Heute Abend empfängt der FC Chelsea im Rahmen der Premier League den West Bromwich Albion FC. Nach dem 3:0-Sieg gegen Crystal Palace erhoffen sich... Mehr Freiheiten, weniger Pragmatismus: Chelseas Kreativabteilung profitiert von Guus Hiddink

_Oscar - FC Chelsea, BrasilienHeute Abend empfängt der FC Chelsea im Rahmen der Premier League den West Bromwich Albion FC. Nach dem 3:0-Sieg gegen Crystal Palace erhoffen sich die Chelsea-Fans den nächsten Sieg und auch Neo-Coach Guus Hiddink wartete mit einer kleinen Kampfansage auf, als er meinte, dass ein Platz unter den Top-4-Mannschaften am Ende der Saison noch in Reichweite wäre. Dazu müsste der Niederländer mit seiner Truppe im Laufe der weiteren Spielzeit zehn Plätze aufholen. Wir wollen uns ansehen, was der Interimstrainer in seiner noch kurzen bisherigen Amtszeit änderte und wie die Chancen stehen, dass Chelsea im Winter am Transfermarkt noch einmal zuschlagen wird.

Mourinhos idealer Zehner

Der 3:0-Sieg gegen Crystal Palace war ein wichtiger Befreiungsschlag, nicht nur weil der Klub die dringend benötigten drei Punkte einfuhr, sondern auch aufgrund der Art und Weise wie die Mannschaft in der Offensive auftrat. Eine Aussage von Mourinho erklärt vielleicht am besten die verschiedenen Sichtweisen der beiden Trainer: “A number 10 for me is an eight-and-a-half when the team loses the ball, and the number 10 is a nine-and-a-half when the team has the ball.

Mourinho verlangt von seinen kreativen Mittelfeldspielern nicht nur Vorlagen und Tore, sondern legt mindestens so viel Wert auf eine disziplinierte Arbeit nach hinten. Dies war auch der Grund, weshalb Eden Hazard nicht auf seiner Lieblingsposition spielen durfte, da er nach Ansicht des Portugiesen zu wenig für die Defensive machte. Es schien zudem, dass Mourinho im Laufe des Jahres 2015 immer pragmatischer wurde, besonders als die Resultate nicht mehr wie gewünscht ausfielen. Dies konnte man auch schon gegen Ende der letzten Saison erkennen, als sich die Londoner den Meistertitel sicherten, aber gegenüber der Hinrunde spielerisch deutlich abfielen. Oscar, Fabregas und Hazard wirkten in der Offensive über weite Strecken gehemmt. Auch Manchester-City-Trainer Manuel Pellegrini bemerkte einmal, dass Chelsea unter Mourinho sich in erster Linie darauf konzentriert, wie sich die Mannschaft bei gegnerischem Ballbesitz verhalten soll. Die Stärken der kreativen Spieler können so leicht ins Hintertreffen geraten.

Mehr Freiheiten, weniger Pragmatismus

Mourinhos Stil war es schon immer ein System zu finden, in dem die Schwächen seiner Mannschaft so klein wie möglich gehalten werden, während gleichzeitig die Stärken des Gegners neutralisiert werden sollen. Er passte die Taktik seines Teams stärker als die meisten anderen Trainer an den Gegner an, was insbesondere in der Champions League gegen Top-Mannschaften oftmals zu sehen war, wenn Chelsea hinten dicht machte und die Chancen im Konter suchte. Guus Hiddink ist noch zu kurz im Amt, um ernsthaft Rückschlüsse ziehen zu können, doch der Niederländer scheint eine andere Strategie zu verfolgen. Beim 3:0-Sieg gegen den Crystal Palace FC, der momentan immerhin auf dem siebenten Tabellenplatz liegt, blühten Oscar, Fabregas und Diego Costa in der Offensive richtig auf und waren im Vergleich zu vielen Spielen unter Mourinho nicht wiederzuerkennen. Hiddink vertraut mehr den offensiven Qualitäten der Kreativspieler, was auch dem momentan verletzten Eden Hazard zugutekommen wird, da die spielerischen Akzente auf mehreren Schultern verteilt werden. Das Kombinationsspiel war flüssiger und es schien, dass die Spieler mit mehr Spaß und einer neuen Leichtigkeit ihrem Beruf nachgingen.

Kommt ein neuer Stürmer?

Vor einigen Tagen fanden sich Meldungen in der englischen Presse, dass Loïc Rémy zahlreichen Klubs angeboten wurde. Der Stürmer soll Newcastle United, Aston Villa, Crystal Palace und Norwich City offeriert worden sein, da er nicht viel Einsatzzeit bei seinem derzeitigen Verein bekam und heuer hinter den Erwartungen zurückblieb. Angesichts des dichten Programms will der niederländische Coach nun aber nicht auf Remy verzichten. Dem Guardian bestätigte Hiddink nun, dass Remy mit einem Wechsel bis zum Sommer warten müsse. Trotzdem überlegt der Coach, ob der Klub noch im Winter einen weiteren Stürmer holt, da es angesichts der Doppelbelastung ein großes Problem wäre, wenn sich Diego Costa oder Loïc Rémy verletzen würden. Der zuvor an Crystal Palace ausgeliehene Angreifer Patrick Bamford kehrte vor einigen Tagen zum Chelsea FC zurück, doch da der 22-Jährige bei den Eagles nur sechs Einsätze als Einwechselspieler absolvierte, wird er sich vorerst voraussichtlich in der zweiten Mannschaft beweisen müssen. Remy überstand soeben eine kleinere Verletzung und wäre für die Partie gegen West Brom einsatzbereit. Auch der 20-jährige Betrand Traoré, der  beim 2:0-Sieg gegen Scunthorpe United im FA Cup zu einem Kurzeinsatz kam, würde die große Lücke bei einem Ausfall einer der beiden Stürmer wohl noch nicht schließen können. Hiddink kann momentan nur hoffen, dass Diego Costa und Loïc Rémy vom Verletzungspech verschont werden – ob er sich jedoch auf dieses Glück verlassen will ist fraglich.

Stefan Karger, abseits.at

Stefan Karger