Der WAC hatte wohl die denkbar schwerste Aufgabe in der Liga vor sich. Ein Heimspiel gegen Tabellenführer Austria Wien. Auswärts mussten die Veilchen auch... Ausreichend Selbstvertrauen und ein entscheidender Spielerwechsel: Austria Wien siegt in Wolfsberg mit 6:3!

Der WAC hatte wohl die denkbar schwerste Aufgabe in der Liga vor sich. Ein Heimspiel gegen Tabellenführer Austria Wien. Auswärts mussten die Veilchen auch nicht das Spiel machen und könnten auch problemlos über Konter mit ihren schnellen und spielstarken Akteuren kommen. Allerdings hielt sich der WAC über lange Zeit sehr gut, führte zwischenzeitlich in einer überaus torreichen Partie mit 3:2, ging aber letztlich doch klar mit 3:6 unter. Es war ein starker Wechsel von Peter Stöger und eine ohnehin starke Leistung der Austria, die diesen verdienten Sieg ermöglichte. Allerdings hätte das Spiel beinahe nicht stattgefunden.

Die Wetterverhältnisse – einmal aus taktischer Sicht

Auf dem Platz war das Gras gefroren und mit etwas Schnee überdeckt, der weitestgehend entfernt wurde. Dennoch ist dies ein guter Anlass, um den Einfluss von Wetterbedingungen auf Fußballspiele aus einer taktischen Perspektive kurz zu erörtern.

Die meisten Verhältnisse, die als „widrig“ und wettbewerbsverzerrend angesehen werden, betreffen primär den Boden. Spiele werden auch dann angepfiffen, wenn es sehr nass ist und davor lange geregnet hat, solange während des Spiels die Sicht der Spieler nicht eingeschränkt ist. Dabei ist allerdings problematisch, dass ein nasser und schwerer Untergrund extrem schwierig zu bespielen ist, besonders bei (wegen Regen öfters vorkommendem) langem Gras.

Der Ball kann kaum flach zugespielt werden, bleibt immer wieder hängen und die Bewegungen der Spieler in der Offensive sind dadurch umfassend. Passkombinationen in den Raum und ähnliches können auch bei hervorragendem Abspiel oftmals für die eigene Mannschaft fatal sein, weil der Mitspieler durch seine Bewegungen in den Raum öffnet, der Ball aber partout nicht kommt.

Im Spiel des WAC gegen die Austria war die Lage eine andere.  Der Boden war nicht nass, sondern festgefroren, was im Endeffekt einen schnelleren Ball bedeutete. Durch die verringerte Reibung und Widerstand wurde er bei Aufprall auf dem Boden oder bei Passspielen nicht ordentlich verlangsamt, war dadurch relativ schneller und es entstand oftmals ein hektisches Passspiel. Gleichzeitig rutschten die Spieler phasenweise herum und schufen dadurch neue Spielsituationen.

Tomas Jun erhielt beispielsweise eine komödiantisch wirkende Torchance, als er einen schwachen Pass in die Gasse erhielt, der Ball aber nicht langsamer wie üblich wurde und dadurch passte. Der Gegner verschätzte sich, rutschte zusätzlich noch aus und konnte den Ball nicht ordentlich erreichen. Jun wäre beinahe das Gleiche geschehen: auch er rutschte, fing sich aber wieder rechtzeitig, um den Ball zu erreichen. Ohne sein Herumgerutsche hätte er den Ball früher erreicht und ordentlicher abschließen können, so schoss er den Torwart an.

Alles in allem heißt das schlicht nichts anderes, als dass die vielen Tore in der Entstehung auch den Wetterverhältnissen geschuldet waren. Dies betrifft nicht unmittelbar die Defensivarbeit vor den Gegentoren, sondern das generelle Pressing und individualtaktische Attackieren, welches deswegen oftmals nicht ordentlich ausgeführt werden konnte. Die Aktionen und Fehler, die allerdings sicher und vollends auf taktische Ausrichtungen und Vorgaben zurückgeführt werden, werden wir uns kurz ansehen.

Der Ballfokus beim Freistoß

Der WAC erzielte drei Tore. Jacobo Yncláns Kopfballtor zum 3:2 war nach einer Flanke entstanden, das Tor von David de Paula fiel durch einen von Ortlechner abgefälschten Distanzschuss und es war wohl der erste Treffer zum 1:1 durch Falk, der aus taktischer Sicht am interessantesten sein dürfte. In vielen Situationen, die komplexer werden – beispielsweise schnelle Kombinationen, Seitenwechsel oder Freistöße mit Rückgaben wie in diesem Fall – schalten einige Spieler ab und verfolgen nicht mehr das Spielgeschehen, sondern fokussieren sich auf den Ball.

Dadurch drehen sie ihr Sichtfeld zwar auf die aktuell gespielte Seite, doch es entstehen einige taktische Probleme. Zum Beispiel werden solche Aktionen genutzt, um den Gegner überraschen, den Ball lang zu spielen und dann extrem schnell einen Querpass oder Ball in den Rückraum zu spielen. Bis die jeweiligen Verteidiger erkannt haben, wohin der Ball geht und was der Spieler dort mit ihm macht, hat dieser ihn mit einer oder zwei Berührungen bereits abgespielt und der freie Mann kann schnell zum Abschluss kommen.

Wie wir in diesem Bild sehen, stehen sieben Violette zentral oder rechts vor dem Tor. Bei den Gegner sind es deren vier, allerdings ist einer alleine gelassen am zweiten Pfosten und darf zu seinem zehnten Saisontor einnetzen. Christian Falk ist nicht nur der treffsicherste, sondern wohl auch der kopfballstärkste Akteur des WAC – und wurde von der Austria in dieser Situation fahrlässig gehen gelassen.

Die Schwächen des WAC

Der Gastgeber spielte sich einige Chancen heraus, war phasenweise nahezu ebenbürtig und profitierte unter Umständen auch vom Rasen, der die Möglichkeiten der beiden Mannschaften etwas aneinander anglich. Dennoch hatten sie klare taktische Mängel in ihren Anordnungen, die aus taktischer Perspektive nur darauf warteten, entblößt zu werden.

Sehen wir uns diese Szene an. Auf den ersten Blick erkennt man unter Umständen nicht ganz, was gemeint ist. Beim zweiten Blick fällt einem die unorthodoxe Bewegung des zweiten weißen Spielers von links, relativ mittig im Bild. Ohne Grund und Sinn rückt er nach vorne, obwohl er weder in diesem noch in den nächsten zwei Spielzügen die Chancen erhalten wird, an den Ball zu kommen.

Dadurch öffnete er aber den Raum auf der rechten Außenbahn, die in seinen Verantwortungsbereich fiel. Die Austria konnte nach dem folgenden Querpass diesen Raum schnell bespielen und flanken – es sollte die Vorarbeit für Philipp Hosiners zweites Tor in diesem Spiel sein, der auch deswegen nicht gut abgedeckt werden konnte, weil die Innenverteidiger wegen des individualtaktischen Fehlers ihres Außenspielers dazu verleitet wurden, etwas aufzufächern. Die Flanke auf Hosiner konnte gespielt werden, er nutzte sie mit etwas Glück und viel Können.

Es war nicht der einzige Fehler. Immer wieder, wie hier, rückten die Wolfsberger Spieler heraus und versuchten den Gegner wohl frühzeitig zu stellen oder den Raum kompakter zu machen. Im Endeffekt wurde dies nicht kollektiv gemacht und es wurde das Abseits dahinter aufgehoben. In dieser Szene konnte ein loser vertikaler Ball in den Raum gespielt werden – mit etwas mehr Geschick des Austria-Akteurs und besseren Bodenverhältnissen wäre es zu einem eins-gegen-eins mit dem Torhüter gekommen.

Fazit

Der WAC schlug sich gut, hatte etwas Glück in seinen Offensivaktionen und stand defensiv phasenweise sehr gut mit Rückfällen ins Unterirdische. Austria knackte sie letztlich, als sie Florian Mader auswechselten und den offensiveren und insbesondere deutlich dynamischeren Tomas Simkovic brachten. Dieser bereitete prompt zwei Tore vor und war nach Hattrick-Torschützen Philipp Hosiner effektivster Mann am Platz.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric