Nachdem Marko Arnautovic am Ende der vergangenen Saison aufgrund einer Geschwindigkeitsübertretung zu später Stunde suspendiert wurde, verzichtete der SV Werder Bremen mitten im Abstiegskampf... Marko Arnautovic und die angeblich letzte Chance

Marko ArnautovicNachdem Marko Arnautovic am Ende der vergangenen Saison aufgrund einer Geschwindigkeitsübertretung zu später Stunde suspendiert wurde, verzichtete der SV Werder Bremen mitten im Abstiegskampf auf die Dienste des Offensivspielers. Nun bekommt er unter dem neuen Trainer Robin Dutt eine neue Chance. Wir werfen in diesem Artikel einen Blick auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des österreichischen Nationalspielers und erklären, weshalb sich Arnautovic-Fans keine großen Sorgen um ihren Lieblingsfußballer machen müssen.

Ein kurzer Blick zurück

Da Marko Arnautovic´ Fehltritte ohnehin zur Genüge von den Medien ausgeschlachtet werden, wollen wir uns nur kurz mit den damaligen Geschehnissen befassen. Ende April geriet der Werder-Legionär um drei Uhr Früh zusammen mit seinem Klubkollegen Eljero Elia mit überhöhter Geschwindigkeit  in eine Verkehrskontrolle. In den Zeitungen war von aggressivem Verhalten gegenüber den Polizisten die Rede, was Arnautovic jedoch dementierte. Wie auch immer sich die Geschichte zutrug – der SV Werder Bremen hatte genug und schloss ihn im Endspurt der Meisterschaft vom Trainings- und Spielbetrieb aus. Sein letztes Werder-Pflichtspiel absolvierte Arnautovic demzufolge am 20. April, bei der 0:3-Niederlage gegen Wolfsburg.

Dass er danach noch ein Bewerbsspiel absolvierte, verdankte er Marcel Koller, der trotz der Suspendierung und der daraus resultierenden mangelnden Spielpraxis weiterhin zum Schlüsselspieler stand und ihn im WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden 90 Minuten lang spielen ließ. Arnautovic bedankte sich mit einer hervorragenden Leistung für das Vertrauen und war beim 2:1-Sieg einer der besten Akteure am Platz. Marcel Koller muss man zu dieser doch ein wenig mutigen Entscheidung gratulieren, denn man darf nicht vergessen, dass der Stürmer auch in seiner Heimat zu diesem Zeitpunkt viel Kritik einstecken musste und Coach und Spieler im Falle einer schwachen Leistung von einigen Tageszeitungen zerrissen worden wären. Zum Glück lief alles wie geplant und Arnautovic wird sich auch in Zukunft daran erinnern, dass er vom Nationaltrainer nicht fallengelassen wurde.

Die aktuelle Situation: Werder Bremen steckt in der Zwickmühle

Bekanntlich schafften die Bremer letztendlich auch ohne Marko Arnautovic den Klassenerhalt. Die katastrophale Saison kostete Langzeittrainer Thomas Schaaf seinen Job, den der ehemalige Leverkusen-Trainer und DFB-Sportdirektor Robin Dutt übernahm.  Am Ende der vergangenen Saison sah es danach aus, als ob Werder Bremen Arnautovic unbedingt verkaufen wollte, momentan stehen die Zeichen eher auf einen Verbleib des Österreichers. Das liegt einerseits daran, dass sich kein Klub fand, der die geforderte Ablöse von etwa sechs bis sieben Millionen Euro zahlen wollte, andererseits verlautbarte Manager Thomas Eichin, dass im Falle eines Wechsels kein gleichwertiger Ersatz in Reichweite wäre. Dennoch ist die Situation für Werder nicht einfach, denn Arnautovic ist nur noch bis zum 30. Juni 2014 an den Klub gebunden und kommenden Sommer würden die Bremer durch die Finger schauen, wenn der Österreicher seinen Vertrag nicht verlängert. Deshalb lässt sich Eichin nach wie vor alle Optionen offen.

Arnautovic selbst bedankte sich beim Betreuerstab über die neue Chance und machte in den bisherigen Trainingseinheiten einen hervorragenden Eindruck. Dutt betonte, dass der Offensivspieler voll mitzieht und dass er große Stücke auf ihn hält. Eichin und Dutt wissen, dass Arnautovic dank seiner individuellen Klasse jederzeit den Unterschied ausmachen kann. Interessant ist, dass Arnautovic seinen Berater wechselte und sich fortan nicht mehr von seinem Bruder vertreten lässt, sondern von der renommierten Agentur Rogon, die unter anderem Kevin-Prince Boateng, Luiz Gustavo, Kevin Kuranyi und Julian Draxler betreut. Viele spekulierten damit, dass der Betreuerwechsel auf einen neuen Transfer hindeutet, was aber nicht bestätigt wurde. Momentan darf man davon ausgehen, dass Arnautovic zum Saisonstart das Werder-Trikot überstreifen wird. Wenn sich aber ein wirklich lukrativer Deal eröffnen sollte, wird Werder vermutlich trotz der Schwierigkeiten um der Suche nach einem Nachfolger nicht nein sagen.

Ein Ausblick in die Zukunft

Die Vergangenheit ist vergessen, Werder steht voll hinter Arnautovic und wird ihn unterstützen, solange er sich nichts Grobes zu Schulden kommen lässt. Der Stürmer genießt vollste Rückendeckung, was sich auch bemerkbar machte, als die Medien jüngst den Vorwurf der KFZ-Steuerhinterziehung aufbrachten. Thomas Eichin bot ihm sofort die Hilfe des Vereins an, stellte sich schützend vor seinen Spieler und ließ keine Diskussionen aufkommen. Arnautovic muss dennoch höllisch aufpassen, denn jeder Fehltritt wird an die Öffentlichkeit kommen – auch Kleinigkeiten, die bei anderen Spielern gerade mal als Randnotiz bemerkbar werden.

Wenn man in die Google-Suchmaske “Arnautovic letzte Chance“ eingibt, erhält man über 55.000 Ergebnisse. Arnautovic-Fans müssen sich dennoch keine Sorgen um ihn machen, denn selbst im schlimmsten Fall, von dem wir wohlgemerkt nicht ausgehen wollen, wird der Ausnahmekönner noch genügend weitere Chancen in seiner Karriere vorfinden. Ausgemusterte Spieler seiner Klasse finden ohne große Schwierigkeiten einen neuen Verein. Sollte die Beziehung zwischen Arnautovic und Werder Bremen in der kommenden Saison endgültig in die Brüche gehen, dann wird Arnautovic eben einen neuen Klub finden. Ein Mittelständer in Italien, ein Spitzenklub in Russland – es gibt genügend Vereine, die einen Spieler seiner Klasse mit Handkuss verpflichten würden, auch wenn es sich um einen schwierigen Charakter handelt. Wir hoffen natürlich, dass es nicht soweit kommen wird und dass der Österreicher den Werder-Fans in der kommenden Saison Jahr richtig Freude bereiten wird. Ein Arnautovic in Hochform wäre nicht nur für die Bremer unglaublich wichtig, sondern auch für das österreichische Nationalteam.

Stefan Karger, abseits.at

Stefan Karger

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