Der kurioseste Transfer der Winterpause war ohne Frage jener von Karim Onisiwo zu Mainz 05. Dieser bekam nach seiner Klage gegen den SV Mattersburg... Eher nach unten als nach oben orientieren: Wie reagiert Mattersburg auf Onisiwos Abgang?

Ivica Vastic_abseits.atDer kurioseste Transfer der Winterpause war ohne Frage jener von Karim Onisiwo zu Mainz 05. Dieser bekam nach seiner Klage gegen den SV Mattersburg zwar in erster Instanz Recht, das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. Ein Nebenschauplatz, den die Burgenländer vermutlich lieber vermieden hätten.

Onisiwos Vorgehen mündete bei manchen Fans in einer Diskussion über den Charakter des ÖFB-Teamspielers. Keine Diskussion gibt es hingegen über seine Qualitäten am Rasen bzw. seinen sportlichen Wert für den SVM. Ohne ihn wird sich der Aufsteiger im Frühjahr nämlich eher nach unten als oben orientieren müssen.

Das Um und Auf im Offensivspiel

Nicht nur aufgrund der Tabellenlage unterscheidet sich der SV Mattersburg von den Aufsteigern der letzten Jahre. Der WAC, Grödig und Altach überzeugten insbesondere im gruppentaktischen Bereich. Individuell herausragende Spieler gab es praktisch nicht. Das zeigt auch die Tatsache, dass bisher kein Ex-Spieler dieser Klubs andernorts besonders aufzeigen konnte. Auch der Mattersburg hat den einen oder anderen taktisch überaus interessanten Akteur in seinen Reihen, individuell herausragend war im Herbst jedoch nur einer: Onisiwo.

Sieht man sich die Daten des Neo-Deutschland-Legionärs an, dann spiegelt sich sowohl seine Spielweise, als auch sein Einfluss auf das Spiel der Burgenländer wider. Die herausstechende Charakteristik Onisiwos ist sein Dribbling. Kein anderer Spieler in der Liga setzt es so häufig ein. Sowohl was die absolute Zahl (11,1 Dribblings pro 90 Minuten) angeht als auch den Anteil an allen Aktionen – rund jede fünfte seiner Ballaktionen ist ein Dribbling – liegt er unangefochten an der Spitze.

Wie auf Schienen

Insbesondere wenn er Tempo aufnehmen kann, ist Onisiwo kaum zu bremsen. Das liegt an seiner enorm beeindruckenden Athletik. Bei einer Körpergröße 1,88m ist er sowohl antrittsschnell und wendig, als auch robust und schwer aus dem Weg zu räumen. Unter allen Stürmern der Liga hat er die zweitbeste Zweikampfquote (49,1%). Dass er trotz seiner Größe den Großteil seiner Zweikämpfe am Boden führt (86%), zeigt, dass die Mattersburger diese Facette seine Spiels besonders einbinden will.

Weitere Daten, die Onisiwos hohen Stellenwert innerhalb der Mattersburger Mannschaft unterstreichen: Teamintern war nur Florian Templ, der jedoch hauptsächlich Kurzeinsätze als Joker hatte, anteilig an mehr Torschüssen (36%) beteiligt als der wuchtige Flügelspieler (34%). Der 23-Jährige war zudem im Schnitt pro 90 Minuten für 5,6% der Pässe seines Teams verantwortlich – ein markant überdurchschnittlicher Wert, wenn man ihn mit jenen der anderen Bundesligastürmer vergleicht.

Systemwechsel wahrscheinlich

Einen Ersatz verpflichtete der SVM nicht. Die große Lücke, die Onisiwos Verlust in den Kader reißt, soll durch das Kollektiv aufgefangen werden. Einen ähnlichen Spielertypen – von der individuellen Qualität ganz zu schweigen – hat Trainer Ivica Vastic nicht zur Verfügung. Bereits im Herbst gab es am rechten Flügel keine Stammbesetzung, wurde je nach Gegner und Situation rotiert. In Patrick Farkas hat der SVM zwar einen weiteren dynamischen, kleinräumigen Akteur, der Kapitän wird jedoch auf anderen Positionen gebraucht.

Daneben wurden auf den offensiven Außenbahnen mit Thorsten Röcher und Alexander Ibser hauptsächlich Flügelspieler eingesetzt, die zwar sehr tororientiert sind, aber sowohl im Kombinationsspiel als auch im Dribbling ebenso große Abstriche machen müssen wie in puncto Dynamikfähigkeit und Entscheidungsfindung. Angesichts dieses Umstands und der Tatsache, dass mit Patrick Bürger ein – zumindest in der Vergangenheit – verlässlicher Stürmer wieder fit ist, dürfte der SVM im Frühjahr in einer anderen Grundordnung auftreten.

Mehr Dynamik durch die Mitte?

In den Testspielen schickte Vastic sein Team unter anderem in einem 4-4-2 mit Mittelfeldraute aufs Feld. Eine Formation, die mit dem verfügbaren Personal viel Sinn ergibt. Im Angriff hat man neben Bürger und Templ mit Markus Pink und Ingo Klemen zwei weitere Stürmer, die ihe Aktionen auf das Sturmzentrum fokussieren. Farkas‘ breites Fähigkeitenprofil kann auf der Rechtsverteidigerposition ebenfalls ausgenützt werden. Außerdem hat man im zentralen Mittelfeld sowohl qualitativ, als auch quantitativ genügend passende Ressourcen.

Jano könnte weiterhin als tiefster Mittelfeldspieler die Fäden vor der Abwehr ziehen, während die Halbpositionen und der Zehner variabel besetzt werden können. In Manuel Prietl steht Vastic einen weiteren starken Balleroberer zur Verfügung. Der 24-Jährige verbuchte pro 90 Minuten unter allen Mittelfeldspielern mit mindestens 20% Einsatzzeit die meisten Tackles (4,6) und fing außerdem drei Pässe ab. Sven Sprangler, der im Herbst noch Probleme hatte sein Potenzial zu bestätigen, würde sich als Pendler anbieten. Auch Röcher dürfte diese Rolle im Trainingslager übernommen haben. Eine Schlüsselrolle könnte Michael Perlak zukommen.

Der 30-Jährige war zwar schon während der ersten 20 Runden ein wichtiger Baustein, war anteilig nach Jano für die meisten Pässe im SVM-Spiel verantwortlich. Der 30-Jährige zeigte seine Klasse in unterschiedlichen Kategorien, wie man anhand der obigen Radargrafik erkennen kann. Besonders im dynamischen Bereich ragt er heraus, bewegt sich gut in den Zwischenräumen und mit dem Ball. Bestätigt Perlak seine Leistungen, wird es interessant ob er auch nächste Saison im Burgenland aktiv sein wird. Sein im Sommer endender Vertrag besitzt zwar eine Verlängerungsoption, doch spätestens seit dem Transfer von Onisiwo weiß man, dass damit nicht alles getan ist.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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