Austria Wien verpasste den Sprung in den Europacup. Ein Hauptschuldiger war 2008 noch umjubelter Held bei der Euro: Ivica Vastic. Er löste vor Weihnachten... Saisonrückblick: Und dann kam Ivica Vastic

Austria Wien verpasste den Sprung in den Europacup. Ein Hauptschuldiger war 2008 noch umjubelter Held bei der Euro: Ivica Vastic. Er löste vor Weihnachten Karl Daxbacher ab, musste aber auch Zlatko Junuzovic und Nacer Barazite vorgeben.

Aufrüsten

Karl Daxbacher wollte endlich das erreichen, was den Veilchen seit 2006 nicht mehr gelungen war: Meister werden. General Manager Thomas Parits mistete im Sommer den Kader aus. Petr Vorisek (SCR Altach), Fernando Troyansky (SC Wr. Neustadt), Szabolcs Safar (Wacker Innsbruck) und Schumacher (Volyn Lutsk) mussten gehen. Julian Baumgartlinger münzte seine tollen Leistungen in einen Transfer zum FSV Mainz 05 um, Robert Almer hatte genug von der Austria-Bank und ging zu Fortuna Düsseldorf. Im Gegenzug holte man mit Pascal Grünwald von Wacker Innsbruck einen Goalie, der Heinz Lindner Feuer machen sollte und verstärkte sich im Mittelfeld mit Florian Mader (SV Ried) und Alexander Grünwald (SC Wr. Neustadt). Kaja Rogulj (Slaven Belupo Koprivnica) war eine neue Alternative in der Innenverteidigung.

Nach dem Rauswurf von Karl Daxbacher kurz vor Weihnachten und der billigen Installierung von Ivica Vastic, Werbegesicht eines prominenten Sponsors der Favoritner, scheffelte die Austria mit den Abgängen von Zlatko Junuzovic (Werder Bremen) und Nacer Barazite (AS Monaco) ordentlich viel Geld. Tomas Simkovic (SC Wr. Neustadt) und Roman Kienast (SK Sturm Graz) sollten die entstandenen Lücken füllen. Dazu kam noch James Holland (AZ Alkmaar), vermutlich um nochmals so einen finanziellen Treffer wie mit Barazite zu machen. Es half aber alles nichts.

Austria Wien auf Europa-Tournee

Bereits im Sommer war ersichtlich, dass sich die Austria gegen defensiv gut stehende Gegner schwer tut. Auf die Spiele gegen Rudar Pljevlja (3:0, 2:0) hatte das noch keine Auswirkungen. Gegen Olimpija Lubljana wurde auswärts 1:1 remisiert, daheim traf Barazite zunächst zwei Mal zur Führung, ehe die Slowenen noch ausgleichen konnten. Wieder war es der Niederländer, der per Elfmeter die Veilchen ins Playoff schoss. Der letzte Gegner vor der Gruppenphase war Gaz Metan Medias aus Rumänien. Diese hatten zuvor den FSV Mainz eliminiert. Die Wiener stiegen nach einer 0:1-Niederlage in der Fremde durch ein 3:1 daheim auf, ein ums andere Mal war es Barazite, der mit zwei Toren das Weiterkommen sicherte.

In der Gruppenphase scheiterte die Austria am Torverhältnis am AZ Alkmaar. Gegen die Niederländer zeigte der FAK zwei sensationelle Partien, Metalist Kharkiv war, wie auch später für die Salzburger, eine Nummer zu groß. Allerdings verkauften sich die Violetten daheim mit 1:2 deutlich besser als die Bullen. Die Siege gegen Malmö waren gleichsam „vorprogrammiert“, wie erzittert. Die Austria verkaufte sich gut, in den entscheidenden Augenblicken gegen Alkmaar fehlte allerdings das Quäntchen Konzentration.

Die Cup-Saison der Veilchen

Als 27-facher Gewinner dieses Bewerbs und alleine in den letzten zehn Jahren fünffachen Siegers wollten sich die Wiener über den Cup für Europa qualifizieren. Der Meisterschaftsaspirant musste in der Liga bald nach Rückrundenstart erkennen, dass es sehr eng werden würde. Die Auslosung machte es den Veilchen leicht: In der ersten Runde ging es gegen die Juniors der Admira (3:1), in der zweiten gegen den Drittligisten Allerheiligen (3:1). Nach dem 2:0-Achtelfinalsieg gegen Reichenau, Landesligist aus Tirol, konnte der FAK dem Namensvettern aus Lustenau den Aufstieg verderben (2:1). Am 2. Mai ging es gegen die bis dato spielerisch nicht immer überzeugenden Rieder. Die Austria bot eine uninspirierte Leistung und die Innviertler zogen mehr als verdient ins Cup-Finale ein. Im Cup geht es darum, punktgenau Leistung zu bringen. Nicht einmal Kampf schaffte die Vastic-Elf.

Die Daxbacher-Hinrunde

Der große Wurf schien für die Daxbacher-Truppe am Ende der Hinrunde nicht möglich. Mit einer Niederlage gegen Red Bull in die Saison gestartet, folgten bis zum 17. Spieltag nur noch eine daheim gegen die starken Admiraner und eine Auswärts gegen die SV Ried. Zwei Heimremis gegen Mattersburg und Wiener Neustadt sowie eine 1:5-Klatsche in Graz und eine 0:3-Pleite gegen Salzburg verschlimmerten dann das interne Klima. Mannschaftsinterne Probleme machten die Stimmung nicht besser. Der Rauswurf Karl Daxbachers kam sehr überraschend, denn vier Zähler Rückstand auf Rapid Wien nach 19 Runden waren eigentlich nicht so schlimm. Durch die drohenden Abgänge der Kreativspieler Junuzovic und Barazite hätte klar sein müssen, dass die Ablöse des Cheftrainers, der offensiv zu wenig Eingespieltheit vorwies, die Situation nicht unbedingt vereinfachen würde. Dennoch beugte sich die sportliche Führung dem Druck eines Sponsors und installierte den auf Profiebene komplett unerfahrenen Ivica Vastic.

Die Vastic-Rückrunde

Fünf Niederlagen, fünf Remis und sieben Siege standen am Ende zu Buche, dazu ein müder Kick ohne Verve, noch weniger Kreativität im Mittelfeld und der vierte Endrang. Der Rückstand auf Meister Salzburg betrug satte 14 Punkte. Dennoch hatten sich die Austria-Verantwortlichen nicht entblödet, Vastic einen Freifahrtschein bei einer Qualifikation zum Europacup auszustellen. Es wirkt aber fast so, dass der hilflos wirkende Vastic Glück hatte, diese zu verpassen, denn bei den Fans hatte er durch das müde Spiel jedweden Kredit verspielt. Auch die Mannschaft schien sich mit dem neuen Trainer nicht mehr zu verstehen, ließ des Öfteren in der Schlussphase deutlich nach.

Moment der Saison

„Enttäuscht bin ich nur über das Ergebnis, nicht über das Auftreten“, sagte der Coach nach dem bitteren Cup-Aus gegen die SV Ried. „Für ein Freundschaftsspiel hätte die Einstellung gerade noch gereicht“, widersprach Schlussmann Heinz Lindner. Der ORF schloss sich dem jungen Tormann an und titelte: „Vastic verweigert weiter Realität“.

Fazit

Natürlich zeigten sich die Veilchen im Herbst gegen tief stehende Gegner nicht immer von ihrer Schokoladenseite. Natürlich war es schwer für den neuen Trainer, ohne Nacer Barazite und Zlatko Junuzovic auszukommen. Aber einen Vorwurf muss man sich in Wien-Favoriten gefallen lassen: Mangelnder Weitblick. Eine Mannschaft von 24, 25 Spielern braucht Sicherheit, wenn die verlässlichen Kreativspieler gehen werden. Hätte Daxbacher abgeschossen werden sollen, hätte die sportliche Leitung den Trainer auch nach der Rückrunde rauswerfen können, immerhin war er in der Hinrunde noch näher an der Spitze dran. So verheizte die Führung die billigere und wohl populärere Variante.  Wer wird Ivica Vastic je wieder anstellen? Ein guter Feldspieler ist noch lange kein guter Trainer. Aber versagt hat hauptsächlich Thomas Parits, der auf die Abgänge, die unweigerlich kommen mussten, zu spät und unzulänglich reagierte und die vereinsinterne Lösung verheizte.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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