Heute ist Fußball Pop. Marko Arnautovic kann genauso wie Britney Spears ein Liedchen davon singen. Ein Auto im Parkverbot, ein Friseurbesuch – der Boulevard... Arenen & Akkorde – Teil 2: Von Best bis Becks – Fußball wird Popkultur

Heute ist Fußball Pop. Marko Arnautovic kann genauso wie Britney Spears ein Liedchen davon singen. Ein Auto im Parkverbot, ein Friseurbesuch – der Boulevard ist immer und überall. Aber wem hat das „Enfant terrible“ des österreichischen Fußballs das zu verdanken? Drei Eckpunkte lassen sich hierbei als Indikatoren identifizieren.

Wer hätte gedacht, dass man für das Auffinden der ultimativen Verbindung von Pop und Kick in die Zeit der Kaisermonarchie Österreich-Ungarns zurückgehen muss? Am 7. Dezember 1909 feiert im Vígszínház, zu deutsch „Lustspielhaus“, das Schauspiel „Liliom“ des ungarischen Dramatikers Ferenc Molnár Premiere. Die Geschichte rund um den unglücklich verliebten Karussellausrufer Liliom wird Jahrzehnte später von Benjamin F. Glazer neu bearbeitet und mit Musik von Richard Rodgers sowie Liedtexten von Oscar Hammerstein II. zum Musical gemacht. Die Uraufführung findet am Broadway am 19. April 1945 im Majestic Theatre statt. Die Bühnenproduktion war in ihrer Adaption ein großer Erfolg, vor allem, weil Glazer ein versöhnliches Ende für „seinen“ Liliom Billy fand. Gleich nach Billys Tod, der seinen Job als Karussellausrufer verloren hatte und durch den Freitod der Verhaftung nach einem aus Verzweiflung begangenen Raubüberfall entging, erschallt „You’ll never walk alone“, ebenso im Finale des Stücks. Billy spricht am Ende seinen Kindern, die er aus dem Himmel einen Tag besuchen darf, Mut aus. Mut versprach das Lied auch den Tausenden Müttern, Vätern und Kindern, die nach dem zweiten Weltkrieg auf ihre Liebsten warteten.

DER LAUTSPRECHER FIEL AUS

Die rockige Beatband Gerry & the Pacemakers, betreut vom Beatlesproduzenten Brian Epstein, nahm sich der Single an und wollte mit dem reduzierten, balladesken Sound neues Publikum ansprechen. Dies gelang den Liverpoolern ausgezeichnet und „You’ll never walk alone“ war vom 25. Oktober bis zum 21. November 1963 Nummer eins der britischen Charts. Vor den Spielen an der roten Merseyside liefen in Liverpool immer die Top Ten der aktuellen Hitparade. Die Zuseher sangen vereinzelt mit, während des Spiels konzentrierte man sich aber auf das Klatschen und vor allem das Fluchen. Wie es der Zufall so wollte, fiel just bei der Nummer eins der „local heroes“ aus Liverpool die Soundanlage aus und der Kop sang den Text einfach weiter. Eine Legende war damit geboren.

DIE ANDEREN LIVERPOOLER

Nein, nicht die Toffees von Everton sind gemeint, sondern die vier Pilzköpfe, die ebenfalls aus Liverpool kommen. Das Epizentrum der Popmusik bescherte dem Fußball auch irgendwie den ersten Popstar. George Best – der begnadete Nordire wurde wegen seiner Pilzfrisur als fünfter Beatle bezeichnet – wird als erster seiner Art bezeichnet. Aber nicht die Musik machte Best zu diesem, sondern das Drumherum, welches der Boulevard genüsslich auskostete. Bei Manchester United zeigte Best alles, was ein Kicker können musste, abseits seiner „Bühne“ alles, was auch die musikalischen Stars seiner Zeit taten. Der Flügelstürmer soff sich die Leber kaputt, pöbelte am Feld, beschimpfte Polizisten, wurde betrunken am Steuer erwischt und musste sich Vorwürfen häuslicher Gewalt stellen – kurzum: Er machte alles, was die „Yellow Press“ gerne über die Popstars berichtet. Vor allem sein Fehlverhalten brachte Best den Status „erster Popstar des Fußballs“ ein.

EINE HEIRAT

In Manchester begann auch die Karriere eines Fußballers, der „Pop“ wurde. David Beckham ist als Stilikone und Fußballstar der Archetyp des modernen Fußballpopstars. 1994/95 baute Sir Alex Ferguson den begnadeten Rechtsfuß in sein Team ein, zur selben Zeit formierte sich auch die Girlieband Spice Girls. Im Jahr 1996 schoss Beckham nicht nur das Tor des Jahrzehnts gegen Wimbledon von der Mittellinie aus, die Spice Girls mit Sporty Spice Victoria veröffentlichten auch ihre erste Single „Wannabe“ und sprengten alle Rekorde. Parallel zum Aufstieg beider zu Superstars verliebten sich Victoria und David ineinander und heirateten im Juli 1999. Für die Regenbogenpresse ein gefundenes Fressen. Die attraktive Sängerin Victoria und der mit seinem Aussehen exzentrisch umgehende David waren und sind das Popsupercouple und der ultimative Beweis, dass Fußball und Pop eins sind. Jeder Schritt, jede Frisur, jedes Tor wird von Fußball- und Society-Experten beleuchtet, begafft und ausgeschlachtet. Diese Entwicklung bekommt auch Marko Arnautovic zu spüren.

Im dritten Teil der Serie „Arenen und Akkorde“ widmen wir uns den Offsprings von „You’ll never walk alone“ – schöne, witzige und skurrile Vereinshymnen.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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