Vor dem Cup-Achtelfinale beim Wolfsberger AC erklärte Rapids Sportchef Fredy Bickel im großen Fan-Interview mit abseits.at, dass die Mannschaft viel mehr im Kollektiv lösen... Gruppentaktisch verbessert und konkreter im Passspiel: Rapid siegt beim WAC

Vor dem Cup-Achtelfinale beim Wolfsberger AC erklärte Rapids Sportchef Fredy Bickel im großen Fan-Interview mit abseits.at, dass die Mannschaft viel mehr im Kollektiv lösen muss. Beim 3:0-Sieg im Lavanttal bekam der Zuschauer eine Ahnung, was Bickel damit gemeint haben könnte.

Es war erst Rapids zweiter Sieg in Wolfsberg. Und zugleich einer, der wieder eine ordentliche Selbstvertrauensspritze sein sollte. Andrija Pavlovic traf erstmals für Rapid – und dann gleich doppelt. Auch Christoph Knasmüllner, der in letzter Zeit etwas unglücklich agierte, erzielte einen tollen Treffer. Der Sieg der Hütteldorfer beim stets unangenehmen WAC war nie wirklich gefährdet. Und das hatte seine Gründe.

Schlüssigere Flügelbesetzungen

Kühbauer schickte seine Mannschaft diesmal wieder in einem klassischen 4-2-3-1 aufs Feld. Dabei bekam Potzmann eine berechtigte Pause und der allgemein defensiver agierende Müldür sollte hinter Murg zumachen. Auf der linken Seite setzte Kühbauer auf die beiden Freunde Bolingoli und Ivan, die künftig in diesem Gespann noch mehr forciert, zugleich aber auch von einem clever nach außen pendelnden Schwab abgesichert werden müssen. Neben Rapids Kapitän spielte wieder Ljubicic statt Martic, was sich diesmal als guter Schachzug entpuppte.

Mehr Biss in Zweikämpfen

Wie schon gegen die Admira sah man früh, dass Rapid den Kampf annimmt. Nach wenigen Minuten musste WAC-Stürmer Dever Orgill verletzt vom Platz, weil Christopher Dibon im Kopfballduell keine Gefangenen machte. Letzterer musste später allerdings selbst runter, weil ein Gegenspieler ihm versehentlich auf den Knöchel stieg. Dibon war einmal mehr das Sinnbild für die Kampfstärke bei Rapid, aber nicht nur er kannte kein Zurückziehen. Rapid präsentierte sich keineswegs brav, sondern agierte auch immer wieder an der Grenze zur Legalität. Eben so, wie es die Fans sehen wollen.

Weniger ist oft cleverer, wenn’s gemeinsam gemacht wird!

Das Finden von gemeinsamen Lösungen ist bei Rapid ein heißes Thema. Die Laufleistung der Hütteldorfer stimmt meistens – zumindest statistisch betrachtet. Durch die mangelnde Kollektivität im Spiel, sind aber auch viele leere Kilometer dabei. Das beste Beispiel ist das schwache Pressing, das Rapid bereits seit Jahren nicht verbessern kann. Nicht zu viel, dafür aber umso cleverer zu arbeiten, war in Wolfsberg die Devise. Mannschaftstaktisch gibt es noch vieles zu verbessern, gruppentaktisch zeigte sich Rapid allerdings deutlich verbessert – und deshalb auch souverän im Spiel mit dem Ball.

Bessere Bewegungen in Gruppen

Es begann damit, dass Solospitze Pavlovic besser antizipierte und mehr Bälle festmachen konnte, als in den letzten Spielen. Sein Aufwand fürs Team wurde durch seine Mitspieler, aber beim 2:0 auch durch einen Ritzmaier-Fehler, belohnt. Auch an den Flügeln, speziell auf der linken Seite, gelangen Rapid einige Balleroberungen, die gruppendynamischen Bewegungen und Abläufen geschuldet waren. Das lag nicht unbedingt an einem klaren, durchgängigen Konzept, sondern viel mehr an verbesserter Kommunikation auf dem Platz. Rapid schaffte es schlichtweg, die so genannten „ungefährlichen“ Räume besser zu überladen.

Schnelles Umschalten von „ungefährlichen“ in „gefährliche“ Zonen

Nach derartigen, von einer Gruppe an Spielern erzwungenen Balleroberungen, ging es zumeist schnell in die „gefährlichen“ Zonen. Dabei war auch die Symmetrie in Rapids Spiel recht interessant. Man legte den Fokus nicht auf eine bestimmte Angriffsseite, sondern variierte, kam häufig auch gefährlich durch die Mitte. Das machte Rapid unberechenbarer und erschwerte den Wolfsbergern das Verschieben. Das zeigten auch die drei Tore: Das 1:0 kam über rechts zustande, das 2:0 über den rechten Halbraum (aber auf dem Weg zur Mitte) und das 3:0 über links.

Weniger Kontakte pro Ballaktion

Viel wichtiger war aber, dass Rapid im Passspiel Vertikalität suchte. Die Hütteldorfer waren bemüht, immer schnell nach vorne zu spielen, was auch dadurch begünstigt wurde, dass die Spieler stark darauf konzentriert waren, Ballkontakte zu sparen. In der Weiterverarbeitung von Bällen präsentierte sich Rapid viel konkreter als zuletzt und häufig wurde gut durchdachter One-Touch-Football gezeigt. Das machte nicht nur das Spiel schneller, sondern sorgte auch dafür, dass der Gegner mehr hinterherlaufen muss. Auch das Überbrücken eines Innenverteidigers im Aufbau, also Pässe eines Innenverteidigers zum gegenüberliegenden Außenverteidiger, waren hierfür ein kleines, aber feines Stilmittel. Dies sorgte dafür, dass die Wolfsberger beim Verschieben längere Wege gehen mussten.

Allgemein bessere Abläufe bei Rapid – keine Lösungen beim WAC

Diese direktere Herangehensweise im Passspiel funktionierte aber nur deshalb, weil Rapid am gestrigen Abend viel präziser agierte, als in den Wochen und Monaten zuvor. Knasmüllner und Murg machten spielerische Schritte nach vorne, profitierten von den guten gruppentaktischen Ansätzen. Auch Schwab und Ljubicic zeigten sich verbessert, wiederum unterstützt durch das gute Antizipationsspiel von Pavlovic und die soliden Innenverteidiger. Würde Rapid ein solch schnörkelloses Spiel aufziehen, aber wieder in alte Fehlpassmuster zurückfällt, wäre man häufiger in Konter gelaufen. Tatsache ist aber, dass die Wiener diesmal merklich stärker an einem Strang zogen und dadurch auch das Selbstvertrauen im Passspiel zurückkam. Wolfsberg war sicher schwach und fand kaum Lösungen – aber in erster Linie lag das diesmal daran, dass Rapid dank der deutlichen gruppentaktischen und passtechnischen Verbesserungen nicht mehr zuließ.

Daniel Mandl, abseits.at

Sichert euch jetzt den zeitlosen Rapid-Legendenkalender mit 13 genialen Wasserfarbenzeichnungen von abseits.at Art Director Michael M. Magpantay!

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen