Die Geschehnisse im und rund um das Spitzenspiel der Serie A zwischen Inter Mailand und dem SSC Napoli bedeuten für den italienischen Fußball einen... Rassismus und Gewalt im italienischen Fußball: Es hört nicht auf

Die Geschehnisse im und rund um das Spitzenspiel der Serie A zwischen Inter Mailand und dem SSC Napoli bedeuten für den italienischen Fußball einen Rückfall in düstere Zeiten.

Eigentlich wollte die italienische Serie A ja ihr Image aufpolieren, um im globalen Wettkampf mit den anderen großen Ligen aus England oder Spanien bestehen zu können. Der Transfer von Cristiano Ronaldo zu Serienmeister Juventus Turin sollte ein nächster Schritt hin zur Wettbewerbsfähigkeit sein, die dem Calcio in den vergangenen Jahren Stück für Stück abhandengekommen ist.

Vielleicht sollten die Verantwortlichen der Serie A dabei ihr Augenmerk verstärkt auch wieder auf die Kurven des Landes richten. Denn was sich im Rahmen des Spiels zwischen Inter Mailand und dem SSC Neapel (1:0) am zweiten Weihnachtsfeiertag abspielte, war nicht nur vor allen Dingen auf der menschlichen Ebene verachtenswert – es ist letztendlich auch schlecht für das Geschäft.

Dabei hätte man in Person des Schiedsrichters ein echtes Zeichen setzen können, wäre das Spiel aufgrund der wiederholten rassistischen Äußerungen und Affenlaute seitens der Inter-Tifosi in Richtung Napoli-Verteidiger Kalidou Koulibaly abgebrochen worden. Der Trainer der Süditaliener, Carlo Ancelotti, hatte nach eigener Aussage den Schiedsrichter schon während der ersten Halbzeit dreimal dazu aufgefordert, die Begegnung vorzeitig zu beenden, was laut dem Reglement eine vertretbare Maßnahme gewesen wäre.

Doch Schiedsrichter Paolo Silvio Mazzoinie ließ nicht mit sich reden. Kurz vor Ende schickte er den sichtlich angefassten und frustrierten Koulibaly wegen dessen ironischer „Bravo, Bravo“-Rufe – eine Reaktion auf seine erste Verwarnung – sogar mit Gelb-Rot vom Platz. Nicht nur das machte Ancelotti wütend: „Beim nächsten Mal hören wir auf zu spielen und sollten wir deshalb verlieren: Sei`s drum!“, sagte er nach dem Spiel.

Koulibaly schrieb nach dem Spiel auf Twitter: „Es tut mir leid, dass wir verloren haben und dass ich meine Brüder alleingelassen habe. Aber ich bin stolz auf die Farbe meiner Haut. Und dass ich Franzose bin, Senegalese, Neapolitaner: Mensch.“

Im Vorfeld der Partie kam es zudem zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der beiden Mannschaften, bei denen vier Napoli-Fans Schnittwunden erlitten. Viel gravierender jedoch: Ein Fan wurde von einem Auto erfasst und erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Umstände des tragischen Vorfalls sind noch nicht vollends aufgeklärt. Wie sich jedoch am folgenden Tag herausstellte, gehörte der Verstorbene der Neonazi-Organisation „Blood and Honour“ an.

Bis zum Ende der Saison darf die Fangruppe Inters, die für die Ausschreitungen mit verantwortlich war, nicht mehr zu Auswärtsspielen reisen, ihre Kurve soll im heimischen San Siro außerdem bis Ende März geschlossen bleiben. Eine Disziplinarkommission entschied obendrein, dass Inter die nächsten beiden Heimspiele ohne Fans austragen muss.

Es sind Vorfälle wie diese, die viele italienische Familien und „normale“ Fußball-Fans davon abhalten, die – teils auch maroden – Stadien in Italien zu besuchen. Die durchschnittliche Zuschauerzahl im italienischen Fußball sinkt dabei jährlich. Viele dunkelhäutige Spieler überlegen es sich wohl zudem zweimal, ob sie in eine Liga wechseln, wo Faschisten, Neo-Nazis und Rassisten vieler Orts die Kontrolle über die Kurven haben.

Ral, abseits.at

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