Viele Millionen Euro und Dollar werden Jahr für Jahr für Merchandising ausgegeben. Da die Fußballer und ihre Beine immer wertvoller werden, sind auch Schutzmaßnahmen... Kennen Sie Sam Widdowson?

Viele Millionen Euro und Dollar werden Jahr für Jahr für Merchandising ausgegeben. Da die Fußballer und ihre Beine immer wertvoller werden, sind auch Schutzmaßnahmen ein sich ununterbrochen entwickelndes Thema. Wie etwa passende Schienbeinschoner. Die gibt’s übrigens seit 137 Jahren…

…und die Nachfahren eines einzelnen Fußballers sollten sich noch heute über „Tantiemen“ freuen dürfen, wenn Adidas, Nike und Co. die für den modernen Fußballer lebensnotwendigen (und zur Pflicht gewordenen) „Deckel“ in die Regale stellt. Nicht etwa ein Spieler aus einem der Länder, die weithin als Fußball-Weicheier bekannt sind. Keine Nation an Schwalbenkönigen, Schauspielern oder Mimosen – sondern ein Spieler aus dem Land der „crunching tacklings“.

NOTTINGHAMS SCHIENBEINE WAREN ZUERST GESCHÜTZT

In England wurde nicht nur der Fußball erfunden, sondern auch die Schienbeinschoner. Ein gewisser Sam Widdowson, Spieler des englischen Traditionsklubs Nottingham Forest, ließ sich das heute obligatorische Fußballer-Equipment im Jahr 1874 patentieren, noch bevor es in England organisierte Fußballligen gab. Wir lernen daraus, dass der Schienbeinschoner erfunden wurde, als Nottingham Forest erst zarte neun Jahre alt war.

DECKEL, PFEIFE & NETZ

Die ersten Schienbeinschützer, die Sam Widdowson kreierte und austestete, bestanden aus Cricketschutzkleidung. Querdenker und -erfinder Widdowson spielte schließlich nicht nur für „Forest“, sondern auch Cricket für Nottinghamshire. Als der spätere Nottingham-Forest-Vorsitzende nach seiner aktiven Karriere als Schiedsrichter tätig war, revolutionierte er das Spiel fortlaufend. Zunächst führte er die Schiedsrichterpfeife ein, danach pfiff er als erster Schiedsrichter weltweit ein Spiel, bei dem Tornetze – natürlich seine Idee – zum Einsatz kamen.

STILLES, ABER SICHTBARES VERMÄCHTNIS

Widdowson hatte große Freude daran das Spiel umzugestalten, seine Strukturen zu verbessern. Guter Kicker war er deshalb aber noch keiner. Er bestritt nur ein Länderspiel für England und wurde für die von ihm eingeführten Änderungen am Spiel anfänglich belächelt und als „weich“ bezeichnet. Als Widdowson im Mai 1927 in Nottinghamshire verstarb, trug man einen unbedeutenden Sportler zu Grabe, dafür aber einen umso bedeutenderen Sportrevoluzzer, der in jungen Jahren die Essenz des Spiels verfeinerte und ein Vermächtnis schuf, das in diesem Augenblick an tausenden Orten der Welt sicht- und spürbar ist. Wie würde wohl heute ein Gespräch zwischen Sepp Blatter und dem jungen Sam Widdowson über grundlegende Änderungen am Spiel aussehen?

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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