Mittlerweile haben alle fünf großen Ligen ihre Spielpläne veröffentlicht und mit der Ligue 1 startet heute die erste der fünf großen europäischen Ligen. Viele... Spielplananalyse der Top-5-Ligen 2017/18

Mittlerweile haben alle fünf großen Ligen ihre Spielpläne veröffentlicht und mit der Ligue 1 startet heute die erste der fünf großen europäischen Ligen. Viele Leute denken, dass die Spielpläne heutzutage zufällig durch einen Computer bestimmt werden. Dies ist auch zum Teil zutreffend, aber nicht völlig. Um einen Einblick auf die Einflussfaktoren Vermarktung und Fernsehsender zu gewinnen, anhand der die Spielpläne erstellt werden, wird mit diesem Artikel analysiert, wann es warum zu den Topspielen in den jeweiligen Ligen kommt und wer wann in der Saison starke Gegner hat.

Die Premier League veröffentlichte ihren Spielplan bereits am 14. Juni. Außerdem im Juni gaben die Ligue 1 (15. Juni) und die Bundesliga (29. Juni) ihre Termine bekannt. Relativ spät machten Primera Divsión (21. Juli) und Serie A (26. Juli) die Ansetzungen publik. Die späten Daten der beiden letztgenannten erklären sich u.a. dadurch, dass noch bis zum 8. (Serie A) und 24. Juni (Primera Divisón) die Aufstiegsplayoffs stattfanden. Doch welche Faktoren spielen überhaupt eine Rolle bei der Spielplanerstellung?

Einflussfaktoren

Fernsehsender haben Einfluss, aber auch die Ligen selbst wollen natürlich die Knallerbegegnungen möglichst verteilt über die Saison haben, damit die Aufmerksamkeit während möglichst jedes Wochenendes ziemlich hoch ist. Dazu kommen Feiertage, Wünsche der Klubs sowie der Polizei und die Berücksichtigung von Anreisewegen verfeindeter Fangruppierungen. Auch unterklassige Ligen müssen beachtet werden, gibt es doch Klubs mit großen Fananhang, die in der Nähe eines Erstligisten beheimatet sind. Dazu sollte es möglichst vermieden werden, Topspiele in englischen Wochen anzusetzen, da dort die internationale Beachtung geringer ist, denn erstens ist die Anstoßzeit mit Blick auf den asiatischen Kontinent bescheiden und zweitens gibt es in englischen Wochen in allen Ligen eine Anstoßzeit zwischen 20 und 21 Uhr, sodass es hier zu Überschneidungen kommt und sich die Ligen/Cupwettbewerbe die Zuschauer gegenseitig wegnehmen. An Wochenenden gibt es dagegen verschiedene Ansetzungsmöglichkeiten. Durch den engen internationalen Terminkalender der FIFA bzw. UEFA und diverse nationale Cupwettbewerbe lassen sich die bei den Ligen unbeliebten englischen Wochen jedoch nicht immer vermeiden. So sind in Deutschland zwei, in England, Italien und Frankreich drei sowie in Spanien sogar vier englische Wochen in der kommenden Saison vorzufinden (rote Markierungen in den Abbildungen).

Start und Ende

Ligue 1 (4. August) und Premier League (11. August) sind Frühstarter. Dies verwundert insofern nicht, gibt es doch in beiden Ländern neben dem normalen Cup auch noch einen Ligacup, die beide einen Platz im Terminkalender finden müssen. Diese beiden Ligen sind es auch, die im Gegensatz zu den anderen nicht einen symmetrischen Spielplan haben, d.h. die Spieltage finden in der Rückrunde in einer anderen Reihenfolge statt als in der Hinrunde. Die Premier League praktiziert das Verfahren schon länger, die Ligue 1 demgegenüber machte das erstmals in der vorletzten Saison. Dabei muss berücksichtigt werden, dass es, bevor es zu einem „Rückspiel“ kommt, mindestens sechs Wochen zwischen dem Spieltag in der Hin- und Rückrunde liegen müssen. Durch dieses Verfahren war es der Ligue 1 übrigens möglich, 80 Prozent der Klubwünsche bezüglich der Ansetzungen zu erfüllen, was ein Vielfaches im Vergleich zu vorher darstellt. Bei dieser Ansetzungstechnik kommt es nun zu vier Serien mit entweder zwei aufeinanderfolgenden Heim- oder Auswärtsspielen für jeden Klub. Mit dem alten Verfahren waren es nur zwei. Zunächst gab es deswegen Kritik, möchte doch niemand viele Auswärtsspiele am Stück haben. Eine Untersuchung von der Saison 2008/09 bis 2014/15 erbrachte aber das Ergebnis, dass diese Kritik unberechtigt war. Im Durschnitt holten Klubs in zwei aufeinanderfolgenden Heimspielen 3,34 Punkte im Vergleich zu 3,26 Punkten bei allen restlichen Heimspielen. Bei Auswärtsspielen waren es 2,07 Punkte bei aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen im Vergleich zu 2,17 bei nichtaufeinanderfolgenden Auswärtsspielen. Somit gab es zwar leichte Unterschiede, jedoch kann man nicht von einem signifikanten Effekt sprechen.

Bis auf die Bundesliga und Premier League enden alle Ligen am Wochenende 19.-20. Mai, wodurch es dazu kommt, dass in diesen Ländern das Pokalfinale ansteht, während in den anderen drei Ländern noch ein Ligaspieltag ausgetragen wird.

 

Premier League

ARS = Arsenal, TOT = Tottenham, MNC = Manchester City, MNU = Manchester United, LFC = Liverpool, CFC = Chelsea

 

Für die Analyse wird die mittlerweile etablierte Top 6 herangezogen. Im Vergleich zum Vorjahr fehlt also Leicester, die ihre Leistung aus der Meistersaison nicht bestätigen konnten und deshalb nicht mehr miteinbezogen werden. Es gibt nur einen Spieltag, an denen es zu zwei Duellen der Topteams untereinander kommt. Dies ist der 11. und 27. Spieltag, wenn sich jeweils die Klubs aus London und Manchester gegenüberstehen. Am ersten und letzten Spieltag hat man kein Topspiel angesetzt, da zu diesen Zeitpunkten die Aufmerksamkeit sowieso sehr hoch ist. Dazu kommt, dass man nur in einer der drei englischen Wochen ein Duell der Topteams hat (Tottenham – Man United am 25. Spieltag). Aufgrund der Tatsache, dass es in einer englischen Woche nur zwei Anstoßzeiten gibt und somit die Aufmerksamkeit geringer ist, kann man dieses Ansetzungsverhalten nachvollziehen. Wenn man die angesprochenen englischen Wochen, den ersten und letzten Spieltag sowie die Weihnachts- bzw. Neujahrsperiode, in der ebenfalls viele Leute sowieso zuschauen, außen vorlässt, findet man in der Hinrunde nur einen und in der Rückrunde drei Spieltage, an denen die Top 6 nicht gegeneinander antreten müssen. Infolgedessen wird das Fernsehen bestens bedient, was angesichts der bekanntlich höchsten TV-Gelder sowohl aus dem In- als auch Ausland nicht erstaunlich ist.

Dadurch, dass die Ansetzungen der Hinrunde in der Rückrunde nicht gespiegelt werden, ist dafür gesorgt, dass eine gleichmäßige Verteilung vorherrscht. Niemand hat am Anfang einer Halbserie viele Spiele gegen ein anderes Topteam. Weiterhin ist die Verteilung von Heim- und Auswärtsspielen sehr ausgewogen. Ein Topklub hat maximal drei Heim- und zwei Auswärtsspiele oder umgekehrt gegen die anderen Topklubs pro Halbserie.

 

Serie A

JUV = Juventus, NAP = Napoli, ROM = Roma, INT = Inter, ACM = Milan, LAZ = Lazio

 

Für die Analyse des Spielplans in der Serie A wurden die klassischen sechs großen Klubs ausgewählt.

Insgesamt gibt es 14 Spieltage ohne direkte Duelle der Topteams, wobei man hier aufgrund der gleichen Faktoren wie bei der Premier League den ersten Spieltag und zwei englischen Wochen (10. und 33. Spieltag) abziehen kann, sodass man auf elf kommt. Leider hat man Lazio – Napoli in einer englischen Woche und Lazio – Inter am letzten Spieltag terminiert, so dass der Spielplan noch optimaler gestaltet hätte werden können. Dazu kommt die extreme Ballung von drei Topspielen am 8. und 27. Spieltag sowie von zweien am 13. und 32. Spieltag. Im Vergleich zur Premier League ist das also eine etwas schlechtere Verteilung, was aber auch einfach daran liegt, dass es einen symmetrischen Spielplan gibt und damit nicht eine so große Flexibilität bezüglich der Ansetzungen besteht. Als unglücklich könnte zudem die Ansetzung von Roma – Juventus am vorletzten Spieltag erweisen, wenn die Meisterschaft zugunsten von Juve schon entschieden ist.

Wie in der Premier League ist die Verteilung Heim- bzw. Auswärtsspiele pro Halbserie bei maximal drei zu zwei. Man kann also von einer gerechten Aufteilung sprechen. Roma, Lazio, Napoli und Inter treffen auf die direkten Konkurrenten sehr über die Saison verteilt, während es bei Milan eher der Anfang und die Mitte der jeweiligen Halbserie ist und bei Juventus eher die Mitte bis das Ende. Gerade am Saisonende in der heißen Phase der Champions League könnte sich das als Nachteil für den Serienmeister der letzten Jahre erweisen.

 

Primera División

FCB = Barcelona, RMA = Real Madrid, ATM = Atlético Madrid, VIL = Villarreal, SEV = Sevilla, BIL = Athletic Bilbao, VCF = Valencia

 

Die Auswahl der Klubs begründet sich einerseits darin, dass Spiele von Barcelona, Real Madrid, Atlético Madrid, Valencia generell und der drei anderen Europacupteilnehmer nicht im spanischen Free-TV bei Mediapro zu der für das spanischen Free-TV vorgesehenen Anstoßzeit am Freitagabend gezeigt werden dürfen. Andererseits kommen Sevilla, Bilbao und Villarreal wegen der Bekanntheit und internationale Erfolge mit in die Analyse.

Im Vergleich zu den anderen beiden Ligen mit sechs Topklubs findet man in Spanien die unausgewogenste Verteilung. Es gibt acht Spieltage ohne Duelle der Top sieben, wovon jedoch keiner in eine englische Woche fällt und somit alle englischen Wochen mit Topspielen belegt sind, was sehr unglücklich wirkt. Dazu kommt, dass El Clásico in der Hinrunde am 17. Spieltag in einer englischen Woche stattfindet. Darüber hinaus hat man noch das Derby aus der Region Valencia am selben Spieltag. Insgesamt erscheinen die vier englischen Wochen mit fünf Topspielen und die 12 Spieltage mit jeweils zwei Topspielen nicht mit Bedacht ausgewählt.

Weiterhin ist die Verteilung Heim- bzw. Auswärtsspiele pro Halbserie hier maximal 0:6 (Sevilla), was im Vergleich zu den anderen beiden Ligen einen neuen Rekordwert darstellt. Während Barcelona gegen die vermeintlichen härtesten Konkurrenten in der Rückrunde vier Heimspiele hat, sind es bei Real Madrid drei und bei Atlético sogar nur zwei. Sevilla dagegen könnte mit sechs Heimspielen in der Rückrunde bei einer erfolgreichen Hinrunde vielleicht in den Meisterschaftskampf eingreifen.

Mit dem Spiel gegen Villarreal am letzten Spieltag hätte Real Madrid bei knapper Ausgangslage einen echten Stolperstein auf dem Weg zur Meisterschaft. Generell meinte es der Computer nicht gut mit Real Madrid, muss man doch innerhalb der letzten fünf Spieltage drei sehr schwere Auswärtsspiele absolvieren.

 

Bundesliga

FCB = Bayern München, BVB = Borussia Dortmund, S04 = Schalke 04

Die Bundesliga hat mit Bayern, Dortmund und Schalke drei Großklubs mit internationaler Strahlkraft.

Sehr negativ zu sehen ist das Ansetzen des Spiels Schalke – Bayern in einer der nur zwei englischen Wochen, da das Spiel so in Konkurrenz zu zwei anderen Spielen stattfindet. Gerade für so eine Begegnung wurde eigentlich der Topspieltermin am Samstagabend um 18:30 Uhr geschaffen. Ferner hat Dortmund in der Hinrunde gegen die anderen beiden Heimspiele, wohingegen Bayern zunächst zweimal auswärts ran muss, was sich sicherlich als Vorteil erweisen könnte. Für Dortmund dagegen ist es eventuell ein Nachteil, dass sie innerhalb drei (Hinrunde) bzw. zwei (Rückrunde) Wochen gegen die größten Konkurrenten spielen.

 

Ligue 1

PSG = Paris Saint-Germain, OL = Olympique Lyon, ASM = AS Monaco, OM = Olympique Marseille

 

Hier sehen viele nur maximal vier Klubs im internationalen Fokus.

Alle dargestellten Spiele sind übrigens schon fix für den Sonntagabend auf 21:00 Uhr terminiert, da Canal+ als TV-Rechteinhaber des Topspieltermins am Sonntagabend großen Einfluss hatte, wann die Spiele stattfinden sollen.

Englische Wochen mit Topspielen werden vermieden, die Verteilung über die gesamte Saison ist sehr ausgeglichen. Das Verhältnis von Heim- zu Auswärtsspielen (oder umgekehrt) gegen ein anderes Topteam liegt in einer Halbserie bei maximal 2:1, was sehr gerecht ist. Der unsymmetrische Kalender erweist sich wie bei der Premier League als sehr nützlich bei der Spielplangestaltung.

Christoph Trompeter, abseits.at

Christoph Trompeter

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