So spannend ging es schon lange nicht mehr zu in der tschechischen Gambrinus Liga. Die vier Mannschaften an der Spitze, sowie die letzten fünf... Neues aus der Gambrinus Liga – Sparta, Pilsen oder doch ein Außenseiter?

So spannend ging es schon lange nicht mehr zu in der tschechischen Gambrinus Liga. Die vier Mannschaften an der Spitze, sowie die letzten fünf Teams im Tabellenkeller trennen jeweils nur zwei Punkte. Im Gesamtbild ist die Liga extrem ausgeglichen, wozu vor allem auch die beiden starken Aufsteiger beitragen.

Die Tabellenspitze

Das kommt mit Sicherheit überraschend! Nach dreizehn Spieltagen grüßt Sigma Olmütz von Tabellenplatz eins mit einer Ausbeute von 26 Punkten. Ebenso viele Zähler auf dem Konto hat der zweitplatzierte FK Jablonec. Hinter diesen beiden Überraschungsteams befinden sich die Favoriten Viktoria Pilsen und Sparta Prag auf den Plätzen drei und vier.

AC Sparta Prag

Von Beginn an war klar, dass man mit den Pragern in dieser Saison rechnen muss. Der letzte Titel liegt schon zwei Jahre zurück, weshalb die nationale Meisterschaft in diesem Jahr zur absoluten Pflichtaufgabe ausgerufen wurde. Dafür wurde Vítězslav Lavička ins Traineramt berufen, der Mann, der 2010 den FC Sydney zum australischen Meister machte. Große Neuzugänge wurden zwar nicht an Land gezogen, doch die vielen Talente aus der eigenen Jugend konnten gehalten werden. Stabilisieren sich deren Leistungen, so ist mit Sparta sowohl in der Meisterschaft, als auch in der Europa League zu rechnen. Auf europäischer Ebene hat man nach dem Unentschieden gegen Hapoel Kiryat Shmona das Weiterkommen schon fast in der Tasche und benötigt lediglich ein Pünktchen in den beiden verbleibenden Spielen gegen Olympique Lyon und Athletic Bilbao. Spartas Kader, der eine gute Mischung aus jung und alt darstellt, sollte der Doppelbelastung standhalten, weshalb der Titel dieses Jahr nur über die Hauptstädter gehen wird. In Anbetracht des Restprogramms vor der Winterpause (Brno, Teplice und Příbram) sollte zudem auch eine Verbesserung des Tabellenplatzes möglich sein und vielleicht lacht ja schon vor der Winterpause Sparta von Platz eins.

FC Viktoria Pilsen:

Man sollte meinen in Pilsen scheint zur Zeit die Sonne. Erst der wichtige 1:0-Sieg bei Slavia und somit Platz drei in der Liga, sowie die 4:0-Gala unter der Woche gegen Hapoel Tel-Aviv, bei der nur die Niederlage von Atletico Madrid gegen Coimbra Schuld daran war, dass man nicht schon am vierten Spieltag der Europa-League-Gruppenphase die Korken knallen lassen konnte. Doch der sportliche Erfolg wird zur Zeit von einem Bestechungsskandal getrübt. Im Verdacht der Ermittlung steht das letztjährige Aufeinandertreffen zwischen Jablonec und Pilsen (0:2), das zugunsten der Westböhmen verschoben worden sein soll. Fest steht, dass der „Unparteiische“ Tomáš Adámek nach dem Spiel 200.000 Kronen von einem gewissen Martin Svoboda für den Sieg Pilsens überwiesen bekam.

Dennoch gilt auch für Viktoria Pilsen: Wenn sie es schaffen der Doppelbelastung standzuhalten, können sie auch dieses Jahr wieder um den Titel mitspielen, den sie letztes Jahr nur Haaresbreite verpassten ( Anm: Marek Bakoš traf im letzten Pflichtspiel gegen den späteren Meister Liberec in der 89. Minute nur Aluminium). Ein großer Nachteil im Vergleich zu Sparta ist jedoch der qualitativ dünner besetzte Kader des Teams aus der tschechischen Bierhauptstadt. Schon letztes Jahr büßte man wichtige Punkte ein, als man den Spagat zwischen Champions League und Gambrinus Liga nicht meistern konnten. Auch das Restprogramm der Pilsner vor der Winterpause ist um einiges schwerer als das von Sparta (Sigma Olmütz, Slovan Liberec und Jihlava).

Sigma Olmütz und FK Jablonec:

Die beiden Überraschungsteams der Hinrunde kommen aus Olmütz und Jablonec. Eine auffällige Parallele bei beiden Mannschaften ist, dass sie extrem abhängig von ihren Topstürmern sind. Sigmas Michal Ordoš und Jablonecs David Lafata bilden mit ihren zwölf bzw. neun Treffern zusammen mit Jihlavas Stanislav Tecl die Troika an der Spitze der Torjägerliste. Beide Mannschaften sind zudem international nicht vertreten was ihnen gegenüber den beiden Favoriten, zumindest in der Hinrunde, einen kleinen Vorteil verschafft (Sigma, die sich eigentlich als Pokalsieger für die Europa League qualifiziert haben, wurden, aufgrund eines Bestechungsskandals von 2011, von der UEFA ausgeschlossen. Stattdessen durfte der letztjährige Viertplatzierte Mladá Boleslav sein Glück gegen Twente Enschede versuchen und schied sang- und klanglos aus). Nach 13 Spieltagen ist zudem erstaunlich, dass Sigma Olmütz sowohl den besten Sturm der Liga (23 Tore, ebenso viele wie der FK Jablonec), als auch die beste Abwehr der Liga (erst 10 Gegentore) stellt.

Fraglich ist nur, ob beide Mannschaften die Fähigkeit besitzen, bis Saisonende konstant zu bleiben  und dann auch kaltschnäuzig genug sind und den Titel einfahren können. Jablonec war bereits 2010 kurz davor Meister zu werden, doch der 1:0-Sieg Spartas zuhause gegen Teplice verhinderte damals den ersten Meistertitel in der Geschichte des Vereins. Ein weiterer Nachteil im Meisterschaftskampf dürfte vor allem im Falle des FK Jablonec die fehlende Unterstützung der Zuschauer sein. Während sich in Olmütz, aufgrund des starken Auftretens ihres Teams, immer mehr Menschen für den Fußball begeistern können, spielt Jablonec fast schon traditionell vor einer Geisterkulisse. Erschreckend ist, dass vor allem auswärts sich oft nur eine Handvoll Leute auf den Weg macht, um ihre Mannschaft im Meisterschaftskampf zu unterstützen. Jablonec wird zudem noch das letzte Jahr in den Köpfen stecken, als man ebenfalls eine recht ordentliche Vorrunde spielte, doch dann in der Rückrunde einen Leistungseinbruch erlebte, weshalb am Ende nur Platz acht heraussprang.

Zu unterschätzen sind Jablonec und Sigma sicherlich nicht. Abzuwarten bleibt jedoch, wie sie sich in den drei verbleibenden Partien der Hinrunde schlagen werden, zumal sie am 15. Spieltag noch aufeinandertreffen werden (Restprogramm Sigma Olmütz: Viktoria Pilsen, FK Jablonec, 1. FC Slovacko; Restprogramm FK Jablonec: Mladá Boleslav, Sigma Olmütz, Hradec Kralové).

Der Tabellenkeller

Die abstiegsbedrohte Zone beginnt bei Platz zwölf. Den FC Hradec Kralové (12 Punkte) und den letztplatzierten FK Teplice trennen nur 2 Punkte. Dazwischen liegen der SK Dynamo České Budějovice (12 Punkte), Baník Ostrau (11 Punkte) und der FK Příbram (11 Punkte). Die beiden Aufsteiger FC Zbrojovka Brno und Vysočina Jihlava stehen beide im Mittelfeld unter den Top Ten der Liga.

Erschreckend ist auch in diesem Jahr wieder das Auftreten des einstmaligen Top-Teams aus Ostrau, dem es, trotz zahlreicher Unterstützung seiner berüchtigten Fans, auch in diesem Jahr einfach nicht gelingt, sich von den Abstiegsplätzen fernzuhalten. Schon die letzte Saison wurde zur Zitterpartie, als man erst am vorletzten Spieltag den zweiten Abstiegsplatz verlassen konnte. Spannend zu sehen ist zudem, dass keines der Teams extrem abfällt und bis auf Teplice alle in den letzten Jahren bereits des öfteren im Abstiegssumpf steckten.

Max Teubner, abseits.at

Max Teubner

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