Eine durchaus eingespielte Truppe, die eine relativ einfache Taktik sehr diszipliniert umsetzt. Das wartet heute Abend an der Ostsee auf Red Bull Salzburg. In... Salzburgs Gegner unter der Lupe: Das ist Metalurgs Liepaja!

Eine durchaus eingespielte Truppe, die eine relativ einfache Taktik sehr diszipliniert umsetzt. Das wartet heute Abend an der Ostsee auf Red Bull Salzburg. In Österreich ist der lettische Vertreter Metalurgs Liepaja natürlich eine große Unbekannte, doch abseits.at bringt Licht ins Dunkel und stellt euch mit diesem Artikel Team, Taktik und die Problemzonen des Teams vor!

DER TORHÜTER

Der Torhüter des lettischen Klubs ist erst seit dieser Saison der 25jährige Pavels Steinbors. Bis letztes Jahr war der 191cm große Keeper Ersatzmann und sprang innerhalb von 2 ½ Jahren nur elfmal ein. Mittlerweile ist Steinbors jedoch Stammkeeper und das völlig zu Recht: Steinbors fiel in der Vergangenheit bereits zahlreichen ausländischen Klubs wie etwa dem FC Augsburg aus, stand eine halbe Saison leihweise beim FC Blackpool unter Vertrag. Er gilt als starker Linien-Torhüter, der jedoch auch seinen Strafraum gut im Griff hat und bei Flanken solide ist. Einzig sein fußballerisches Talent lässt zu wünschen übrig.

Die Ersatzleute auf der Torhüterposition werden Steinbors nicht mehr das Wasser reichen: Der 39jährige Viktors Spole, seit 2000 Stammtorhüter von Metalurgs Liepaja mit knapp 250 Spielen auf dem Buckel, stand seit Mai nicht mehr zwischen den Pfosten. Und der 17jährige Oskars Potapenko, 197cm groß, wird zwar im Vorfeld seiner anlaufenden Karriere hochgelobt, spielte aber noch keine Partie für die Kampfmannschaft.

DIE ABWEHR

Abwehrchef des Teams ist der 31jährige Pavels Mihadjuks, der im Juni schon in Österreich auf sich aufmerksam machte: Beim 3:1-Länderspielsieg Österreichs gegen Lettland erzielte er den Führungstreffer für die Letten und flog in der Schlussphase mit Gelb-Rot vom Platz. Der ehemalige Schottland-Legionär gilt als Spätzünder, ist aber heute eine absolute Stütze im Team von Metalurgs Liepajas. Zweikampfstark ist Mihadjuks durchaus, allerdings oft an der Grenze der Fairness. Der 189cm ist auf internationaler Ebene aufgrund seiner Auslandserfahrung sicher eine Hilfe für das Team, spielerisch ist er jedoch in der lettischen Liga genau richtig aufgehoben…

Der zweite Innenverteidiger neben Mihadjuks wird mit Artyom Kuznetsov (25) eine Notlösung sein. Der ehemalige, kurzzeitige U21-Teamspieler Lettlands gilt als fußballerisch schwacher, fehleranfälliger Verteidiger. In Lettland schnaufen die Fans jedes Mal durch, wenn Kuznetsov in der Startelf steht. Vor allem, weil der etatmäßige zweite Innenverteidiger ein richtig guter Fußballer ist: Antons Jemelins ist 27 Jahre alt, spielt seit 2004 für den Klub, ist jedoch erst seit drei Jahren Stammspieler, konnte in den letzten Saisonen jedoch überzeugen. Der Elfmeterschütze des Teams verletzte sich Ende Juni im Spiel gegen Ventspils und dürfte gegen Red Bull Salzburg ausfallen.

Der linke Verteidiger ist als Liepaja-Urgestein zu bezeichnen: Dznitars Zirnis (34) spielte für die lettische Nationalmannschaft bei der EURO 2004, spielte dort solide Partien, überzeugte durch taktische Disziplin und Lauffreudigkeit. Daran hat sich seitdem nichts geändert, nur dass Zirnis mittlerweile in die Jahre kommt. Dennoch ist der 68fache lettische Teamspieler, der 2010 Pech mit Verletzungen hatte, davor aber über zwölf Saisonen der Marathonmann des Teams war, eine Stütze im Team und mit über 400 Pflichtspielen einer der erfahrensten Spieler. Ein schneller, wendiger Gegenspieler kann Zirnis jedoch sicher zusetzen.

Auf der rechten Abwehrseite spielt mit Pavels Surnins (25) ein Spieler, der in seiner Entwicklung ein wenig stehen blieb. 2005 und 2006 war er Fixstarter im U21-Nationalteam, 2007 debütierte er im lettischen A-Team, wurde dann jedoch selbst bei Metalurgs regelmäßig für Monate aus dem Team gespielt. 2010 kamen Verletzungen dazu, ebenso im Mai dieses Jahres, als er über vier Wochen mit muskulären Problemen ausfiel. Surnins stieß erst vor wenigen Wochen wieder zum Team und seine Fitness könnte – obwohl in Lettland Ganzjahresmeisterschaften ausgetragen werden – noch angeschlagen sein.

Der Ersatzmann für alles ist Toms Mezs (21). Wo er gebraucht wird, dort spielt er – allerdings wird der flexible Abwehrspieler nicht oft gebraucht… noch nie spielte er in der Liga von Beginn an für Metalurgs Liepaja, er wurde lediglich neunmal eingewechselt, zudem 2010 an Gulbene verliehen um Spielpraxis zu sammeln. Wenn sich niemand der etatmäßigen Abwehrspieler verletzt oder der lettische Coach extrem harten Beton anrühren möchte, wird Mezs gegen Salzburg nicht zum Einsatz kommen.

DAS MITTELFELD

Im nominellen Fünftermittelfeld der Letten spielen vier Litauer. Und interessanterweise sind alle fünf Fixstarter des Metalurgs-Mittelfelds Spieler, die offensive Positionen erlernten und sie in Lettland wesentlich defensiver ausüben. So etwa der defensive Chef Tomas Tamosauskas (28). Der 18fache litauische Teamspieler spielt seit sechs Jahren in Liepaja, stand davor unter anderem erfolglos bei Dinamo Moskau unter Vertrag. Ursprünglich ist er ein offensiver Mittelfeldspieler, bei Metalurgs Liepaja organisiert er jedoch das defensive Mittelfeld und rückt bei gegnerischem Ballgewinn nicht selten so weit zurück, dass er als dritter Innenverteidiger durchgehen würde. Tomasaukas ist ein technisch guter Spieler, der gute weite Pässe spielen kann und somit wichtig für die Kontertaktik der Letten ist. Allerdings ist er auch immer wieder für Fouls in für den Gegner aussichtsreichen Positionen gut.

Den nächsten Part vor ihm spielt der einzige Lette im Standardmittelfeld des aktuellen Tabellendritten der „Virsliga“: Genadijs Solonicins (31) spielt bis auf eine halbjährige Unterbrechung, die er in Aserbaidschan bei Simurq verbrachte, seit Beginn seiner Karriere für Metalurgs Liepaja. In jüngeren Jahren, etwa unter Ex-Trainer Rüdiger Abramczyk, bekleidete er die Position eines klassischen Zehners. Mittlerweile spielt Solonicins defensiver, ist wie Tamosauskas ein Spieler, der versucht schnell in die Tiefe zu spielen. Zudem ist der Routinier, der in etwa 350 Pflichtspielen 50 Tore für Metalurgs erzielte, ein guter Standardschütze.

Der dritte Spieler für die Zentrale ist der Litauer Vitalijus Kavaliauskas (28), der ursprünglich (bei seinem Ex-Klub Ekranas Panevezys) als spielende Spitze agierte. Er ist mit Sicherheit der offensivste Mann im Mittelfeld des lettischen Klubs, doch auch er bekleidet mittlerweile eher eine Position, die der von Leitgeb oder Cziommer bei Red Bull Salzburg nahekommt. Der 17fache litauische Teamspieler, der auch aktueller Nationalspieler seines Landes ist, ist wohl der torgefährlichste Spieler der Liepaja-Elf.

Im rechten Mittelfeld spielt Marius Cinikas (25), ein ehemaliger litauischer U21-Nationalspieler, der von allen Akteuren die bemerkenswerteste Positionswandlung hinter sich hat. In Litauen spielte der schnelle, durchschlagskräftige Kicker zunächst bei Nevezis als klassische Spitze, dann bei FBK Kaunas als rechter Verteidiger. Nach einem halben Jahr bei Heart of Midlothian in Schottland wechselte er zu Partizan Minsk, wo er als defensiv orientierter rechter Mittelfeldspieler zum Einsatz kam. Eine Position, die er auch heute in Liepaja bekleidet. Die rechte Seite teilt sich Cinikas quasi mit Außenverteidiger Surnins, die ein ausgewogenes Duo abgeben, das gut umschaltet und staffelt, allerdings kaum für Torgefahr sorgt.

Anders die linke Seite: Da ist der routinierte Außenverteidiger Zirnis hauptsächlich mit Defensivaufgaben betraut und offensiv kann der vierte Litauer im Team, Nerijus Valskis (23), werkeln. Der schnelle, technisch gute Flügelspieler, der auch auf den Halbpositionen im Mittelfeld eine gute Figur macht, erzielte heuer bereits sechs Pflichtspieltore und ist einer von zwei Spielern, die gerne von den Herren Solonicins und Tamosauskas gesucht werden, wenn sich die Gelegenheit für einen weiten Pass bietet. Während die rechte Seite von Metalurgs Liepaja weniger anbrennen lässt, ist die linke Seite facettenreicher und torgefährlicher.

Die Ersatzmänner: Igors Aleksejevs (22, offensives Mittelfeld) ist dauerverletzt und machte seine letzte Partie im Oktober 2010. Jevgenijs Golovins (22) ist ein solider Ersatzmann für den rechten Flügel, spielte jedoch in vier Saisonen erst viermal von Beginn an. Dmitrijs Hmizs (18) ist die größte Hoffnung im Team von Metalurgs – der aktuelle U19-Teamspieler Lettlands ist ein technisch guter Abräumer fürs defensive Mittelfeld, der jedoch noch körperliche Defizite aufweist.
Der wichtigste Ersatzmann fürs Mittelfeld ist jedoch Jurgis Kalns (28), der eigentlich Stammspieler ist, zuletzt aber aus dem Team gespielt wurde. Kalns ist gelernter Stürmer, machte etwa 2009 fünfzehn Saisontore für Jurmala, spielt bei Metalurgs Liepaja allerdings im zentralen Mittelfeld, wo er als defensiv ausgerichteter Ersatzmann für Solonicins oder Kavaliauskas geeignet ist. Nicht unwahrscheinlich, dass man ihn aufgrund der größeren Dynamik statt Solonicins sehen wird.

DER ANGRIFF

Die vordersten Spitzen der Letten sind schnell erklärt. Gerade gegen Red Bull Salzburg ist Vladimirs Kamess (22) als Fixstarter anzusehen. Kamess ist U21-Teamspieler Lettlands und etabliert sich in der laufenden Saison nach einem fruchtbaren Leihgeschäft mit Gulbene (2010) in der ersten Elf von Liepaja: Mittlerweile hat er 2011 neun Pflichtspieltore auf seinem Konto. Er gilt als guter Konterstürmer, ist pfeilschnell, wenn auch technisch limitiert. Dennoch kann Kamess umrühren, ist auf nationaler Ebene für gegnerische Abwehrreihen ein unangenehmer Gegenspieler. Kamess ist jedoch allein auf weiter Flur, wenn er vom Mittelfeld nicht die notwendigen Bälle bekommt. Denn auch wenn sich der 22jährige, der in einer Variante mit zwei Angreifern immer als hängende Spitze fungiert, in Rückwärtsbewegung ins Mittelfeld zurückfallen lässt, ist er kein Spieler, der sich zahlreiche Chancen selbst erarbeitet.

Auch wenn er zuletzt erfolglos spielte, ist auf internationaler Ebene vermutlich Andrejs Prohorenkovs der unangenehmere Gegenspieler für die Salzburger Hintermannschaft. Der 34jährige spielte 32mal im Nationalteam, konnte bei der EURO 2004 überzeugen und ist ein bulliger Angreifer, der seinen Körper sehr gut einsetzt und gut im Abschluss ist. Er kann Bälle behaupten, weiterverteilen, ist ein guter Kopfballspieler, allerdings langsam und träge. Da Liepaja gegen Salzburg nicht auf Teufel komm raus stürmen wird, ist Prohorenkovs als Ersatzstürmer eingeplant.

Übrigens genauso wie der junge Roberts Savalnieks (18), der heuer bereits in 14 Pflichtspielen zum Einsatz kam, allerdings erst zweimal über volle 90 Minuten. Er ist nur 169cm groß und ein ähnlicher Typ wie Kamess.

DIE TAKTIK

Metalurgs Liepaja spielt ein 4-5-1, das in Rückwärtsbewegung nicht selten zu einem 5-3-1-1 wird. Dabei ist das Positionsspiel der Mittelfeldspieler zwar flexibel, dennoch zieht diese Mannschaft ihr taktisches Konzept, das keineswegs darauf ausgelegt ist, schönen Fußball zu spielen, sehr diszipliniert durch.

Metalurgs wird zweifelsfrei versuchen über den Kampf ins Spiel zu finden, die Zentralachse zuzumachen, um dann entweder die Flügel (speziell Valskis) oder mit weiten Bällen den schnellen Stürmer Kamess zu suchen.

Die Grundausrichtung des Teams sieht wie folgt aus (Klick für größere Ansicht):
[http://www.abseits.at/public/abseits/images/fotos/tn_aufstellung_metalurgsliepaja.jpg]

Tamosauskas ist der defensivste Mittelfeldspieler, vor ihm spielt Solonicins (oder Kalns), davor wiederum mit Kavaliauskas der offensivste. Die Flügel verhalten sich unterschiedlich, rechts spielt man kompakter, sicherer – links hingegen versucht man aus einer gesicherten Abwehr herauszuspielen und vorne den schnellen Valskis einzusetzen. Wenn das Team aus Lettland jedoch eingeschnürt wird, sich zurückziehen muss, gibt’s Beton! Die Ausrichtung des Teams kann dann wie folgt aussehen (Klick für größere Ansicht):

[http://www.abseits.at/public/abseits/images/fotos/tn_aufstellung_metalurgsliepaja_gegner.jpg]

Tamosauskas zieht sich so weit zurück, dass er als dritter Innenverteidiger durchgehen könnte. Solonicins und Kavaliauskas verschieben kontrolliert nach hinten, versuchen Räume zuzustellen. Ebenso übernimmt Cinikas auf der rechten Seite einen sehr defensiven Part, versucht seine Seite gemeinsam mit Surnins zuzumachen. Anders links: Valskis zeigt immer eine sehr offensive Grundausrichtung, wartet auf Kontergelegenheiten, nimmt am Defensivspiel seines Teams eher passiv teil, beziehungsweise verteidigt sehr hoch. Bei Ballverlust lässt sich auch die einzige Spitze in die eigene Hälfte zurückfallen, allerdings – ebenso wie der linke Mittelfeldspieler Valskis – stets mit dem Gedanken bei Ballgewinn wieder schnell umzuschalten, um dem eigenen Mittelfeld weite Bälle in die Spitze quasi aufzuzwingen. Übrigens ein System das nicht funktioniert, wenn Prohorenkovs als Solospitze aufgestellt ist.

FAZIT

Wenn Red Bull Salzburg es schaffen kann, Metalurgs Liepaja im Mittelfeld zu kontrollieren (wovon auszugehen ist), wird man mit dem lettischen Vertreter keinerlei Schwierigkeiten haben. Das Team ist technisch klar schwächer als der österreichische Vizemeister und nur dann gefährlich, wenn das Mittelfeld die Möglichkeit hat, seine flinken Spieler in Szene zu setzen. Wenn man Metalurgs in die Defensive drängt, die wenigen technisch begabten Spieler (Kavaliauskas, Valskis, mit Abstrichen Solonicins) nicht ins Spiel kommen lässt und sie dazu zwingt umfassende Defensivarbeit zu verrichten, ist ein Torerfolg gegen die Rot-Weißen vom Baltischen Meer nur eine Frage der Zeit.

Abseits.at tippt: Red Bull Salzburg gewinnt auswärts mit 2:0 und macht zu Hause mit einem weiteren 2:0 – bei dem sich niemand den sprichwörtlichen Haxn ausreißt – den Sack zu, wird die Hürde Metalurgs Liepaja ohne Probleme überwinden!

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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