Meisterschaft und Cup sind beendet, es ist Zeit Bilanz zu ziehen. Abseits.at fasst in einer vierteiligen Serie die Geschehnisse auf den Trainerbänken der heimischen... Die Trainer-Bilanz der Bundesliga: Teil 1 – Moniz, Schöttel & Kühbauer

Meisterschaft und Cup sind beendet, es ist Zeit Bilanz zu ziehen. Abseits.at fasst in einer vierteiligen Serie die Geschehnisse auf den Trainerbänken der heimischen Bundesliga zusammen und analysiert, welche Übungsleiter mit der Saison zufrieden sein können und wer hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.

Ricardo Moniz (Red Bull Salzburg)

Salzburg hat die Pflicht auf nationaler Ebene erfüllt, der Meisterteller ist wieder in der Mozartstadt, zudem konnte erstmals überhaupt der Cup gewonnen werden. Ricardo Moniz und seine Mannschaft legten einen fulminanten Saisonstart hin, ehe im Herbst ein jäher Einbruch mit nur zwei Punkten aus sieben Spielen erfolgte und man sich im Frühjahr mit einer langen Serie ungeschlagener Spiele die Meisterkrone aufsetzen konnte.

International zog man zum dritten Mal in Folge in die Europa League ein und schaffte es bis in das Sechzehntelfinale, wo man zwei herbe Niederlagen gegen Metalist Kharkiv einstecken musste. Diese übertünchten jedoch etwas den guten Europacupherbst, der mit dem Heimsieg gegen Paris Saint Germain seinen Höhepunkt fand.

Moniz war selten unumstritten, zahlreiche Medien sahen ihn schon als gescheitert an und auch seitens der Vereinsführung bekannte man sich erst am Tage der Meisterfeier öffentlich zum Niederländer. Wie groß sein Anteil am Erfolg wirklich ist, ist nur schwer abzuschätzen, denn so soll auch sein Assistent Niko Kovac eine bedeutende Rolle spielen. Moniz wird nachgesagt, dass er unter den Spielern einige Lieblinge hat, denen er mehr Freiheiten als anderen zugesteht, allen voran der Brasilianer Leonardo. Trotz diverser Querelen gelang es ihm aber jedoch vor allem im Frühling, eine durchaus gefestigte Mannschaft zu formen, in der mittlerweile eine gewisse Hierarchie besteht.  Ein Schlüssel zum Erfolg mag auch gewesen sein, dass im Gegensatz zum Herbst auf große Rotationen weitestgehend verzichtet wurde.

Nun hat der ehemaligen Techniktrainer die Chance, mit Salzburg in die Champions League einzuziehen. Es wäre kurios, aber nicht verwunderlich, wenn dies erstmals dem am wenigsten prominenten Red-Bull-Trainer gelingen sollte.

Peter Schöttel (SK Rapid Wien)

Vergangenen Sommer kehrten in Hütteldorf neue Umgangsformen ein, denn auf die Reizfigur Peter Pacult folgte mit Rapid-Legende Schöttel ein ruhiger und für die Medienvertreter erheblich umgänglicher Trainer.

Schöttel erreichte in seiner ersten Saison den Vizemeistertitel und beförderte Rapid nach einer einjährigen Auszeit relativ souverän wieder in den Europacup. Dass es nicht für den Titel gereicht hat, lässt ihn vermutlich nur äußerlich kalt, insgeheim wird Schöttel sehr wohl auf die Meisterschale geschielt haben.

So gut die Platzierung auch sein mag, so dürftig war über weite Strecken der von Rapid gebotene Fußball, dessen Höhepunkt die zwei torlosen Derbies darstellten, die man als Paradebeispiel für „Fußball zum abgewöhnen“ anführen kann. Von der von Schöttel zu Saisonbeginn propagierten Dynamik war in den wenigsten Spielen etwas zu sehen, Rapid fehlte es zumeist an Kreativität, zudem ging der Mannschaft in der Schlussphase oftmals die Luft aus. In der kommenden Saison wird Schöttel besseren Fußball anstreben müssen, denn auch dem genügsamsten Fan schlägt zu regelmäßige Magerkost irgendwann auf den Magen, erst recht wenn sie so oft torlos ausfällt.

Zugute halten muss man dem 45-Jährigen die Stabilisierung der Abwehr und die Etablierung von Torhüter Königshofer, der ohne schweren Fehler blieb. Ab Juli beginnt mit dem Europacup auch ein neues Kapitel für den Trainer Peter Schöttel, wobei die internationale Latte von seinem Vorgänger durchaus hochgelegt wurde. Ob sich Rapid spielerisch wird steigern können, hängt wohl auch zu einem Gutteil von den Neuverpflichtungen ab, die vor allem über mehr Kreativität als das bisherige Stammpersonal verfügen sollten.

Dietmar Kühbauer (FC Trenkwalder Admira)

Es liest sich wie ein Märchen: Der Aufsteiger spielt sich mit begeisterndem Fußball in den Europacup, und dies mit einer mit Nachwuchsspielern gespickten Mannschaft.

Rückblende: Kühbauer übernahm sechs Spieltage vor dem Saisonende der Spielzeit 2009/10 die Admira in der zweiten Liga vom erfolglosen Walter Schachner. Unter dem neuen Trainer gewann die Mannschaft sämtliche verbliebenen Spiele und stieg in der folgenden Saison mit einem neuen Punkterekord auf – bezeichnenderweise gelang dies erst, als von Geldgeber Trenkwalder der Meistertitel nicht mehr als unumstößliches Ziel ausgegeben worden war und man weitestgehend auf teure Legionäre verzichtete.

In der Bundesliga legte die Admira einen begeisternden Saisonstart hin und überzeugte vor allem mit brillantem Konterfußball. Im Herbst hatte es den Anschein, als hätte sich die Konkurrenz auf den Spielstil der Südstädter eingestellt und plötzlich befand man sich in einer Negativspirale. Von dieser ließ sich Kühbauer jedoch nicht verunsichern und erntete mit einem beeindruckenden Schlussspurt die Früchte seiner Arbeit in Form des dritten Tabellenplatzes.

Eines der Erfolgsgeheimnisse war, dass Kühbauer auch in den sportlich schweren Zeiten ohne Druck arbeiten konnte und sich so die Mannschaft wieder aus der Krise beförderte. Ob dies auch bei einem Großclub der Fall gewesen wäre, darf zumindest bezweifelt werden.

Ebenfalls hoch anzurechnen ist dem Burgenländer, dass stets neue junge Spieler aus dem starken Admira-Nachwuchs ins Team integriert werden – aktuellstes Beispiel ist Marcel Sabitzer. So gelang es auch trotz dem Ausfall zahlreicher etablierter Spieler, den Erfolg zu konservieren.

OoK_PS, abseits.at

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