Natürlich soll man aus einer Mücke keinen Elefanten machen, aber das Engagement von Carlos Tévez bei Juventus Turin beginnt mit einem Rüffel von Trainer... Bei Tévez müssen die Kilos purzeln: Doch ist das für den stämmigen Argentinier wirklich gut?

Juventus Turin, ItalienNatürlich soll man aus einer Mücke keinen Elefanten machen, aber das Engagement von Carlos Tévez bei Juventus Turin beginnt mit einem Rüffel von Trainer Antonio Conte. Der 29-jährige Argentinier ist dem Coach der Alten Dame ein wenig zu rundlich.

Als Carlos Tévez im Oktober 2001 im Alter von 17 Jahren für die Boca Juniors debütierte, waren die Fans schnell vom kleinen, stämmigen Angreifer begeistert. Tévez wirkte schon in jungen Jahren anders als die anderen jungen Kicker. Der Stürmer hatte einen tiefen Schwerpunkt, wirkte ähnlich wie einst Diego Maradona etwas untersetzt. Seine Durchschlagskraft sprach allerdings eine deutliche Sprache. Auch im späteren Verlauf seiner Karriere sollte ihm seine wuchtige Physis von Vorteil sein.

Eingebaute Torgarantie

Egal wo Tévez spielte: Er traf. Bei den Boca Juniors avancierte er zum Star, wurde dreimal in Folge zu Südamerikas Fußballer des Jahres gewählt. In Brasilien bei den Corinthians machte sich Tévez bereit, um den Schritt nach Europa zu wagen. Die Brasilianer überwiesen im Jänner 2005 stolze 15 Millionen Euro nach Argentinien, bekamen  1 ½ Jahre später ebenso viel Geld von West Ham United. Manchester United legte ein Jahr später 13 Millionen auf den Tisch und der hellblaue Stadtrivale ließ sich Tévez sogar 29 Millionen kosten. 2011 holte er dank seiner 20 Saisontreffer ex aequo mit Dimitar Berbatov die englische Torjägerkrone. Eine Saison zuvor erzielte er sogar drei Tore mehr, wurde aber von Darren Bent (24), Wayne Rooney (26) und Schützenkönig Didier Drogba (28) übertrumpft.

Der etwas andere Athlet

Für die argentinische und brasilianische Liga war Tévez schlichtweg eine Nummer zu groß. Nach England passte er, trotz einiger Kontroversen und Auseinandersetzungen mit Obrigkeiten, wie angegossen. Da störte es auch nicht, dass der dynamische Offensivmann nicht mit einem Six Pack glänzen konnte, wie viele seiner Kollegen. Tévez machte Zeit seiner Karriere nie den Eindruck eines durchtrainierten Topathleten. Blättert man das Bilderbuch seiner Karriere durch, sieht man da und dort ein kleines Speckröllchen. In der körperbetonten englischen Premier League schien dies für den Argentinier eher Vor- als Nachteil zu sein.

Sechs Kilo müssen runter

Sein neuer Trainer Antonio Conte hat jedoch kein Verständnis für körperliche Mängel. Der italienische Coach brummte Tévez daher gleich zu Beginn seines Juventus-Engagements ein besonderes Fitnesstraining auf. Der 29-Jährige soll so schnell wie möglich sechs Kilo abnehmen, nachdem bei einer Untersuchung im Juni Übergewicht festgestellt wurde. Jeder Trainer, wie er will – die Frage ist allerdings, ob man dem gar nicht so typischen Tévez mit einer solchen Maßnahme nicht sogar eher schadet als hilft.

Noch fitter, noch schneller – noch besser?

Tévez Spiel auf hohem Tempo lebt schließlich nicht nur von seiner Schnelligkeit und technischer Stärke, sondern auch von seiner Masse. Es gibt nur wenige Spieler, die ihren Körper so gut einsetzen können wie Tévez und da man nicht gerade davon sprechen kann, dass der Südamerikaner bei früheren Stationen grazil war, ist vor allem er selbst an seine überschüssigen Pfunde bestens gewöhnt. In Zeiten ausgiebiger (und enorm wichtiger) Individualanalysen kann man schon mal das Gefühl für individuelle Maßnahmen und Funktionsweisen verlieren. Klar ist es kein Nachteil immer noch etwas fitter werden zu können, aber das funktionierende Gesamtpaket Tévez durch drastische Maßnahmen aus seinem physischen Naturell zu reißen, könnte auch nach hinten losgehen. Es hatte schon seinen Grund, warum man nie versuchte, aus Aílton eine Gazelle zu machen…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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