Für den nicht gerade intensiven Beobachter hat PSV Eindhoven 2014/15 eine No-Name-Truppe. Der älteste Feldspieler ist gerade mal 30 Jahre alt, der drittälteste ist... Sieben Stammspieler fehlen, Durchschnittsalter 21 Jahre: Ist PSV heute sogar verwundbar?

UEFA Europa LeagueFür den nicht gerade intensiven Beobachter hat PSV Eindhoven 2014/15 eine No-Name-Truppe. Der älteste Feldspieler ist gerade mal 30 Jahre alt, der drittälteste ist 23! Talente gibt es in den Reihen der Niederländer aber zur Genüge – und auch ein Österreicher ist mittendrin. abseits.at analysiert die Mannschaft des Vorjahresvierten der niederländischen Eredivisie.

Wie üblich und in der durchgängigen Spielphilosophie verankert, ist PSV Eindhoven auch in der neuen Saison in einem 4-3-3-System zu erwarten. Die Startformation wird im Vergleich zur Vorsaison voraussichtlich an drei Positionen verändert sein – und an Qualität einbüßen. Es bleibt noch abzuwarten, wie wohl sich die vielen jungen Talente in (notwendigerweise zu übernehmenden) Führungsrollen fühlen. Gegen St.Pölten spielen aber nur fünf, maximal sechs Spieler, die zum eigentlichen Stamm der PSV 2014/15 zählen werden.

Verletzungssorgen

Große Sorgen hat Trainer Phillip Cocu aufgrund zahlreicher Ausfälle und einiger Spieler, die nach der WM noch lange nicht auf 100% sind. Der 30-jährige Routinier Stijn Schaars, ältester und routiniertester Spieler des Teams, wird noch für das restliche Jahr 2014 ausfallen. Mit Jetro Willems und Abel Tamata fallen gleich zwei Linksverteidiger aus. Und auch mit den niederländischen WM-Fightern ist noch nicht zu rechnen: Kapitän Georginio Wijnaldum und Memphis Depay kamen schließlich erst vor knapp drei Wochen aus Brasilien zurück. Ähnliches gilt für den Kolumbianer Santiago Arias. Mit Zakaria Bakkali stand ein PSV-Supertalent im WM-Kader Belgiens, kam aber nicht zum Einsatz. Die beste Elf PSVs wird man also gegen St.Pölten voraussichtlich noch nicht sehen. Am schwersten wiegt der Ausfall von Linksverteidiger Jetro Willems, sowie das vorläufige Fernbleiben von Wijnaldum und Depay.

Torhüter

Im Tor dürfte mit Jeroen Zoet der ehemalige niederländische U21-Teamtormann beginnen. Zoet ist seit einem Jahr Stammkeeper bei PSV, brachte seine Topform aber eher im Herbst 2013 auf den Platz und baute im Frühjahr 2014 sukzessive ab. Ersatzmann ist der 30-jährige Remko Pasveer, der zuletzt ablösefrei von Heracles Almelo kam.

Innenverteidigung

Die Innenverteidiger des PSV Eindhoven sind aktuell 19 und 22 Jahre alt. Der 19-jährige Jorrit Hendrix ist ein solider Passspieler und in Ordnung im Zweikampf, hat jedoch seine Schwächen im Kopfballspiel und ist auch vor Konzentrationsfehlern nicht gefeit. Etwas routinierter ist der 22-jährige Jeffrey Bruma, der in der Vorsaison Stammspieler war, davor aber beim Hamburger SV enttäuschte. Beim PSV fühlt sich Bruma allerdings pudelwohl und wuchs in eine Führungsrolle. In der vergangenen Saison war der siebenfache Teamspieler einer der Leistungsträger. Der 195cm große Menno Koch, der noch keine Ligapartie für die erste Elf von PSV absolvierte, ist die logische erste Alternative für die Innenverteidigung. Der 20-Jährige kann aber auch in der linken Abwehr spielen.

Außenverteidigung

Rechts ist Joshua Brenet aktuell noch gesetzt, weil der Kolumbianer Santiago Arias an der WM teilnahm und demnach noch nicht im Saft ist. Der 20-jährige Brenet überzeugt vor allem durch sein sicheres Passspiel und auch wenn er noch keine spektakulären Partien ablieferte, ist er als solider, verlässlicher Rechtsverteidiger zu bezeichnen.

Auf der linken Abwehrseite spielt ein Österreicher: Marcel Ritzmaier, eigentlich ein Achter fürs zentrale Mittelfeld bzw. Halbpositionen, wurde schon im letzten Test gegen Hertha BSC auf der linken Abwehrseite gebracht, weil Willems und Tamata ausfallen. Der offensiv stärkere und deutlich direkter und zielgerichtet spielende Ritzmaier wird somit dem ein Jahr jüngeren Menno Koch vorgezogen. Bereits in der Saison 2012/13 kam Ritzmaier zu ersten Einsätzen in der Startelf der PSV – in der abgelaufenen Spielzeit etablierte er sich als Achter und phasenweise auch Zehner bei Cambuur.

Neben Menno Koch ist auch der 19-jährige Jordy de Wijs eine Alternative für die linke Verteidigung.

Zentrales Mittelfeld

Im Mittelfeld verfügt PSV mit Oscar Hiljemark über einen grundsätzlich starken, schwedischen Box-to-Box-Spieler. Der 22-Jährige kam vor 1 ½ Jahren um 2,2 Millionen Euro von Elfsborg und etablierte sich in der vergangenen Saison weitgehend als Stammspieler – und das obwohl er 2013/14 zu den schwächsten im Team gehörte. Erst in der aktuellen Saisonvorbereitung machte der Taktgeber mit der guten Übersicht einen merklichen Schritt nach vorne und man traut ihm zu, dass er einer der Jungen sein kann, die in eine Führungsrolle schlüpfen können.

Ein Wackelkandidat für eine offensivere Position ist Rai Vloet, der gerade erst aus der B-Elf hochgezogen wurde und als großes Talent gilt. Der niederländische U19-Nationalspieler ist auf der Zentralachse vielschichtig – als Achter, Zehner oder gar als Stürmer – einzusetzen und steht heute vor seinem ersten Pflichtspiel für PSV Eindhoven.

Die Stütze im zentralen Mittelfeld ist aber der 21-jährige Adam Maher, der vor einem Jahr von AZ Alkmaar kam. Zumindest ist dies die Rolle, die man vom „Verbindungsmann“ im zentralen Mittelfeld erwartet. Vloet wird auf einer Zehnerposition spielen, Maher ist eher für die Zwischenlinienräume da. Seine Position ist am ehesten als „Achter“ zu bezeichnen. PSV bezahlte letztes Jahr acht Millionen Euro, um Maher bis 2018 nach Eindhoven zu lotsen – allerdings enttäuschte der in Marokko geborene Mittelfeldspieler bisher total. Maher ließ sich immer wieder zu leicht vom Ball trennen, konnte im Schnitt nur wenige Bälle erobern und spielte oft viel zu eigensinnig. Das riesige Talent steht vor einer Schicksalssaison und muss schon heute zeigen, dass er das Heft in die Hand nehmen und mannschaftsdienlich spielen kann.

Normalerweise wäre Wijnaldum der Schlüsselspieler im zentralen Mittelfeld, dieser ist aber noch nicht mit von der Partie. Der wohl sogar allererste Einwechsler wäre somit der 18-jährige Montenegriner Aleksandar Boljevic, der bisher erst ein halbes Jahr für die B-Mannschaft der PSV spielte, allerdings als torgefährlicher, umsichtiger Zehner gilt. Der Nachwuchsspieler ist allerdings als Heißsporn bekannt und auch kein Spieler, der den Karren aus dem Dreck zieht. Die defensivere Option, auf die man gegen St.Pölten weniger zurückgreifen wird, ist der 18-jährige Clint Leemans.

Flügel

An den Flügeln muss PSV aufgrund der vielen WM- und verletzungsbedingten Ausfälle improvisieren. Rechtsaußen dürfte der 20-jährige Jürgen Locadia spielen. Der machte in der vergangenen Saison zwar 16 Pflichtspieltore für die Eindhovener, spielte aber praktisch immer als Mittelstürmer. Angesichts dessen, dass Locadia zwar ein treffsicherer Spieler ist, aber auch ein schwacher Techniker, ist eine Variante mit ihm am rechten Flügel umstritten. Allerdings dürfte der 191cm große Stürmer immer wieder mit Solospitze Luuk de Jong rochieren.

Links wird Luciano Narsingh beginnen, der aber normalerweise fast immer rechts spielt, weil die linke Seite für gewöhnlich dem unumstrittenen Star im Team, Memphis Depay, gehört. Noch schlimmer als Maher ist Narsingh bereits jetzt im Nachhinein als Transferflop zu bezeichnen. Der 23-Jährige kam vor zwei Jahren um vier Millionen Euro von Heerenveen, wo er zuvor groß aufspielte, und konnte sich bei PSV nie richtig ins Team einfügen. Narsingh hat große Schwächen im Zweikampfverhalten und in Kopfballduellen, bleibt zu oft hängen, kommt im Schnitt gerademal auf ein erfolgreiches Dribbling pro Spiel. In der vergangenen Saison steuerte Narsingh lediglich ein Assist bei, erzielte keinen Treffer.

Eine Alternative, vor allem für den rechten Flügel, ist der 23-Jährige Florian Jozefzoon. Auch der konnte bei PSV noch keine Duftmarke hinterlassen. Interessanter wäre da schon die Alternative für den linken Flügel: Der 20-jährige Mohamed Rayhi spielte zwar noch kein einziges Pflichtspiel für PSV, gilt aber als unbekümmerter Dribbler mit großen technischen Fähigkeiten.

Sturm

Im Angriff ruhen alle Hoffnungen auf Luuk de Jong. Der 23-Jährige kam vor knapp drei Wochen um 5,5 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach und soll in der neuen Saison für die nötigen Tore sorgen. Dass er dazu imstande ist, zeigte er bereits in der Saison 2011/12 beim FC Twente, für den er 25 Saisontreffer machte. Sowohl in Gladbach, als auch bei seinem Leihgeschäft mit Newcastle United blieb er aber hinter den Erwartungen.

Fazit

Keine Frage: Qualitativ ist die Mannschaft von PSV Eindhoven klar besser als die von SKN St.Pölten – es wäre traurig wenn dem nicht so wäre. Aber die Ausfälle von Depay, Wijnaldum, Schaars und Willems werden schmerzen und dies sind nicht mal die einzigen Spieler, die Phillip Cocu vorgeben muss. Der niederländische Coach muss gegen den SKN mit einer Boygroup antreten, die im Schnitt gerade mal 21 Jahre alt ist und in der sich Spieler auf Schlüsselpositionen befinden, die in der schwachen abgelaufenen Saison auf der ganzen Linie enttäuschten. Von der Bank kann Cocu fast nur Amateurkicker bringen.

Noch immer ist PSV klarer Favorit, aber die aktuelle Lage beim Vorjahresvierten der Eredivisie macht diverse Ausgänge möglich. Von einer kleinen Überraschung (und sei es nur eine knappe Niederlage) bis hin zu einer Klatsche, durch die vom ausverkauften Haus vorangepeitschten Nachwuchskicker, ist heute vieles möglich. Fürchten muss sich St.Pölten vor den Niederländern aber nicht. Genauer gesagt wird wohl kaum eine Mannschaft jemals wieder in einem Pflichtspiel eine derart „schwache“ Elf von PSV vor die Füße bekommen.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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