Red Bull Salzburg gab vorgestern die Verpflichtung des Spaniers „Chema“ bekannt. Der 22jährige kommt aus der B-Elf von Betis Sevilla und wurde für die... Von Real zu Red Bull: Der Werdegang von Salzburgs Neuem "Chema"

Red Bull Salzburg gab vorgestern die Verpflichtung des Spaniers „Chema“ bekannt. Der 22jährige kommt aus der B-Elf von Betis Sevilla und wurde für die linke Abwehrseite verpflichtet, obwohl seine angestammte Position die Innenverteidigung ist. Chema ist Salzburgs fünfter Neuzugang vor der Saison 2011/12 (sofern man den weiterhin rekonvaleszenten Douglas da Silva auch als Neuzugang zählt).

Name: José María "Chema" Antón Samper
Nationalität: Spanien
Geburtsdatum: 19.3.1989
Alter 22
Geburtsort: Casas del Senor
Stammposition: Innenverteidigung
Nebenposition: linker Außenverteidiger
Größe: 183cm
Gewicht: 73kg
Starker Fuß: links
Momentaner Verein: Red Bull Salzburg
Bisherige Vereine: Real Betis Balompié B, Real Madrid B

Jose Maria „Chema“ Anton Samper erblickte am 19.März 1989 das Licht der Welt und wuchs im kleinen Städtchen Casas del Senor, eine knappe Autostunde landeinwärts von Alicante auf. Obwohl mit Murcia, Alicante und Valencia einige bekannte Profiteams mit dem Auto mehr oder weniger schnell erreichbar gewesen wären, begann Chema seine Karriere beim kleinen Club Kelme CF, der aus der nahe gelegenen Stadt Elche kommt. Kelme CF ist ein Club, dessen höchste Mannschaft die Junioren sind und sich als Zuarbeiter für Real Madrid versteht.

2003 wechselte er 14jährig in die spanische Hauptstadt und durchlief dort alle Jugendauswahlen, bis er schließlich 2007 seinen ersten Profivertrag unterschrieb. Vorgesehen war er für das B-Team der Madrilenen und er spielte dort drei Saisonen in der Segunda Division B, der dritthöchsten Spielklasse im Land des Europa- und Weltmeisters. Im Oktober 2008 ließ ihn Bernhard Schuster erstmals auf der Bank Platz nehmen.

CHEMA IM NACHWUCHSNATIONALTEAM

Coach Gines Melendez nahm den talentierten Nachwuchsspieler zur U19-EM mit, welche 2008 in Tschechien statt fand. Gemeinsam mit Chema waren Spieler wie David de Gea (Atletico Madrid, Manchester United), Daniel Parejo (Getafe, Valencia) oder Fran Merida (Arsenal, Real Sociedad, Atletico Madrid) im Kader. Der Innenverteidiger spielte alle drei Spiele der Europameisterschaft, auch wenn sich die Titelverteidiger bereits nach der Vorrunde als Dritter der Gruppe A verabschieden mussten, da man gegen die Ungarn 0:1 und die Deutschen 1:2 verlor. Das 4:0 gegen Bulgarien zum Abschluss war nur noch Ergebniskorrektur.

Chema Anton spielte ein sehr starkes Turnier und konnte so seinem Club zeigen, dass er ein vielversprechendes Talent in seinen Reihen hat. Die Medien starteten einen regelrechten Hype um den Spieler, Vergleiche mit Michael Salgado wurden laut.

BEI REAL UND BETIS IM B-TEAM

Dass es bei Real Madrid nicht leicht ist in die erste Mannschaft zu kommen ist klar. Noch schwerer ist dies natürlich für einen so jungen Spieler, der Chema 2008 war. Durch Verletzungen von Garbiel Heinze und Marcelo durfte er aber am 7.Dezember bei der 3:4-Niederlage gegen Sevilla FC auf der Bank Platz nehmen. Die Konkurrenz erwies sich jedoch als zu stark, das Talent als nicht groß genug, eine Legitimation zum Spielen hatte er im Gegensatz zu Iker Casillas, der 19jährig beim weißen Ballett debütierte, nicht.

Von 2007 bis 2010 spielte Chema Anton insgesamt 55 Partien für die B-Elf der Madrilenen und erzielte ein Tor. Im A-Team war an Spielern wie Fabio Cannavaro oder Gabriel Heinze kein Vorbeikommen, hießen die Back-Ups doch beispielsweise Christoph Metzelder oder Marcelo. Auch in weiterer Folge gab es keine Möglichkeiten zu spielen, waren doch Verteidiger wie Pepe, Sergio Ramos, Miguel Torres oder eben der nur ein Jahr ältere Marcelo selbst noch am Anfang ihrer Karriere und konnten dementsprechend überzeugen.

AUCH IN SEVILLA KEIN „FIRST-TEAM-FOOTBALL“

Eine weitere Chance, sich in La Liga zu beweisen, erhielt das Talent nicht, weswegen er mit 21 Jahren das Weite suchte und bei Real Betis anheuerte. Über das B-Team wollte er sich in die Segunda Divison spielen, die die Andalusier 2010/11 gewannen. Doch der Traum von der Primera Division zerplatzte. Trotz 31 Einsätzen für das B-Team in der dritthöchsten Spielklasse wurde er nicht für die erste Mannschaft berücksichtigt. Auch in Sevilla war die Konkurrenz in der Verteidigung zu stark: Roversio, Chechu Durado, sogar der Oldie David Belenguer wurde ihm vorgezogen, der 38-jährige, der mittlerweile seine Karriere beendete, kam auf 22 Saisoneinsätze.

DIE CHANCE IN SALZBURG?

Die Innenverteidigung der Bullen wirkte trotz weniger Gegentore in der letzten Saison oftmals wacklig, weswegen bereits im Winter Douglas da Silva kam, der aber aufgrund einer langwierigen Verletzung noch kein Spiel bestritt. Später gesellten sich mit Fränky Schiemer und seit neuestem mit Ibrahim Sekagya zwei potentielle Stammspieler zu da Silva ins Lazarett. Nachdem wohl Pasanen als Ersatz für die beiden erstgenannten kam, musste man natürlich nach Sekagyas Ausfall reagieren. Nach den Abgängen von Dudic und Afolabi waren bis zu Chema Antons Verpflichtung mit dem jungen Hinteregger und Pasanen plötzlich nur noch zwei etatmäßige Innenverteidiger im Kader.

Die Dringlichkeit des Unterfangens und die Unsicherheit bei dem Transfer beweist wohl auch die nur einjährige Vertragslaufzeit. Chema ist nun einer von mehreren Spaniern, die aus dem Unterbau kommen. Waren es vor einigen Jahren noch Spieler vom Balkan, die in die Bundesliga drängten und später Tschechen und Slowaken, so sind nun die Spanier in den Fokus der Spielervermittler gerückt.

FAZIT – SEINE STÄRKEN UND SCHWÄCHEN

Der ehemalige Real-Madrid-Spieler gilt als schneller Spieler mit einem guten linken Fuß, der auch auf der Außenbahn eine gute Figur macht, sich als Linksverteidiger sogar oft wohler fühlt als innen. In den B-Teams der La-Liga-Vereine galt er als kompromissloser Verteidiger und trotz seiner Jugend als Führungsspieler. Spanische Fachmedien beschreiben ihn als exzellent in der Abwehr und sehr ballsicher in der Vorwärtsbewegung, seine Zweikampfbilanzen fielen ebenfalls sehr positiv aus. Sein Manko ist, dass er sich in der Segunda Divison gegen nicht übermächtige Konkurrenz kaum durchsetzen konnte, bei Real Madrid kann man das von einem so jungen Verteidiger nicht verlangen.

Am Anfang wird Chema der erste Back-up hinter dem Duo Hinteregger/Pasanen sein. Die Chance, den Finnen aus dem Team zu spielen, besteht aber angesichts dessen Performance in den Vorbereitungsspielen. Zudem hat Chema auch die Chance auf der linken Seite zu Spielen zu kommen. Der Einjahresvertrag ist aber eine Hypothek, gilt es doch, die Nationalspieler Sekagya und Schiemer in Schach zu halten und den teuren Einkauf Douglas da Silva zu übertrumpfen. Chema Anton kann seine Chance als ablösefreier, junger und talentierter Innenverteidiger nützen, um sich ins Rampenlicht zu spielen, sollten die erfahrenen Spieler aber wieder fit werden, muss er außergewöhnliche Leistungen bringen, um mehr als ein Jahr in Salzburg zu bleiben.

Georg Sander, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen