Andreas Weimanns Elf Aston Villa überstand zuletzt sechs Pflichtspiele in Folge unbesiegt und heimste vor allem auf Seiten der Villa-Fans einiges Lob ein. Man... Wilde Klatsche für Aston Villa: Chelsea schießt sich bei 8:0 den Frust von der Seele

Andreas Weimanns Elf Aston Villa überstand zuletzt sechs Pflichtspiele in Folge unbesiegt und heimste vor allem auf Seiten der Villa-Fans einiges Lob ein. Man hätte Spieler mit großer Zukunft in seinen Reihen, die Lorbeeren für die gute Jugendarbeit und gezielte Transfers würde man schon noch ernten. Wenn man das Auftreten der Weinroten an der Stamford Bridge sah, muss man allerdings für die Lambert-Elf hoffen, dass man diese Lorbeeren nicht in Englands zweiter Leistungsklasse ernten muss…

Der Chelsea FC absolvierte in den letzten 6 ½ Wochen ganze elf Spiele, konnte davon aber nur vier gewinnen. Nach der Bestellung von Rafael Benitez als Nachfolger des „Erfolgsinterimstrainers“ Roberto di Matteo hing der Haussegen schief und auch die Fans gingen für englische Verhältnisse durchaus auf die Barrikaden. Ein Sieg war für Chelsea absolut notwendig, wollte man nicht hinter den vier Verfolgern des Spitzenduos aus Manchester zurückbleiben.

Chelsea schon nach zwei Minuten in Front

Aston Villa startete so ins Spiel, wie man es als Außenseiter auswärts tunlichst vermeiden sollte. Bereits nach zwei Minuten ließ man am rechten Offensivflügel Chelseas César Azpilicueta aus dem Halbfeld völlig unbedrängt flanken und Fernando Torres setzte sich in der Mitte souverän gegen Ciaran Clark durch, was das frühe 1:0 für die Blues zur Folge hatte. Aston Villa hätte hier bereits wesentlich früher attackieren und idealerweise noch mit einem weiteren Spieler auf Defensive umschalten müssen. Dass sich Torres gegen Clark durchsetzte, zeugt von individueller Klasse und kann schon mal passieren. Die Flanke allerdings wäre zu vermeiden gewesen…

Aston Villa kontert mit Einsatz – aber ohne Ideen

Vor allem die nominelle Fünferabwehrkette der Villans ließ sich durch dieses frühe Gegentor stark unter Druck setzen, fabrizierte in der Folge zahlreiche individuelle Fehler. Betrachtete man allerdings das Geschehen weiter vorne, so fing sich Aston Villa zunächst recht gut. Das Team aus Birmingham versuchte durch hohes Pressing wieder ins Spiel zu kommen, allerdings beteiligten sich daran zu wenige Akteure. Nach Ballgewinnen wurde allerdings auch offensichtlich, dass bei Aston Villa ein echter Chef und Ideengeber im Mittelfeld fehlt. Der Australier Brett Holman versuchte in der ersten halben Stunde immer wieder das Heft in die Hand zu nehmen und Ideen zu liefern, aber seine Mittelfeldkollegen und auch die offensivsten Akteure Weimann und Benteke antizipierten nicht immer gut, bewegten sich oft zu weit vom Ballführenden weg, anstatt mit ihm gemeinsam nach einer schnörkellosen Lösung zu suchen. Die Wege, die der Ball dadurch zurücklegen musste, waren zu weit und das Spiel der Villans mutete in der Offensive zu kompliziert an.

Unerwartete Passivität im Flügelspiel – Standardsituation sorgt für 2:0

Angesichts dessen, dass Aston Villa als Mannschaft nicht gut von Offensive auf Defensive umschaltete und durchschnittlich mit „nur“ sieben Spielern hinter dem Ball agierte, war es im Laufe der ersten Halbzeit etwas unverständlich, dass Chelsea offensiv nicht noch aktiver wurde. Die Londoner hätten vor allem über die Flügel noch wesentlich mehr Druck erzeugen können, wobei in der ersten halben Stunde vor allem die Außenverteidiger Cole und Azpilicueta in die Kritik zu nehmen waren. Es hätte zahlreiche Gelegenheiten gegeben, Überzahl auf den Flügeln zu schaffen, doch Chelsea nahm den Fuß vom Gas und benötigte eine Standardsituation um nach dem 1:0 wieder konkret gefährlich zu werden. Dann aber richtig: Ein genialer Freistoß von David Luiz bedeutete das 2:0 für die Heimmannschaft (28.).

Aston Villa und die „Confidence“

Nicht erst nach dem 2:0 verhießen Körpersprache, Mimik und Gestik der Aston-Villa-Spieler nichts Gutes. Immer wieder war Ratlosigkeit in den Augen der Elf von Paul Lambert zu sehen, man suchte immer wieder nach Ideen – oder besser gesagt nach jemandem mit Ideen – fand sie aber nicht. Der Spielverlauf erschwerte das Unterfangen „Überraschung an der Stamford Bridge“ zusätzlich, denn nur fünf Minuten nach dem zweiten Gegentor klingelte es ein drittes Mal, nachdem sich die gesamte Aston-Villa-Abwehr nach einem Eckball tollpatschig anstellte und Branislav Ivanovic die Verwirrung zu einem Abstaubertor nützte.

Chelsea ohne Mühe oder Gala mit 3:0 in die Pause

Während Villa ausschließlich über den Kampf in die Partie zu kommen versuchte, erzielte Chelsea aus den ersten drei konkreten Chancen drei Tore und entschied die Partie bereits nach einer knappen halben Stunde für sich – ohne mannschaftlich außerordentlich geschlossen zu spielen, das Flügelspiel auszunützen oder besonders hohes oder aggressives Pressing zu praktizieren. Auch die Abwehrspieler positionierten sich nicht besonders hoch, riskierten aufgrund der Gefahr schneller Konter des Tabellensechzehnten wenig. Der individuelle Klasseunterschied genügte den Blues zur frühen Vorentscheidung.

Frank Lampard schreibt einmal mehr Geschichte

Aston Villa startete schließlich etwas mutiger in die zweite Halbzeit, wurde jedoch angesichts der anhaltenden Ideenlosigkeit weiterhin kaum gefährlich. Chelsea präsentierte sich im zweiten Durchgang vor allem technisch sehr stark, machte mannschaftstaktisch weiterhin nur das Nötigste, das allerdings auf spielerisch hohem Niveau, gespickt mit einigen Kabinettstückerln. Der starke Villa-Keeper Brad Guzan verhinderte gegen Lampard, Torres, Hazard und Moses einen höheren Rückstand – doch bei Frank Lampards präzisem Weitschuss nach 58 Minuten war auch der US-Boy im Tor machtlos. Für den 34-Jährigen war es in seinem 500.Spiel für Chelsea das 100.Tor an der Stamford Bridge. Kurz nach dem 4:0 wurde Lampard ausgewechselt, Chelsea steckte aber nicht zurück, sondern kam durch Eden Hazard Sekunden nach der Auswechslung zur nächsten  Top-Chance…

Hazard, Mata und Moses als überragende Offensivakteure

Je länger die zweite Halbzeit dauerte, desto stärker und spielfreudiger wurde der FC Chelsea. Nur eine Minute nach seiner ersten Premier-League-Einwechslung bediente der 18-jährige Brasilianer Lucas Piazón seinen Landsmann Ramires ideal und dieser schloss locker zum 5:0 ab. Von Taktik war nun nicht mehr allzu viel zu sehen – das Spiel artete in eine technische Demonstration des Champions-League-Siegers aus. Besonders augenscheinlich wurde die gewaltige individuelle Überlegenheit in personam Eden Hazard, der eine tolle zweite Halbzeit spielte. Doch auch die vielen Finten, Pässe und Tempodribblings von Juan Mata und Victor Moses sprachen eine deutliche Sprache.

David Luiz als Chef, Piazón und Oscar mit neuerlichen Talentproben

Hinzu kam, dass David Luiz das Mittelfeld auf seiner neuen „6er“-Position im Alleingang „schupfte“. Bei 91 Ballkontakten spielte David Luiz 74 Pässe bei einer Genauigkeit von 86%. Außerdem eroberte er sechs Bälle und war der Dreh- und Angelpunkt im vertikalen Spiel Chelseas. Der FC Chelsea kreierte durch diese Spielfreude und Sicherheit einen Tag, an dem alles funktionierte und dem auch Helden aus der zweiten Reihe ran durften. Minuten auf Piazóns ersten Assist folgte Oscars erstes Premier-League-Tor aus einem Elfmeter – nach 79 Minuten stand es somit bereits 6:0 und weitere fünf Minuten später krönte Eden Hazard seine Top-Leistung mit einem Supertor zum 7:0…

Weimann vergibt größte Chance für Auswärtsteam

In der Nachspielzeit durfte Toptalent Oscar seinen zweiten Assist bejubeln, den Ramires zum abschließenden 8:0 verwertete. Für Aston Villa war es die höchste Premier-League-Niederlage, für Chelsea der dritthöchste Sieg. Die beste Chance für Aston Villa vergab Andreas Weimann nach 63 Minuten, doch Petr Cech lenkte den Schuss des Österreichers an die Latte. Die Mannschaft in „Claret and Blue“ präsentierte sich über die gesamte Spieldauer inferior, Chelsea spielte die erste Halbzeit locker und lässig runter, glänzte in Halbzeit zwei. Obwohl Chelsea erst nach einer Stunde als Ganzes auf Touren kam, hätte diese Partie auch ein zweistelliges Ergebnis nach sich ziehen können…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen