Paris St. Germain führt die Tabelle der französischen Ligue 1 souverän an. Einer der überragenden Spieler ist dabei bislang der erst 19-jährige Kylian Mbappe.... Ligue 1: Wird Kylian Mbappe der beste Spieler der Welt?

Paris St. Germain führt die Tabelle der französischen Ligue 1 souverän an. Einer der überragenden Spieler ist dabei bislang der erst 19-jährige Kylian Mbappe. Hat er das Zeug in die Lücke zu stoßen, die Lionel Messi einmal hinterlassen wird?

37,5 Kilometer – mit dieser Geschwindigkeit wurde Kylian Mbappe bei einem Sprint im WM-Achtelfinale gegen Argentinien gemessen. Verteidiger Marcos Rojo wusste sich gegen den unfassbaren Speed des 19-Jährigen nur mit einem Foul zu helfen. Da die Aktion im Strafraum der Argentinier stattfand, entschied der Schiedsrichter auf Elfmeter für Frankreich. Antoine Griezman verwandelte souverän.

Wie die meisten wissen werde, endete das Spiel letztlich mit 4:3 für Frankreich. Mbappe traf dabei zweimal. Er war damit neben Pele der erste Spieler unter 20 Jahren, der mehr als ein Tor in einem WM-Spiel erzielte. Die brasilianische Legende muss nach Mbappes Treffer im Finale gegen Kroatien auch für einen weiteren Vergleich herhalten: Erstmals seit Pele erzielte wieder ein Teenager ein Tor im größten Spiel, an dem man als Fußballer teilnehmen kann.

Den Hype um Mbappe gibt es natürlich nicht erst seit der vergangenen Weltmeisterschaft. Schon zu seiner Zeit in Monaco war es auch für Menschen mit relativ wenig Fußballexpertise ersichtlich, dass es sich bei dem Jungen aus Bondy, einem Teil der Banlieues, um einen besonderen Spieler handelt.

Bis jetzt hat sich diese Einschätzung bewahrheitet. Mbappe ist in seinem sehr jungen Alter bereits Weltmeister und zweimaliger französischer Meister. Er hat bereits 73 Erstligaspiele absolviert und dabei 37 Treffer erzielt. Lionel Messi kam in diesem Alter „erst“ auf 42 Einsätze sowie 15 Treffer.

Solche Vergleiche sind natürlich immer etwas problematisch, ist verläuft die Entwicklung eines jedes Spielers in einem individuellen Tempo. Es wäre genauso gut möglich, dass Mbappe bereits jetzt schon den Peak seiner Entwicklung erreicht hat. Nur: besonders wahrscheinlich ist das nicht. Daher stellt sich berechtigterweise die Frage, wie gut Mbappe denn noch werden kann?

Ein Indikator dafür ist u.a. die Konstanz, mit der ein junger Spieler sein Potenzial umsetzen kann. Bringt er seine Leistung auch, wenn er gerade nicht im WM-Finale steht? Schon viele WM-Shooting Stars haben danach Probleme mit dem Liga-Alltag bekommen.

Für Mbappe scheint dies jedoch nicht zu gelten. Mit acht Treffern führt er gemeinsam mit Klubkollege Neymar die Torjägerliste an. Im letzten Spiel, einem 5:0 gegen Olympique Lyon, traf er in 13 Minuten viermal, hatte dabei einen beeindruckenden Expected-Goals-Wert von 2,80, gab drei Torschussvorlagen.

Auch dank ihm führt PSG die Tabelle mit neun Siegen aus neun Spielen an. Natürlich kommen jetzt die Grantler aus ihren Ecken, mit dem immer gleichen Argument: der Ligue 1 würde einfach die Qualität fehlen, natürlich schießen Spieler wie Mbappe oder Neymar hier alles kurz und klein.

Nun erst einmal muss man festhalten, dass in Frankreichs Beletage sehr wohl mehr als fähige Teams gibt. Lyon beispielsweise hat mit Nabil Fekir, Memphis Depay oder Moussa Dembele vielversprechende junge Spieler in den Reihen. Auch die AS Monaco – trotz der aktuellen Krise – oder Olympique Marseille sind beileibe keine Laufkundschaft. Der aktuell Tabellen-Zweite, der OSC Lille, hat mit Nicolas Pepe, Jonathan Bamba und Jonathan Ikone ein jetzt schon europaweit begehrtes Offensivtrio in seinen Reihen.

Hinzu kommt: Mbappe traf in 20 internationalen Spielen zwölfmal, und erzielte in 25 Länderspielen 10 Tore. Seine Qualitäten sind, trotz der teils defensiven Teilnahmslosigkeit, über jeden Zweifel erhaben. Auch Messi traf in seiner Karriere nicht immer auf Topgegner, fällt das Niveau in Spanien doch nach den ersten fünf, sechs Spitzenteams rapide ab.

Interessant wird bei Mbappe zu beobachten sein, ob er zu einem späteren Zeitpunkt seiner Laufbahn, wenn die Athletik irgendwann nicht mehr ganz so beeindruckend sein wird, in der Lage ist, sein Spiel zu adaptieren. Vor dem gleichen Problem stand auch einst Thierry Henry – der schaffte es, den körperlichen Abbau durch Spielintelligenz und Erfahrung zu kompensieren.

Für Mbappe wird diese Problematik in den nächsten Jahren aber wohl nicht beschäftigen; er steht schließlich noch am Anfang seiner Karriere. Momentan ist dabei kein Spieler in Sicht, der Mbappe, immer vorausgesetzt, er bleibt von schwereren Verletzungen verschont, in Zukunft das Wasser reichen kann.

Ral, abseits.at