In London brach im Sommer eine neue Zeitrechnung an. Nach 22 Jahren stand zu Beginn der Saison nicht mehr Arsene Wenger an der Seitenlinie... Sarri vs Emery: Chelsea siegt im London-Derby

In London brach im Sommer eine neue Zeitrechnung an. Nach 22 Jahren stand zu Beginn der Saison nicht mehr Arsene Wenger an der Seitenlinie des FC Arsenals. Der Franzose dankte im Sommer ab und wurde durch den Spanier Unai Emery ersetzt. Der langjährige Erfolgstrainer des FC Sevilla, der zuletzt Paris St. Germain coachte soll die Gunners zurück unter die Top-4 der Premier League führen. Auch bei Chelsea gab es einen Wechsel. Nach der Entlassung von Antonio Conte übernahm dessen Landsmann Maurizio Sarri das Ruder an der Stamford Bridge. Mit Sarri, der in der letzten Saison mit Napoli fast den Scudetto holte wollen die Blues wieder angreifen.

An diesem Wochenende trafen die beiden Teams aufeinander. Chelsea wollte nach dem Auftaktsieg gegen Huddersfield den guten Saisonstart bestätigen, während Arsenal nach der Niederlage gegen Manchester City am ersten Spieltag bereits unter Druck stand. In einem wilden Spiel setzte sich letztlich die Mannschaft von Maurizio Sarri nach zwischenzeitlicher 2:0-Führung mit 3:2 durch.

Chelsea zerspielt mannorientiertes Pressing der Gunners

Unai Emery ist dafür bekannt, dass seine Mannschaften zwar grundsätzlich das Spiel dominieren wollen aber stets flexibel sind. Bei seinen bisherigen Stationen zeichneten sich seine Mannschaften besonders durch eine kompakte Defensive und ein aggressives Pressing aus. Dies möchte er auch bei Arsenal installieren.

Gegen den Ball formierten sich die Gunners in einem 4-4-2/4-4-1-1 mit Aubameyang und Özil in der ersten Linie. Aubameyang lief meist den linken Innenverteidiger der Blues an, während Iwobi von seiner linken Seite den rechten Innenverteidiger presste. Mesut Özil hingegen hatte die Aufgabe das Zentrum zu schließen und das Spiel von Chelseas Metronom Jorginho aus dem Rhythmus zu bringen.

Dahinter agierten die Gunners recht mannorientiert, die beiden Sechser Guendouzi und Xhaka folgten ihren Gegenspieler meist weit und verließen dementsprechend ihre Position immer wieder. Auch im Abwehrverbund gab es einzelne Mannorientierungen. Beispielsweise verfolgten die Außenverteidiger teilweise Chelseas Flügelspieler. Speziell auf der rechten Abwehrseite der Gunners. Im Allgemeinen stand die Verteidigungslinie der Gunners sehr hoch, allerdings schaffte es Arsenal trotzdem nicht eine kompakte Defensivstaffelung herzustellen. Folglich wurde die hohe Abwehr zum Problem.

Chelsea schaffte es nämlich das mannorientierte Pressing der Gunners des Öfteren zu überspielen. Dabei half ihnen ihre gute Struktur in Ballbesitz. Typisch für Sarri wurde meist die linke Seite überladen. Viele Spieler schoben auf diese Seite und bildeten Dreiecke und Rauten um die Ballzirkulation einfach aufrecht erhalten zu können. Meist wurde der breit positionierte Willian von Alonso, Barkley und Jorginho unterstützt. Auch Kanté und Pedro schoben weit auf diese Seite und ließen die rechte Außenbahn so oftmals verwaisen.

Aus dieser stabilen Ballzirkulation schaffte es Chelsea Lücken in Arsenals Verteidigungsbund zu finden. Meist wurde der Ball schnell zirkuliert und die Verteidigung so in Bewegung gebracht. Nur um dann durch verschiedene Bewegungen der Spieler ohne Ball Räume zu öffnen.

Arsenals mannorientiertes Pressing wirkte bei den Bewegungen ohne Ball nicht abgestimmt. Beim 1:0 reichte eine gegenläufige Bewegung von Willian und Alonso um die Abwehr zu knacken. Willian ließ sich fallen während Alonso startete. Arsenal kommunizierte schlecht und so fand Jorginho mit einem langen Pass Alonso der nur noch quer auf Pedro legen musste. Bei Chelsea starteten immer wieder Spieler in die Tiefe, die dann durch Chipbälle hinter die Abwehr angespielt wurden. Arsenal schaffte es nicht Druck auf den Ballführenden zu machen und so konnte vor allem Jorginho einige Male mit seinen langen Pässen für Gefahr sorgen. Auch das zweite Tor durch Morata resultierte aus einem langen Ball von Azpilicueta.

Auch Chelsea nicht immer stabil

Ähnlich wie Arsenal presste auch Chelsea die meiste Zeit im 4-4-2. Allerdings aus einer anderen Ausgangssituation. Typisch für Sarri agierte Chelsea vornehmlich in einem 4-5-1, gerade auch in der Nähe des eigenen Sechzehners. Allerdings rückte immer ein Spieler aus der Fünferkette im Mittelfeld in die erste Pressinglinie zu Morata.

Der Spanier positionierte sich meist im Zentrum und lief nur vereinzelt aggressiv an. Seine Aufgabe war es eher, dem Gegner eine Verlagerung nicht zu ermöglichen, wenn er den Ball mal auf eine Seite gespielt hatte. Die meiste Zeit rückte der ballnahe Flügelspieler heraus und presste den Innenverteidiger, wenn dieser den Ball erhielt. Die anderen vier Mittelfeldakteure liefen die offenen Räume dann zu.

Vereinzelt konnten aber auch Kanté oder Barkley nach vorne rücken und den Spielaufbau der Gunners unter Druck setzen. Dann konzentrierten sich Pedro und Willian auf das Verteidigen der Außenverteidiger. Alles in allem agierte aber Chelsea im Pressing nicht mannorientiert, sondern deckte den Raum ab. Die Spieler sicherten ihre Position und setzen dann den Ballführenden unter Druck, wenn jener in ihrem Raum den Ball hatte. Anders als Arsenal konnte so Chelseas 4-4-2 seltener auseinandergezogen werden.

Chelseas Pressing war besonders in der ersten Hälfte sehr effektiv und verhinderte, dass Arsenal in Ruhe aufbauen konnte. Jedoch fehlt Arsenal dafür auch das Spielermaterial. Weder Cech noch Mustafi oder Sokratis sind wirklich stabil unter Druck oder haben können mit guten Pässen eine Pressinglinie überspielen. Meist mussten Xhaka und Guendouzi zusammen das Aufbauspiel machen. Allerdings fehlte es Arsenal dann teilweise an der Verbindung nach vorne, was zu vielen langen Bällen in der ersten Phase des Spiels führte.

Jedoch hatten auch die Blues ihre Probleme in der Defensive. Auch Arsenal fand des Öfteren Raum zwischen Mittelfeld und Abwehr. Während Alex Iwobi zwischen einer höheren Position und einer zwischen den Linien wechselte, rückte Mkhitaryan weit ein und pendelte zwischen rechtem Halbraum, Zentrum und selten mal der rechten Außenbahn. Zusammen mit Özil hatte Arsenal so recht viele Akteure zwischen Chelseas Linien. Aufgrund des schwachen Aufbauspiels schaffte es Arsenal nur durch Konter oder Situationen in denen Chelsea schlecht gestaffelt war nach vorne.

Zumeist wurde Arsenal über ihre rechte Seite gefährlich. Alonso und Willian waren beide defensiv nicht immer stabil und Chelsea sicherte darüber hinaus das Herausrücken von Alonso schlecht ab. So konnte Arsenal sich über rechts durchspielen und hatte dann große Möglichkeiten nach Pässen in den Rückraum der Abwehr. Die Tore für Arsenal entstanden letztlich aus solchen Situationen.

Zweite Halbzeit

Nachdem es mit einem 2:2 in die Pause ging versuchte Arsenal in der zweiten Hälfte sich tiefer zu positionieren und über Konter gefährlich zu werden. Allerdings führte Chelseas gute Struktur in Ballbesitz auch dazu, dass sie im Gegenpressing meist schnell den Ball zurückerobern konnten. Arsenal wurde immer weiter in die eigene Hälfte gedrückt und konnte kaum mehr für Entlastung sorgen.

Mit Kovacic und Hazard reagierte Sarri dann in der zweiten Hälfte. Beide bringen eine unheimliche Dribblingstärke auch in engen Räumen mit. Hazard agierte im Vergleich zu Willian mehr zwischen den Linien. Hazard war ein Aktivposten, seine Pässe und Dribblings zwischen den Linien stellten die Gunners die ganze Zeit vor Probleme. Mit Kovacic wurde die linke Seite noch stärker. Letztlich war es auch Hazard der das Siegtor von Alonso vorbereitete.

Fazit

Nach anfänglichen Schwierigkeiten kam Arsenal deutlich besser ins Spiel, nutze seine Chancen durch Mkhitaryan und Aubameyang aber nicht. Auf der anderen Seite war Chelsea effektiver. Die Blues wirkten auch in Ballbesitz wie das Team, dass die Philosophie des neuen Trainers bereits besser umsetzen kann. Gerade wenn Sarri Hazard und Kovacic noch in diese Mannschaft einbaut, wird Chelsea offensiv eine wirklich gefährliche Mannschaft werden. Jedoch wirken die Blues defensiv noch nicht stabil genug, um Liverpool und City so wirklich gefährden zu können.

Bei Arsenal zeigt die Entwicklung auch nach oben. Gerade offensiv wirkten die Gunners wesentlich stärker. Allerdings scheint die Innenverteidigung nicht wirklich sicher zu sein und passt nicht so richtig zum Stil von Unai Emery. In den nächsten Wochen muss Arsenal vor allem schauen eine Krise durch positive Ergebnisse zu verhindern.

Tobias Hahn, abseits.at

Tobias Hahn