Mit einem 2:0-Heimsieg gegen die Admira verschaffte sich Rapid ein wenig Luft und beendete zugleich die Ära Baumeister bei den Südstädtern. Dabei waren die... Analyse: Sonnleitner-Doppelpack verschafft Rapid Luft

Mit einem 2:0-Heimsieg gegen die Admira verschaffte sich Rapid ein wenig Luft und beendete zugleich die Ära Baumeister bei den Südstädtern. Dabei waren die Hütteldorfer nicht immer sattelfest, profitierten aber diesmal von höherer Zentrumsstabilität.

Nach dem 0:5 in Villarreal veränderte Didi Kühbauer seine Mannschaft an einigen Positionen. Die wichtigsten Änderungen betrafen dabei die zentralen Defensivpositionen. In der Innenverteidigung setzte Kühbauer auf die Routiniers Sonnleitner und Dibon, rotierte den immer wieder unentschlossen agierenden Barac aus dem Team. Auf der Doppelsechs bekam Dejan Ljubicic seine längst nötige Pause. Statt ihm spielte Manuel Martic neben bzw. hinter Kapitän Schwab.

Martic erstmals als starkes Passmetronom

Der Einsatz von Martic prägte das Spiel Rapids am meisten. Der 23-Jährige wirkte in seinen bisherigen Partien zu träge, scheint aber von Kühbauer, der auch schon in St.Pölten sein Trainer war, zu profitieren. Martic legte seine Rolle klarer aus, als alle anderen Alternativen auf Rapids Doppelsechs. Der physisch starke Mittelfeldspieler spielte einen klassischen Sechser, weshalb Schwab im Aufbau, aber auch im Verschieben in die Breite, einige Aufgaben abgenommen wurden.

Admira kann keinen Druck auf Ballführende aufbauen

Nicht nur sein Positionsspiel, sondern auch sein sicheres und stressfreies Passspiel, sowie einige gute Spielverlagerungen, waren enorm wichtig für das Spiel Rapids. Der Sechser bestimmte speziell in der ersten Halbzeit die Höhe in Rapids Spiel und ermöglichte es, dass sich die Hütteldorfer phasenweise in der Hälfte der Admira festsetzen konnten. Möglich gemacht wurde dies auf der anderen Seite auch dadurch, dass die angeschlagene Admira kein vernünftiges Pressing aufziehen konnte. Weder Martic noch die beiden anderen zentralen Mittelfeldakteure Schwab und Knasmüllner hatten mit großem Druck zu kämpfen.

Klares Muster bei Durchbrüchen über die Seiten

So konnte Rapid aus einer gesicherten Zentrale heraus einen Flügelfokus in hohen Feldpositionen aufbauen. Mehrfach kamen die Hütteldorfer zu Stanglpass-Gelegenheiten, in denen ein gewünschtes Muster zu erkennen war. Das Timing in diesem Muster passte aber noch nicht: Kühbauer ging es um konkretere Strafraumbesetzungen beim Spiel über die Seiten. Während Pavlovic sich eher zum Tor orientierte, waren es die ballnahen Mittelfeldspieler, die den Rückraum besetzen sollten, um dem durchstechenden Flügelspieler eine weitere Passoption anzubieten. Die Umsetzung ohne Ball war weitgehend in Ordnung, aber das Timing der Hereingaben passte noch nicht. Zumeist kamen die Bälle einen Kontakt zu früh (zumeist Bolingoli) oder einen Kontakt zu spät (zumeist Murg).

Leicht verbessertes Gegenpressing

Dennoch zeigte Rapid in Ansätzen, dass man im Stande wäre, gegnerische Schnittstellen zu bespielen. Auch das leicht verbesserte Gegenpressing im zweiten Drittel spielte hier eine Rolle. Hohes Pressing ist weiterhin nicht realistisch, zumal die gruppentaktischen Automatismen noch nicht ausgeprägt sind. Auf tieferen Feldpositionen und gerade durch Martic‘ Verschieben konnte man die Admira aber immer wieder gemeinschaftlich stören und schnelle Gegenangriffe initiieren. Zugleich war aber auch ersichtlich, dass nach wie vor das Selbstvertrauen fehlt. Dennoch hat Rapid „Fußball gearbeitet“, die Zweikämpfe angenommen und sich geduldig Chancen erarbeitet.

Innenverteidiger gehen vorneweg

Für die Entscheidung sorgten allerdings Standardsituationen. Mario Sonnleitner erzielte nach Kopfballverlängerungen von Pavlovic und Martic praktisch zweimal dasselbe Tor und holte sich Sprechchöre vom gesamten Stadion ab. Allgemein standen die beiden Innenverteidiger Sonnleitner und Dibon für Rapids Selbstverständnis. Auch wenn beide nicht fehlerlos spielten, scheuten sie keinen Zweikampf und gaben keinen Ball auf. Nach Schwabs Auswechslung ging die Kapitänsschleife an Dibon weiter – aber auch Sonnleitner hätte als Kapitän seine Berechtigung gehabt.

Überspielter Schwab

Rapid offenbarte aber auch wieder alte Probleme, vor allem in der Präzision. Die Passquoten der Hütteldorfer waren weitgehend gut, aber immer wieder mischten sich auch haarsträubende Fehlpässe ins Spiel. Nicht selten war Kapitän Schwab beteiligt, der bei seiner dritten Saisonauswechslung nicht gerade gefeiert wurde. Einmal mehr lieferte der 28-Jährige eine mittelmäßige Vorstellung ab – seit August will es beim Kapitän einfach nicht mehr so recht laufen. Wie Ljubicic wäre auch der überspielte Schwab bereit für eine Verschnaufpause von ein bis zwei Spielen, aber sein in Fankreisen umstrittener Kapitänsstatus und seine physische Wichtigkeit fürs Rapid-Spiel „verhindern“ eine solche Pause.

Leichtfüßiger Bolingoli leitet größte Admira-Chance ein

Ebenfalls etwas zu leichtfüßig präsentierte sich auch Boli Bolingoli, der in der ersten Halbzeit mit einem schweren Fehler die beste Chance für die Admira einleitete. Paintsil vergab diese selbst, anstatt den besser postierten Jakolis zu bedienen. Diese Chance und ein nicht gegebenes Elfmeterfoul von Ivan an Zwierschitz waren die einzigen Möglichkeiten für die schwachen Südstädter, die nach vier sieglosen Partien und 270 Minuten ohne Torerfolg Cheftrainer Ernst Baumeister freistellten.

Rapids einzige Titelchance

Die Admira hat nach der Erstrunden-Cuppleite in Neusiedl nun Zeit um Wunden zu lecken. Für Rapid geht es aber schon am Mittwoch mit dem Cup-Achtelfinale in Wolfsberg weiter. Gegen die unangenehmen Kärntner, die nach Salzburg die zweitmeisten Tore der Liga erzielten, geht es um die wohl einzige Titelchance der Saison. Rapid muss nun auch im Lavanttal den Kampf annehmen, aus dem Spiel heraus etwas konkreter werden und einige Abspielfehler abstellen, um der umschaltstarken Ilzer-Elf keine Steilauflagen zu liefern.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen