dem gegenüber standen eine langsame, aber große Verteidigung und ein wenig kreatives Angriffspiel. Da musste mehr her.

Selbes Bild

Es ging weiter als wäre zuvor keine Viertelstunde Pause gewesen: Anderlecht hatte den Ball und dachte nicht im Traum daran, diesen zeitnah an den Gegner abzugeben. Die Anfangsminuten der zweiten Halbzeit präsentierten Schonkost, denn der RSC wollte die knappe Führung nicht aufs Spiel setzen. Nach 58 Minuten klappte dann das Offensivspiel der Blackies endlich wieder halbwegs: Wolf auf Szabics, der auf Weber und dieser schloss aus 20 Metern in starker Bedrängnis ab. Zumindest mal eine gute Aktion. Nur eine Minute später folgte die gelb-rote Karte für Feldhofer weil er seinen Gegenspieler auflaufen ließ und Foda musste Pürcher für Kienast bringen. Bereits kurz nach dem Wechsel wäre das Schicksal der Grazer fast schon früh besiegelt gewesen, gerade ein paar Zentimeter fehlten Wasilewski bei einem Freistoß. Nach der roten Karte und der Umstellung auf das dezimierte 4-4-1-System wurde es doppelt, dreifach und x-fach so schwierig, überhaupt Torgefahr zu erzeugen.

Spiel schlief ein

Die Fronten waren abgesteckt und die Partie schlief ein. Anderlecht musste nicht mehr, Sturm zeigte im Grunde genommen schon seit Anpfiff zu wenig. Badibanga kam für Matos, De Sutter für Jovanovic, der RSC lehnte sich zurück und genoss das Spiel vorerst. Zu allem Überfluss verletzte sich Cavlina noch nach einem Eckball an der Hand. Er hatte den Ball erst im Nachfassen sichern können, konnte nach kurzer Behandlung aber weiterspielen. Das Gefühl machte sich breit, dass die Belgier jederzeit das 2:0 nachlegen könnten. In der 74. Minute bewahrheitete sich die Annahme. Weite Flanke in den Strafraum, die Abwehr war indisponiert und Suarez köpfte mutterseelenallein und perfekt platziert ein. Die Messe war gelesen, der Drops gelutscht, der Käse gegessen, das Spiel schlichtweg gelaufen. Wenn nicht der Blitz einschlagen würde, würde in Anderlecht nichts mehr passieren. Kabasele kam noch für Torschütze Gillet und Haas für Szabics. De Sutter schenkte den Grazern nach einer schönen Aktion dann schließlich in der 81. Minute das 3:0 ein. Der letzte Aufreger war ein Streit zwischen Bukva und Wasilewski, welches mit Gelb für beide Spieler geahndet wurde.

Das war es wohl mit Sturm Graz in der Europa League. Zwei Siege und ein Sieg der Belgier gegen Lok Moskau wären notwendig. Zu allem Überfluss müsste der schwarz-weiße Sieg gegen die Russen auch noch hoch ausfallen. Auch in einer der stärksten Besetzungen war Sturm nicht in der Lage, Anderlecht zu fordern.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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