Die Serie A hat in den letzten Jahren einiges vom Glanz vergangener Tage verloren. Viele Stadien sind veraltet und schlecht besucht, die internationalen Erfolge... Parma gegen Inter: Ein Spitzenspiel der Neunziger als direktes Duell um die Europa League

Italienische LigaDie Serie A hat in den letzten Jahren einiges vom Glanz vergangener Tage verloren. Viele Stadien sind veraltet und schlecht besucht, die internationalen Erfolge bleiben aus und die Meisterschaft gestaltet sich zusehends als Solo für Juventus. Auch im Abstiegskampf scheinen die Würfel weitestgehend gefallen zu sein. Einzig der Kampf um das internationale Geschäft könnte noch spannend werden.

Heute Nachmittag kommt es dabei zum wohl vorentscheidenden Duell zwischen dem Parma und Inter. Die Mailänder rangieren aktuell auf Platz fünf mit 53 Punkten, zwei Zähler vor dem heutigen Gegner. In den Neunzigerjahren war diese Begegnung einst ein Spitzenspiel, mittlerweile haben sich die Verhältnisse jedoch verschoben.

Inters neuen Strukturen fehlt Stabilität

Für Inter stand vor der Saison ein erneuter Umbruch an. Mit Walter Mazzarri, der Napoli zu einem italienischen Spitzenteam formte, stellten die Nerazzurri einen neuen Trainer ein – der sechste seit dem Gewinn der Champions League 2010. Einhergehend damit war eine lange Liste voller Zu- und Abgänge. Zu Saisonbeginn griffen die neuen Strukturen durchaus gut, jedoch zeigten sich im weiteren Verlauf einige arge Mängel. So fuhr man zum Beispiel bisher nie mehr als zwei Siege am Stück ein.

Mazzarri setzt wie bereits in Neapel auf eine 3-5-2-Grundordnung, die er in seiner Besetzung weitestgehend unverändert lässt, was in Fankreisen nicht immer gern gesehen wird. So kommt Mateo Kovacic zwar auf 27 Ligaeinsätze, wurde dabei aber 18-mal ein- und fünfmal ausgewechselt. Dabei wäre der Kroate jemand, der mit seinen herausragenden Fähigkeiten im Dribbling dem oft ideenlosen und festgefahrenen Spiel der Mailänder Dynamik einprägen könnte.

Im Angriff hängt viel an Rodrigo Palacio. Der wuselige Argentinier erzielte 15 Saisontore und bereitete sieben weitere vor – durchaus gute Zahlen, die jedoch auch höher ausfallen könnten. Palacio agierte nämlich vor allem in den ersten Spielen als höchster Angreifer, wodurch er seine Stärken in die Tiefe nicht ideal ausspielen konnte. Als Wandspieler ist er aufgrund seiner Statur – 66kg bei 1,75m – nur bedingt geeignet.

Ein Grund dafür war das verletzungsbedingte Fehlen von Sommer-Neuzugang Mauro Icardi. Der 21-Jährige ist zwar ebenfalls kein Riese, aber merkbar robuster und geübter als Angreifer an vorderster Front. Überdies hinaus zeigt er, dass die hohe Trefferquote bei Sampdoria aus der Vorsaison – 23% seiner Schüsse gingen ins gegnerische Netz – keine Ausnahme waren, denn aktuell liegt seine Chancenverwertung bei knapp 29%.

Weitere Charakteristiken des Offensivspiels von Inter sind ein hoher Flügelfokus, bedingt durch die offensiv ausgerichteten Flügelverteidiger, sowie das exzessive Spielen von Steilpässen. Auf der anderen Seite sind sie jedoch anfällig auf gegnerische Konter und zeigen oft individuelle Fehler in der letzten Linie.

Parma unter Donadoni taktisch interessant

Eine ähnliche Spielweise findet man auch bei Parma, die seit Jänner 2012 von Roberto Donadoni betreut werden. Wie bei Inter laufen auch bei den Crociati 71% der Angriffe über die Flügel und sie bestechen durch eine gute Chancenauswertung. Zudem pfelgen die Blaugelben ein aggressives Spiel gegen den Ball, sodass sie einerseits viele Bälle in Zweikämpfen erobern, andererseits auch oft Fouls hinnehmen müssen.

In einem früheren Artikel haben wir die Pressingmechanismen von Parma unter Donadoni bereits ausführlich unter die Lupe genommen. Ein Manko damals war die überschaubare individuelle Klasse, die der Kader hatte, in den Transferperioden hat man diesbezüglich aber nachgerüstet. Herauszustreichen ist dabei vor allem Antonio Cassano, der vom heutigen Gegner kam und erstmals seit der Saison 2008/2009 wieder auf eine zweistellige Toranzahl kommt.

Anders als Mazzarri lässt Donadoni flexibler spielen; sowohl was die Grundformation betrifft – Der ehemalige Teamchef der Squadra Azzurra variiert zwischen 3-5-2 und 4-3-3 -, als auch die Besetzung. Zwar sind die elf Tore, die Cassano als teaminterner Toptorschütze erzielte, nicht furchteinflößend; dass Parma dennoch nur zwei Tore weniger als Inter am Konto hat, suggeriert, dass die Verteilung weit gestreut ist. 15 verschiedene Spieler jubelten in der aktuellen Saison bereits über einen Treffer.

Ein weiterer Hauptaspekt gilt der Frage, wie Parma auf die dynamischen Angriffe von Inter reagieren wird. Parmas Abwehr ist nämlich im Defensivzweikampf zwar verlässlich, Alessandro Lucarelli und Gabriel Paletta, die vermutlich die Innenverteidigung bilden werden, müssen jedoch Abstriche im Antritt und Antizipationsspiel machen. Insofern wird es auch auf die strategischen Fähigkeiten der Trainer ankommen, die sich nächstes im Derby della Madonnina gegenüberstehen könnten. Donadoni wird nämlich als Kandidat für das Traineramt beim AC Milan gehandelt.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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