Der Wiener Sportklub hat seit Saisonbeginn ein Frauen-Fußballteam, leidet aber bekanntlich unter chronischer Finanzschwäche – die Frauen müssen daher selbst zusehen, wo sie die... Pfosten der Woche (KW 50) – Wiener Sportklub

Der Wiener Sportklub hat seit Saisonbeginn ein Frauen-Fußballteam, leidet aber bekanntlich unter chronischer Finanzschwäche – die Frauen müssen daher selbst zusehen, wo sie die notwendigen Mittel zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs lukrieren. Ihre letzte diesbezügliche Idee sorgte für einigen Diskussionsstoff und peinliches Herumlavieren von Präsident und Vorstand.

Das Frauen-Fußballteam des Wiener Sportklubs hat zur Finanzierung eines Trainingslagers auf eigene Initiative einen erotischen Kalender für das Jahr 2012 produziert. Abgelichtet wurde nicht der gesamte Kader, sondern lediglich ein kleiner Teil der Spielerinnen, die freiwillig an diesem – nebenbei bemerkt mittlerweile auch nicht mehr rasend kreativen – Fundraisingprojekt mitgewirkt haben. Verkauft werden sollte der Kalender hauptsächlich über offizielle Vetriebskanäle des Vereins, aber auch im Internet. Kaum wurde die Aktion ruchbar, setzten heftige Diskussionen ein: der Wiener Sportklub und weite Teile seines Anhangs legen bekanntlich großen Wert auf ihre Positionierung gegen Diskriminierung und Sexismus, da passt ein solcher Kalender nur sehr bedingt ins Konzept. Der Vereinsvorstand sah sich aufgrund der ausufernden Debatten zu einer Stellungnahme gezwungen:

„Der Vorstand des Wiener SK stellt fest, dass dieser Kalender ohne Rücksprache von unserem Frauenteam eigenständig und unabhängig gestaltet und veröffentlicht wurde und bedauert, dass es in dieser Angelegenheit nicht zu einer rechtzeitigen Kontaktaufnahme gekommen ist. Wir erachten dies als Fehler und erwarten uns zukünftig rechtzeitige Kommunikation.“

Weder stellt sich der Vorstand hinter die Spielerinnen und ihre Kalenderinitiative, noch sagt er klipp und klar, dass ein solches Projekt beim WSK nicht erwünscht ist und die Frauen ihre mit freizügigen Fotos gespickten Zeitplaner gefälligst einstampfen sollen. Unser Name ist Hase, mit uns hat niemand gesprochen und das ist schade; das sollten wir künftig vielleicht doch anders machen. Vermutlich ist man seitens des Vorstands aber insgeheim sogar froh darüber, gar nicht gefragt worden zu sein – unzweideutige Ansichten jener, die das eigentlich das Sagen haben sollten, können vielschichtige Situationen in basisdemokratisch-partizipativ angehauchten Systemen gewaltig verkomplizieren.

Die Grundsatzdiskussionen rund um die Frage “Ja, dürfens denn das?” ebbten jedoch auch nach dieser epischen Klarstellung nicht ab, und so folgte einige Tage später die logische Fortsetzung des schwarz-weissen Schlingerkurses: Chris Peterka, der Sektionsleiter Frauenfussball, gab via WSK-Homepage bekannt, dass nach Rücksprache mit Präsident Udo Huber Vertrieb und Bewerbung des Kalenders über den Verein eingestellt würden. Huber selbst sagte ein einem Interview auf ostliga.at, dass er, wäre er gefragt worden, instinktiv “Nein” gesagt hätte, da so ein Kalender nicht zum Sportklub passt; die entstandene Aufregung hält er allerdings für übertrieben. Dass die Frauen den Kalender nun privat vertreiben ist für ihn kein Problem: “Da hab ich nun wirklich keinen Einfluss mehr darauf.”

Auch hier gilt: kein eindeutiges Ja, kein klares Nein, alle haben ein bisschen Recht, viele Standpunkte sind argumentierbar, irgendwie passt’s nicht, verbieten wollen wir’s auch nicht und blöderweise brauchen die Frauen das Geld – sollen die Mädels den Kalender halt irgendwo anders unters Volk bringen, bald ist Weihnachten und dann liegt sowieso das halbe Land im Vanillekipferlkoma. Denn dass der Sportklub den Vertrieb eines nicht erwünschten Produkts mit prominent platziertem Vereinsnamen darauf nicht untersagen könnte, glaubt der Präsident doch hoffentlich selbst nicht.

So wurden in den letzten Tagen viele grundsätzliche Betrachtungen zum Thema Frauenfußball, Sexismus, traditionelle Rollenbilder und wirtschaftliche Zwänge angestellt. Schade nur, dass sich das offizielle Dornbach zu solchen Fragen nicht äussert – aber vermutlich hat einfach mal wieder niemand gefragt.

(Lichtgestalt)

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