Trotz einer starken Saison wird Barcas Keeper Marc-Andre ter Stegen bei der WM nur auf der Bank platznehmen müssen – Konkurrent Manuel Neuer... Neuer und ter Stegen: Des einen Freud, des anderen Leid

 

Trotz einer starken Saison wird Barcas Keeper Marc-Andre ter Stegen bei der WM nur auf der Bank platznehmen müssen – Konkurrent Manuel Neuer präsentierte sich im Testspiel gegen Österreich nach langer Verletzungspause in guter Verfassung.

Beim Fußball geht es schon manchmal ungerecht zu. Da absolviert ein Torhüter die vielleicht beste Saison seiner Karriere, ist die Nummer eins bei einem der größten Klubs der Welt und gehört mittlerweile zu den besten seines Faches. Und dennoch: Die Krönung des Ganzen bleibt ihm wohl verwehrt.

Die Rede ist von Marc-Andre ter Stegen. Der immer noch erst 26-Jährige hat für den FC Barcelona in dieser Spielzeit nur 29 Gegentore kassiert, ist mit den Katalanen spanischer Meister sowie Pokalsieger geworden. In der verletzungsbedingten Abwesenheit von Manuel Neuer avancierte er zudem zum Stammtorhüter der deutschen Nationalmannschaft. Wenn jemandem zugetraut wurde, Neuer bei der kommenden Weltmeisterschaft adäquat zu ersetzen, dann dem ehemaligen Mönchengladbacher.

Doch daraus wird wohl nichts werden. Neuer scheint trotz achtmonatiger Pause nach einem Mittelfußbruch bereit zu sein, in Russland das Tor zu hüten. Die gesundheitliche Verfassung des viermaligen Welttorhüters war dabei in den letzten Wochen das Gesprächsthema Nummer eins in den Medien. Jede noch so kleine Wasserstandsmeldung  über den „Fuß der Nation“ schien den Gazetten eine Headline wert zu sein. Die grandiose Saison von ter Stegen geriet dabei vollkommen in den Hintergrund. Alles drehte sich nur um Neuer.

Für einen Sportler muss das sehr frustrierend sein: Nach einem Jahr auf aller höchstem Niveau nun doch die Nummer zwei hinter einem Spieler zu sein, der gerade einmal vier Einsätze während der Saison absolvierte.

Ter Stegen wird jedoch nichts anderes übrig bleiben, als sich seinem Schicksal zu fügen; zu groß ist das Standing, das sich Neuer über die letzten Jahre erarbeitet hat. Ter Stegen dürfte klar gewesen sein: Wenn es nur die kleinste Chance für Neuer gibt, rechtzeitig den erforderlichen Fitnesszustand zu erreichen, wird er bei der Weltmeisterschaft auch im Tor stehen. Ein gesunder Neuer ist eben der Beste seines Faches, hat eine dementsprechende Ausstrahlung und Wirkung auf den Gegner. Außerdem ist er der Kapitän der deutschen Elf.

So sieht es auch Innenverteidiger Jerome Boateng. Gegenüber der Bild sagte er: „Manu ist Manu und nicht umsonst Welttorhüter. Er hat einfach eine besondere Ausstrahlung. Aber das geht nicht gegen Marc-Andre ter Stegen oder die anderen. Marc hat eine super Saison gespielt und ist auch auf Weltklasse-Niveau. Manu ist aber noch mal einen Schritt weiter, auch von der Erfahrung her. Er hat der Mannschaft schon oft Spiele gerettet.“

Andreas Köpke, Torwarttrainer der deutschen Nationalmannschaft, bestätigte nach den ersten Einheiten des Trainingslagers in Südtirol, Neuer würde einen sehr guten Eindruck machen. Diesen bestätigte der 32-Jährige auch bei der 1:2-Testspielniederlage gegen Österreich am vergangenen Samstag in Klagenfurt. Das Spiel sollte zur endgültigen Belastungsprobe für Neuer werden – er hat sie mit Bravour bestanden.

Bei dem einen oder anderen Pass zum Mitspieler war ihm die fehlende Spielpraxis noch anzumerken. Dennoch war er gut in das Aufbauspiel seiner Mannschaft eingebunden, scheute auch manches Risiko nicht. Gegen Florian Grillitsch in der ersten sowie gegen Marko Arnautovic in der zweiten Halbzeit verhinderte er mit zwei großartigen Reflexen ein Tor der Österreicher. Bei den Gegentoren durch Martin Hinteregger und Alessandro Schöpf war er jeweils machtlos.

Von den Eindrücken dieses Spiels ausgehend, steht für Bundestrainer Joachim Löw die Erkenntnis: Neuer ist bereit für die Auftaktpartie am 17. Juni gegen Mexiko. Marc-Andre ter Stegen bleibt damit nur der Platz auf der Bank. Er darf sich damit trösten, dass er nach dem Abtreten von Neuer dessen Position einnehmen wird. Vorher jedoch nicht.