Honduras agiert meistens in einem 4-4-1-1, in welchem die Flügel ab dem zweiten Drittel fokussiert werden, während im ersten Drittel meistens über die zentralen... Honduras als krasser Außenseiter: Individuell schwächer und taktisch solide, aber wenig innovativ

Honduras - FlaggeHonduras agiert meistens in einem 4-4-1-1, in welchem die Flügel ab dem zweiten Drittel fokussiert werden, während im ersten Drittel meistens über die zentralen Spieler das Spiel geduldig aufgebaut und der Gegner angelockt wird. Ob sie bei dieser Weltmeisterschaft auch so agieren werden, ist aber fraglich. Vermutlich könnte es auf eine defensivorientierte Spielweise mit vielen Flügelkontern hinauslaufen, wo sie aber keineswegs chancenlos sind, trotz ihrer Außenseiterrolle.

In den Qualifikationsspielen hatte Honduras überraschend viel Ballbesitz. Die Ursache dafür war der geduldige und stabile Spielaufbau im ersten Drittel. Die Innenverteidiger nutzten die beiden tief positionierten Sechser, um mit geringen Distanzen zu agieren. Dadurch spielen sie viele Kurzpässe, die nicht riskant sind und den Gegner nach vorne locken sollen. Spielt der Gegner passiv, dann lassen sie den Ball laufen, bis sich Räume auf den Flügeln öffnen. Presst der Gegner aggressiv, versuchen sie lange diagonale Pässe auf die Seite oder direkte Bälle in die Spitze zu spielen, um die durch das Pressing des Gegners geöffneten Räume situativ variabel zu bespielen. Allerdings bleibt zu bezweifeln, dass sie diese Spielweise auch gegen individuell klar starke und im Pressing gute Mannschaften umsetzen können.

Gegen den Ball pendelt Honduras zwischen einem 4-5-1, einem 4-4-1-1 und einem 4-4-2. Mit den beiden Stürmern vorne können sie entweder höher pressen und die beiden Innenverteidiger zustellen oder einer der beiden orientiert sich tiefer und stellt den Sechserraum zu. Dadurch drücken sie den Gegner auf eine Seite mit dem offen gelassenen Innenverteidiger, der dann isoliert und angelaufen werden soll. Alternativ ist auch die Umstellung auf ein 4-5-1 mit flacher Mittelfeldfünf möglich, wobei hier personell ein Stürmer geöffnet wird. Dadurch stehen sie defensiv stabiler, haben mehr Akteure hinter dem Ball und lassen kaum Chancen zu. Allerdings mangelt es ihnen hier auch an den nötigen Anspielstationen im Konterspiel, wodurch sie offensiv nicht mehr so präsent sind. Beim 4-4-1-1 haben sie die ideale Mischung, weswegen diese Spielweise wohl auch bei der Weltmeisterschaft genutzt werden sollte. Interessant ist aber das sehr disziplinierte Verschieben der Flügelstürmer, welche ganz nach europäischem Standard bei ballferner Positionierung weit und ballorientiert einrücken. Dadurch stehen sie zentral sehr stabil.

Pressing-5

Durch ihre Kompaktheit, das gute Verschieben und die intelligenten wie variablen Pressingbewegungen standen sie in der Qualifikation zwar relativ stabil, doch bei der Weltmeisterschaft könnte dies vorbei sein. Die individuelle Unterlegenheit dürfte hierbei eine tragende Rolle spielen. Neben möglichen Problemen im Zweikampf dürfte man auch nicht die nötige kollektive Intensität und Stabilität aufbringen, um die gegnerische Offensive aufzuhalten, wenn diese individuell klar stärker ist und halbwegs strukturiert agiert. Dennoch dürfte man mit ihrer bisherigen Spielweise höhere Niederlagen verhindern können.

Stabilität-2

Innovative, exotische oder überraschende taktische Spielereien dürften vermutlich nicht zu sehen sein, dafür fehlt es Honduras unter anderem auch an der individuellen Qualität und Feinabstimmung. Mit ihrem 4-4-1-1, 4-4-2 und 4-5-1 können sie aber zwischen drei Systemen wechseln, zusätzlich kommen mögliche Veränderungen strategischer Natur ins Spiel; ob Kontersystem, tiefer Ballbesitz oder flexible Veränderungen im Spiel – strategisch ist alles möglich.

Flexibilität-6

Für eine Mannschaft wie Honduras ist eine Weltmeisterschaft immer ein absolutes Großereignis und die Stimmung ist durch den geringen Druck, die Vorfreude und die Außenseiterrolle sicherlich durchgehend positiv. Die Spieler werden versuchen die größeren Teams zu ärgern, desweiteren dürften sie sich auch für einen möglichen Vertrag in Europa empfehlen wollen. Diese Mischung könnte durchaus für die eine oder andere Überraschung bei dieser Weltmeisterschaft sorgen, obwohl rein nominell natürlich nichts dafür spricht.

Stimmung-7

Trotz der vielen positiven Bewertungen darf man diese addierte Gesamtwertung nicht überbewerten. Ursache dafür ist natürlich die individuelle Unterlegenheit gegenüber den Gegnern. Auch die besten taktischen Ideen können nur einen gewissen Teil dieser Diskrepanz neutralisieren, zusätzlich ist Honduras zwar für eine so kleine Fußballnation taktisch stark, doch letztlich sind sie auch eine Standardmannschaft in dieser Hinsicht. Ihr 4-4-2, ihr 4-4-1-1 und 4-5-1 unterscheidet sich kaum von den in Europa vielfach genutzten Systemen, weswegen die anderen Mannschaften nicht die großen Probleme damit haben sollten, trotz guter Umsetzung. Aber wer weiß: Überraschungen sind natürlich immer möglich.

Gesamtwertung-Honduras

Mögliche Aufstellungen

Honduras verfügt über drei wahrscheinliche Aufstellungsmöglichkeiten, nämlich im 4-4-1-1, im 4-4-2 und im 4-5-1. Alternativ kann Letzteres 4-5-1 auch zu einem 4-1-4-1 werden, das Personal bleibt aber gleich.

Höchstwahrscheinlich dürfte es bei Honduras auf ein 4-4-1-1 hinauslaufen, in welchem sie mit dem hängenden Stürmer den Sechserraum zustellen, während der Mittelstürmer vorne die Innenverteidiger unter Druck setzt und voneinander isoliert. Costly dürfte hierbei die vordere Position einnehmen, Bengtson passt zur Position des hängenden Stürmers. Geht man nach den Qualifikationsspielen, dürften Espinoza und Garcia die Flügel bilden, Garrido und Palacios spielen in der Mitte. Für den verletzten Peralta wird Beckeles wohl die Rechtsverteidigerposition übernehmen, Izaguirre ist natürlich auf links gesetzt. Figueroa und Bernardez geben die Innenverteidigung vor Torwart Valladares. Andy Najar könnte allerdings noch für Garcia auf dem Flügel oder als hängende Spitze in die Mannschaft rücken.

Honduras - Aufstellung 4-4-1-1

Im 4-4-2 bleibt die Aufstellung gleich, einzig Najar ist keine Option mehr für die Position des zweiten Stürmers, da diese nun auf einer Linie agieren.

Honduras - Aufstellung 4-4-2

Im 4-5-1 hingegen fällt einer der Mittelstürmer auf alle Fälle weg; Espinoza rückt hier meistens in die Mitte, Martinez und Najar streiten sich um die Position auf der Außenbahn.

Honduras - Aufstellung 4-5-1

Rene Maric

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