Um im Fußball erfolgreich zu sein, muss man nicht unbedingt Fußball spielen können. Bestes Beispiel: Der Brasilianer Carlos Kaiser. Heutzutage werden Fußballer oft auf... Der König von Rio: Die unglaubliche Geschichte von Carlos Kaiser

_Fußball in Brasilien Zuckerhut

Um im Fußball erfolgreich zu sein, muss man nicht unbedingt Fußball spielen können. Bestes Beispiel: Der Brasilianer Carlos Kaiser.

Heutzutage werden Fußballer oft auf das Übelste angefeindet, wenn sie ihren Millionen-Vertrag auf der Tribüne einfach absitzen. Was würde man wohl mit einem wie Carlos Kaiser machen? Dessen einziges Ziel war es, Teil einer Profi-Mannschaft zu werden, mit den Spielern abzuhängen, etwas von dem Ruhm abzubekommen… und natürlich ein gewisses Salär zu beziehen.

Fußball spielen wollte er in diesem Sinne eigentlich nicht, was nicht sonderlich verwunderte, war er doch nicht gerade mit großem Talent gesegnet. Was Kaiser, der mit bürgerlichen Namen Carlos Henrique Raposo heißt, aber besonders gut konnte, war reden – und zwar über sich und seine Fähigkeiten. Hierin war er so überzeugend, dass er in den 80ern und 90ern in den Kadern von u.a. Botafogo, Flamengo, Vasco da Gama und einigen ausländischen Vereinen stand.

Die Mächtigen und Talentierten

Aufgrund seines einnehmenden Wesens, freundete er sich mit einigen wichtigen Figuren in den größten Klubs Brasiliens an; auch drei der damals größten Talente des brasilianischen Fußballs zählten zu Kaisers Freunden: Bebeto, Romario und Renato Gaucho. Letzterer, selbst einer der größten unbekannten Fußballer Brasiliens, bezeichnete Kaiser einst als „besten Fußballer, der nie Fußball gespielt habe“. Bebeto sagte über seinen Spezi Kaiser: „Sobald er den Mund aufmachte, warst du verloren. Du konntest nicht anders, als von ihm komplett eingenommen zu sein.“ Diese Tatsache nutzte Kaiser dann auch schamlos aus. Funktionären, Spielern, Fans und Journalisten schwärmte er so lange von seinen Fähigkeiten vor, bis diese ihm seine Selbstbeweihräucherung abkauften. Dieses Geflecht aus Phantasien, Übertreibungen und, ja auch, Lügen brachte ihm tatsächlich einige Engagements ein.

Plötzlich verletzt

Wie Renato Gaucho es bereits formulierte, gespielt hat Kaiser wenig bis nie. Pünktlich zum Trainingsstart suchten ihn in schöner Regelmäßigkeit mysteriöse Verletzungen heim. Während eines Gastspiels Kaisers engagierte der Verein sogar einen Hexendoktor, um dessen Verletzungsanfälligkeit zu untersuchen. Kaiser informierte ihn harsch darüber, dass es Dinge auf dieser Welt gibt, die nicht mal die Schwarze Magie in den Griff bekommen kann und schickte den Medizinmann heim.

Kaiser tat wirklich alles, um das Fußballspielen zu vermeiden. Seine Großmutter entwickelte dabei offensichtlich gottähnliche Fähigkeiten, als sie regelmäßig starb, nur um beim nächsten Engagement wieder aufzuerstehen, um dann gleich wieder das Zeitliche zu segnen. Kaiser war darüber natürlich jedes mal so betrübt, dass es ihm unmöglich war, Fußball zu spielen; Jugendspielern zahlte er einen kleinen Obolus, damit sie ihn im Training so richtig angehen und er daraufhin die nächste schwerwiegende Verletzung vortäuschen konnte. Um seinen Ruf als hoffnungsvoller Kicker aufrechtzuerhalten, bezahlte er den einen oder anderen Trainingskiebitz, der seinen Namen skandierte, wenn einer von den Klubfunktionären beim Training zusah.

Für Unmut sorgten seine Dauerverletzungen, zumindest innerhalb der Mannschaften, indes nicht; dafür war Kaiser allen Mitspielern einfach zu sympathisch. Die englische Tageszeitung The Guardian brachte es in ihrer Geschichte über Kaiser auf den Punkt: „Eigentlich war Kaiser ja ein Mittelstürmer, doch spielte er schon damals die Rolle einer wirklich falschen Neun.“

Fast aufgeflogen

Wirklich eng wurde es für Kaiser 1985 während seiner Zeit beim kleinen brasilianischen Klub Bangu, der zum damaligen Zeitpunkt mit Castor de Andrade von einem berüchtigten Gangster geführt wurde. Der war sofort Feuer und Flamme von Kaisers Erzählungen über seine fußballerischen Fähigkeiten und verpflichtete ihn für sein Team. Zunächst lief dabei alles wie gehabt. Kaiser verletzte sich während des ersten Trainings schwer und wurde zunächst nicht eingesetzt. Als es sportlich jedoch nicht so lief, wollte Andrade aber unbedingt seine Geheimwaffe einsetzen. Er befahl Kaiser sich für das nächste Spiel auf die Bank zu setzen. Kaisers Coach beruhigte diesen jedoch damit, dass er ihn sicher nicht einsetzen werde. Doch Andrade hatte während des Spiels andere Pläne und orderte seinen Coach per Walkie Talkie an, Kaiser unverzüglich einzusetzen. Dieser saß nun in der Falle. Falls er sich weigerte zu spielen war er so gut wie tot; falls er spielen würde wohl ebenfalls. Aber Kaiser wäre nicht Kaiser, wenn er nicht auch hier einen Ausweg gefunden hätte: Kurz vor seiner Einwechslung lieferte er sich eine Schlägerei mit einem Zuschauer und wurde vom Platz geschickt, ohne diesen je betreten zu haben. Als Andrade ihn zum Rapport lud, erzählte Kaiser, er hätte nur die Ehre seines Bosses verteidigt, da die Zuschauer ihn als Ganoven beschimpft hätten. Nach dem Gespräch hatte er eine Gehaltserhöhung und eine Vertragsverlängerung in der Tasche.

Während der Staatsmeisterschaft von Rio 1995 lieferten sich die drei Stars Romario, Tulio und Renato Gaucho in der Presse einen Wettstreit darum, wer denn nun der rechtmäßige König von Rio sei. Alexandre Torres, Sohn des legendären Carlos Alberto, sagte dazu nur: „Sie wollten ein König stürzen, der unmöglich von seinem Thron zu verdrängen war. Der wahre König von Rio war Kaiser.“

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