Der SK Rapid empfängt heute den FC Thun und machte am vergangenen Sonntag die perfekte Werbung für ein möglichst volles Ernst-Happel-Stadion. Was kann man... Rapid will drei Punkte: Lehren aus dem Sieg gegen Salzburg und Unterschiede zum bevorstehenden Duell mit dem FC Thun

Christopher TrimmelDer SK Rapid empfängt heute den FC Thun und machte am vergangenen Sonntag die perfekte Werbung für ein möglichst volles Ernst-Happel-Stadion. Was kann man von Rapid gegen den aktuellen Tabellensechsten der Schweizer Liga erwarten? Was machte die Barisic-Elf gegen Salzburg richtig? Und wie wird die restliche Herbstsaison der Grün-Weißen aussehen?

Das Aufeinandertreffen zwischen dem SK Rapid und Red Bull Salzburg verdiente das Prädikat „Spitzenspiel“. Dies lag nicht an den systematisch guten Kampfleistungen der Akteure und schon gar nicht an den unterdurchschnittlichen Passwerten. Das Spiel wurde zu einem echten Schlager, weil beide Teams mit offenem Visier spielten und Red Bull Salzburg den Hütteldorfern ein Spiel anbot, das diesen gelegen kam.

Salzburg zuerst gedankenschneller

Nach der 1:3-Niederlage in der Südstadt wollte Red Bull Salzburg bei Rapid wieder siegen und trotz einiger schmerzlicher Ausfälle zeigten die Bullen bald, dass man dieses Ziel sehr fokussiert verfolgen würde. Zu Spielbeginn war Salzburg phasenweise gedankenschneller als Rapid, was sich in Brian Behrendts Ballverlust im Mittelfeld niederschlug, der zu Alans 1:0 führte. Doch aufgrund der weiterhin offenen Spielweise des Tabellenführers, konnte Rapid nach und nach Tugenden ausgraben, die den Rekordmeister schon in der durchwachsenen Ära Schöttel auszeichneten.

Rapid grundsätzlich kontrollierend

Rapid ist die Mannschaft, die in der tipp3 Bundesliga die meisten Pässe spielt und auch an den Mann bringt. Das Spiel der Hütteldorfer ist grundsätzlich auf Kontrolle ausgelegt. Die Viererkette, vor allem der rechte Teil davon, rückt stets weit auf, die Innenverteidiger versuchen dem Spiel die nötige Höhe zu geben. Dass die aktuellen Sechser Rapids technisch gut sind, ist ein nicht zu verachtender Aspekt in dieser Spielart, weil sie so auch weiter aufrücken können und allesamt potentielle Produzenten von Schlüsselpässen sind.

Beiderseitig offenes Visier – Vorteil für Rapid

Gleichzeitig sind aber die Flügelspieler die fehleranfälligsten Akteure im Spiel der Grünen. Dies ist zahlreichen Zweikämpfen in ungünstigen Lagen geschuldet, die ein Gegner erzwingt, wenn er tief steht. Und gegen Rapid stehen auf nationaler Ebene die meisten Teams eher tief. Nicht so Salzburg. Dadurch, dass auch die Roten Bullen speziell in der Mitte des Spiels hoch standen, entwickelte sich ein heftiger Schlagabtausch, in dem Rapid einerseits konkreter konterte und andererseits das Prinzip der aktiven und passiven Flügel besser beherrschte.

Rapid entscheidet das „Duell des Gegenpressing“ für sich

Rapid spielte in dieser Phase stark ballorientiert und verschob richtig. Speziell nach dem Treffer zum 0:1 stach ins Auge, dass sich die junge Mannschaft von Zoran Barisic nicht verunsichern bzw. zurückdrängen ließ, sondern weiter als Block hoch attackierte. Weil gerade diesbezügliche Wackelkandidaten wie Burgstaller oder Schaub, aber auch Kapitän Hofmann größtenteils gut ihre Positionen hielten und diese nur situativ und dabei äußerst fokussiert anpassten, entschied der SK Rapid die entscheidende Facette des Spiels für sich: Das Gegenpressing.

Extrem schnelle Zurückeroberung von verlorenen Bällen

Die Hütteldorfer eroberten verlorene Bälle sehr schnell wieder zurück. Und auch wenn es ob der dynamischen Leistung nicht so wirkte: Rapid verlor in diesem Spiel viele Bälle. Allerdings versuchte Salzburg nach Ballgewinnen vor allem mental schnell auf Offensive umzuschalten, was nur selten gelang, weil Rapid sehr viele Bälle auf der Zentralachse unmittelbar wieder eroberte. Den komplettesten Part nahm dabei Thanos Petsos ein, der nach zwischenzeitlichen Formschwankungen zuletzt zu starker Form auflief. Petsos kommt dabei zu Gute, dass er das Spiel gut lesen kann und die nächsten Aktionen des Gegners vorausahnt. So geschehen im Match gegen Salzburg, in dem er einer der besten Spieler auf dem Platz war.

Hofmann und Behrendt besinnen sich auf Stärken

Klassische Rollen in Rapids Spiel nach Ballverlusten nahmen Steffen Hofmann und Brian Behrendt ein. Während der deutsche Routinier kaum Zweikämpfe gewann, dafür in der Weiterverarbeitung wiedergewonnener Bälle eine enorm wichtige Rolle spielte, war die oft gedankenlangsame deutsche Nachwuchshoffnung in einigen Situationen ein wichtiger, wenn auch unauffälliger Fels in der Brandung. Behrendt gewann für Rapid die zweitmeisten Zweikämpfe.

Schlüsselspieler Trimmel

Die meisten gewann übrigens Christopher Trimmel, der immer mehr zu einer Schlüsselfigur heranreift und längst ein Thema für Marcel Koller sein sollte. Der Rechtsverteidiger besticht mit seiner Athletik, einer positiven Körpersprache und auch mit Torgefahr, die er beim Treffer zum 1:1 unter Beweis stellte. Sein zugeteilter Gegenspieler Sadio Mané wich mit Fortdauer des Spiels immer wieder aus und hielt seine Position nur noch sporadisch, weil er mit dem kampfstarken Trimmel keinen leichten Gegner hatte. Rapids Nummer 28 ist mittlerweile einer der heimlichen Chefs im Team und seine Rolle als Ersatzkapitän kommt nicht von ungefähr.

Gereift in Balleroberung und Weiterverarbeitung

Banal gesagt waren es Konter, die Rapid gegen Salzburg feldüberlegen machte. Eine Spielidee, die auch für die besten Spiele unter Peter Schöttel verantwortlich ist. Geht man jedoch tiefer in die Materie, bemerkt man, dass die Mannschaft gereift ist und sich nach Ballgewinnen schnell und sicher brenzligen Gegenpressingsituationen entziehen kann. Da Salzburgs Spiel nicht auf Sicherheit, sondern eher auf explosiven, kurzen Läufen basiert, war der Vizemeister ein dankbarer, wenn auch starker Gegner für Rapid. Andere Teams würden sich nach eigenen Ballverlusten sicherer formieren, abwartender spielen. Red Bull Salzburg versuchte den Ball so schnell wie möglich zurückzuerobern, doch Rapid behauptete die Bälle nicht nur, sondern versuchte auch immer wieder sofort in die Offensive zu gehen und zum Abschluss zu kommen.

Dennoch kein echter „Salzburg-Verfolger“

Sieben Punkte beträgt nun der Rückstand Rapids auf Red Bull Salzburg. Die Hütteldorfer sind damit erster Verfolger des sicher geglaubten Meisters. Doch ist Rapid wirklich ein ernstzunehmender Verfolger? Wohl kaum, denn die junge Truppe aus Wien-Penzing ist noch nicht gefestigt genug. Zwar kann Rapid unter gewissen Umständen großartige Partien aus dem Hut zaubern, dafür aber tut man sich wieder gegen kleinere Gegner schwer, die sich vor dem eigenen Sechzehner nicht so leicht aus der Reserve locken lassen. Aufgrund qualitativer Lücken kann Rapid keinen Power-Offensivfußball wie in den Jahren 2007 bis 2009 aufziehen. Augenscheinlich ist aber, dass Rapid erstmals seit vier Jahren über einen sichtbaren Stamm verfügt, der das Gerüst in Grün-Weiß zusammenhält. Die Verpflichtung von Thanos Petsos, die Leistungsexplosion Trimmels, die mittlerweile weitgehend stabile Innenverteidigung und auch ein wiedererstarkter Kapitän geben der Mannschaft nach und nach ein Gesicht. Barisic kann auf diesen Pfeilern seines Teams aufbauen, muss dies aber weiterhin geduldig machen. Es ist mehr als nur wahrscheinlich, dass es in den verbleibenden sieben Pflichtspielen im Jahr 2013 noch einen oder mehrere Dämpfer geben wird, auch wenn man Red Bull Salzburg vergangenen Sonntag an die Wand spielte. Richtig effizient ist Rapid trotz teils sehr starker Ansätze nämlich weiterhin nicht.

Auch Thun will gewinnen

Ein derartiger Dämpfer ist heute gegen Thun aber nicht zu erwarten. Die Schweizer haben ähnlich wie Rapid nichts zu verlieren und werden versuchen in Wien zu gewinnen. Geht man davon aus, dass sie dies machen wie im Hinspiel, wird Rapid im eigenen Stadion Räume für Konter bekommen. Das Spiel der Thuner zeichnete sich durch das schnelle Umschalten der Außenspieler aus und mit Dennis Hediger verfügt das Team von Trainer Urs Fischer über einen alleinigen Taktgeber im defensiven Mittelfeld. Rapid hat derer bereits mehrere, auch wenn es zu Beginn der Saison nicht so aussah.

Thun im Umschaltspiel bremsen

Thun wird gegen Rapid zwar relativ tief stehen, aber auch versuchen mit Diagonalpässen aus der Zentrale die schnellen Außenspieler in Szene zu setzen. Rapid muss deshalb versuchen möglichst clever in die Breite zu verschieben (Stichwort aktiver/passiver Flügel), wie man es gegen Salzburg bereits schaffte. Es wird nur wenige Aktionen geben, in denen Thun nach Ballgewinnen versuchen wird, den Ball mit Fokus nach vorne am eigenen Strafraum zu kontrollieren. Es wird aber sehr wohl einige Situationen geben, in denen die Schweizer versuchen werden, mit eher weiten Pässen umzuschalten und dabei auch ihre Außenverteidiger mitzunehmen. Diese Bälle gilt es abzufangen und genau so schnell und zielgerichtet zu verarbeiten wie gegen Salzburg. Dies muss gelingen, um den ersten Sieg in der EL-Gruppenphase seit dem 6.Dezember des Vorjahres (1:0 gegen Metalist Kharkiv) einzufahren. Ein nicht zu hoch gestecktes, realistisches Ziel – denn kompromissloses Powerplay darf man trotz des Formanstiegs in Grün-Weiß gegen diesen gut geordneten Gegner nicht voraussetzen.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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