Im ersten Achtelfinale trafen mit Frankreich und Argentinien gleich zwei große Fußballnationen aufeinander und die Erwartungen waren aufgrund der Vielzahl der Topstars auf... Analyse: Frankreich zieht nach Torspektakel ins Viertelfinale ein

 

Im ersten Achtelfinale trafen mit Frankreich und Argentinien gleich zwei große Fußballnationen aufeinander und die Erwartungen waren aufgrund der Vielzahl der Topstars auf beiden Seiten natürlich groß. Frankreich spazierte punktetechnisch zwar relativ mühelos durch die Gruppe, jedoch waren die Auftritte alles andere als berauschend und zumeist recht bieder. Von bieder war Argentinien in ihrer Gruppe auf der anderen Seite noch etwas weiter entfernt, da man in allen drei Spielen überhaupt nicht überzeugen konnte und erst dank eines Treffers in der Schlussphase gegen Nigeria den glücklichen Sprung ins Achtelfinale schaffte. Mit dieser Moralspritze erhoffte man sich natürlich nun Rückenwind für das Duell gegen die Franzosen, die aber nochmal ein anderes Kaliber darstellen, als die bisherigen Gegner im Turnier.

Frankreich und die Rautenstruktur

Wer die Franzosen bislang verfolgt hatte, der bekam eine meist auf Sicherheit bedachte Mannschaft zu sehen, die wenig Spektakuläres offenbarte und sich zumeist auf ihre individuelle Klasse verließ. Da man in einer etwas „leichteren“ Gruppe bereits so agierte, waren die Erwartungen für die K.o. Spiele gegen wesentlich stärkere Gegner natürlich nicht gerade hoch, eher im Gegenteil. Aufstellungstechnisch gab es bei den Franzosen keine echte Überraschung. Auf der linken Seite durfte erneut der nominelle Achter Matuidi ran, während die Position ganz vorne Stoßstürmer Giroud einnahm, der von Griezman und Mbappe in der Offensive ergänzt wurde. Der Trainer der „Les-Bleus“ schickte seine Mannen  in einer 4-3-3-Grundordnung auf das Feld, die sich je nach Situation anpasste. Gegen den Ball wurde die Formation nämlich zu einem klaren 4-4-2, indem Mautidi auf die linke Seite herausrückte und Griezmann sich neben Giroud positionierte. Im Ballbesitz hatten die Franzosen eine interessante 2-1-4-3-Struktur, mit Kante als klaren Ankerspieler vor der Abwehr, während sich Pogba und Matuidi etwas weiter davor in den Halbräumen im Zentrum positionierten. Das ganze sah dann ungefähr so aus:

Frankreich im Spielaufbau, die Struktur wird zu einem 2-1-4-3 mit zwei Rauten, wobei man die Stürmer in diesem Bild nicht sieht.

Die Franzosen hatten in dieser Ordnung eine recht gute Struktur im Spielaufbau mit vielen stabilen Verbindungen und konnten den Ball dadurch problemlos in den eigenen Reihen zirkulieren lassen. Man baute quasi zwei „Rauten“ auf, mit Kante als Ankerspieler in der Mitte, der für die Verbindung zwischen den beiden Rauten rechts und links sorgen sollte. Die Dreierreihe im Sturm versuchte das Feld bzw. die Formation des Gegners zu strecken, indem Mbappe und Griezmann im ersten Angriffsvortrag recht breit standen, wobei Griezmann in höheren Zonen natürlich stärker ins Zentrum einrückte, während Mbappe strikter die Breite hielt. Das wirkte sich dann auch auf die Rollen der beiden Außenverteidiger aus, indem Hernandez auf links wesentlich höher aufrückte und konstanter Breite gab, um das Einrücken von Griezmann auszubalancieren, während Pavard sich etwas tiefer aufhielt und oftmals auch ins Zentrum einrückte – ergo Mbappe absicherte. Durch den relativ frühen Führungstreffer änderte sich die Spielanlage der Franzosen recht stark und man konzentrierte sich ab da an vordergründig auf die Defensive.

Devise: Tür zumachen für Messi

Das Spiel gegen den Ball ging man mit einer klaren 4-4-2 Formation an, mit relativ klaren Schwerpunkten. Zu Beginn gab es zwar auch Sequenzen, wo man etwas höher attackierte, doch grundsätzlich agierte man mit einem konstanten Mittelfeldpressing und attackierte erst in der eigenen Hälfte. Dabei war gegen den ersten Angriffsvortrag der Argentinier ein klarer Fokus zu erkennen. Auf rechts rückte Mbappe stärker auf seinen Gegenspieler Linksverteidiger Tagliafico heraus, während sein Pendant Matuidi sich bei seinem Kontrahenten wesentlich passiver verhielt. Das hatte den Hintergrund, dass Linksverteidiger Tagliafico einerseits wesentlich spielstärker als der Rechtsverteidiger Mercado ist und daher am Vorwärtskommen gehindert werden sollte, andererseits galt auch im Spielaufbau der Schwerpunkt auf das Zustellen von Messi, dessen zweites Wohnzimmer quasi der rechte Halbraum ist. Daher sollte Matuidi stärker mit seinem Deckungsschatten arbeiten und sich mehr an den Raum orientieren, um mögliche Zuspiele aus der Abwehr heraus auf Messi zu unterbinden.

In weiterer Folge lag der Fokus dann ebenfalls vordergründig auf der rechte Seite und der Einkreisung der Wege Messis. Für dieses Unterfangen wurde nahezu alles aufgeboten, was im Umkreis zur Verfügung stand. Die rechte Seite wurde quasi meist mit fünf Spielern zubetoniert, indem nicht nur das Flügelpärchen Hernandez/Matuidi bereit stand, sondern auch Umtiti von hinten, Kante von der Seite und einer der beiden Stürmer zur Hilfe eilten und so ein engmaschiges Netz um diese Region geschnürt werden sollte.

Leo die „falsche Neun“ feiert ein Comeback

Nachdem die Argentinier vor allem in taktisch/struktureller Hinsicht massiv enttäuschten und die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnten, mehrten sich zuletzt die Gerüchte über eine Entmachtung von Trainer Sampaoli, der laut Berichten das Zepter an Kapitän Messi abgeben musste. Befeuert wurden diese Gerüchte nach dem letzten Spiel auch deshalb, weil sich Sampaoli erst das OK von Messi abholen (musste?), um Stürmer Agüero ins Spiel zu bringen. Ob nun Sampaoli oder Messi das Kommando innehat, die Argentinier blieben jedenfalls bei der gleichen 4-3-3 Grundordnung, jedoch mit stark unterschiedlichen Akzentuierungen. Die rührten daher, dass man Messi im Sturmzentrum als „falsche Neun“ aufbot und Higuain stattdessen auf die Bank musste, während Messis Position auf rechts von Flügelstürmer Pavon eingenommen wurde. Damit wählte man wohl eine etwas konservativere Aufstellung, um Messi einerseits von Defensivaufgaben zu entlasten, während die restlichen Spieler umso akribischer diese Aufgaben übernehmen sollten.

Durch die rasche Führung von Frankreich wurde aus dem Plan jedoch nichts und Argentinien war nun quasi gezwungen das Spiel zu machen. Großartige Überraschungen gab es dabei im Ballbesitzspiel der Gauchos nicht wirklich zu sehen und das verhieß nichts Gutes. Nachdem man bereits in der Gruppenphase keine stimmige Struktur auf den Rasen brachte, fand diese Thematik auch im Achtelfinale ihre Fortsetzung. Im Aufbau hielt sich Sechser Mascherano recht nah an der Abwehr, während gleichzeitig die beiden Außenverteidiger ebenfalls sehr tief standen. Mascherano kippte sogar auch mal ganz nach hinten ab, weshalb man auch mal fünf Spieler fast auf einer Linie postiert hatte und das ohne jeglichen (!) Gegnerdruck. Das ist insofern problematisch,, dass dadurch die Raumnutzung einfach unzureichend ist, da man keine gute Staffelung bzw. eine zu tiefe Präsenz hat, um den Ball nach vorne zu bekommen und den Block des Gegners in Bewegung zu setzen. Teilweise absurd wurde es dann auch noch, wenn Banega ebenfalls nach hinten abkippte, weshalb Rojo auch schon mal wild gestikulierend ihn nach vorne beorderte. Jedoch waren Banegas Bewegungen noch eine der wenigen vernünftigen Entscheidungen, denn dadurch konnte einerseits Tagliafico nach vorne schieben und andererseits hatte man mit Banega einen Spielmacher, der das Spiel aus der Tiefe heraus gestalten kann. Doch auch er vermochte es nicht die Probleme der schlechten Struktur seiner Mannschaft zu beheben, auch wenn er sie zumindest etwas abmilderte.

Dass lag auch daran, dass die Argentinier einen extremen Fokus auf die eigene rechte Seite hatten. So tummelten sich auf dem rechten Flügel meist vier bis fünf Spieler, um diesen gemeinsam zu überladen, da sich vor allem Mercado, Pavon, Perez, Messi in dieser Region aufhielten und versuchten miteinander zu kombinieren. Dies war jedoch aufgrund zweier Tatsachen problematisch. Erstens weiß mittlerweile jedes Kind, dass die Argentinier den Schwerpunkt auf die rechte Seite legen und versuchen Messi da so viele Kombinationspartner wie nur möglich zur Seite zu stellen. Zweitens stellt sich die Frage, wenn Messi das Sturmzentrum verlässt, wer besetzt dann stattdessen die Position? Und diese Frage sollte ein weiteres großes Problem im Spiel der Argentinier sein. Grundsätzlich bekam Mittelfeldspieler Perez den Auftrag, die Bewegungen von Messi auszubalancieren. Das heißt, steht Messi hoch, lässt sich Perez fallen, weicht Messi aus, muss Perez stattdessen nach vorne schieben und für Präsenz weiter vorne sorgen. Das Problem dabei ist, Perez kam mit der Rolle gar nicht zurecht. Er hatte ein fürchterliches Timing, reagierte wenn überhaupt meist viel zu spät auf die Bewegungen von Messi und verhielt sich grundsätzlich auf diesem Niveau einfach nicht klug.

Das hatte dann zur Folge, dass die Argentinier sobald sie in etwas höhere Zonen vordrangen, keine Verbindungen mehr zwischen den Mannschaftsteilen zustande brachten. Man zerbrach quasi in zwei Teile, auf rechts tummelten sich vier bis fünf Spieler, auf links lauerte Di Maria und dazwischen hätte man ein Kreuzfahrtschiff parken können, so groß war der unbesetzte Raum. Das nächste Bild veranschaulicht diese Thematik recht klar:

Argentinien im Ballbesitz und mit dem Versuch, die rechte Seite zu überladen. Frankreich erwartet dies jedoch und kontert die Überladung mit einer noch größeren Überladung von gleich fünf Spielern. Da weder diagonal, noch horizontal Passoptionen zur Verfügung stehen, um den Ball in die nächste/andere Zone zu bringen und den Block der Franzosen in Bewegung zu setzen, gibt es nur zwei Optionen: zurückspielen oder den Ball verlieren.

Durch dieses fürchterliche Positionsspiel gab es für Argentinien in der Offensive kein Durchkommen, da keine Staffelung und optimale Raumnutzung da war und für die Franzosen war es daher relativ leicht, die Angriffsbemühungen der Südamerikaner zu unterbinden. Dank Banegas Spielintelligenz, der allgemein einer der wenigen Lichtblicke im argentinischen Spiel war und mal wieder seine Klasse untermauerte, wurde zumindest versucht, dieses Problem zu beheben. Banega erkannte nämlich dieses Problem und sprintete oft von ganz hinten bis nach vorne ins Sturmzentrum (man sieht am Bildrand auch wie er zum Sprint ansetzt), um dort für Präsenz zu sorgen. Doch für Banega war dies schlichtweg eine unlösbare Aufgabe, denn er konnte nicht überall auf dem Feld anwesend sein und dieses Laufpensum hätte nicht einmal ein Dauerläufer wie Kante abspulen können. So plätscherte die Partei so dahin und die Argentinier kamen teilweise auf  70 (!) Prozent Ballbesitz, ohne jedoch auch nur im entferntesten Gefahr auszustrahlen oder etwas damit anfangen zu können. Die Franzosen verlegten sich mit der Führung ausschließlich auf das Umschaltspiel, und da Argentinien nach Ballverlust meist ins Gegenpressing ging und mit der Abwehr weit aufrückte, war dies speziell für Mbappe eine willkommene Einladung, die er auch mehrmals annahm und dadurch u.a. auch den Elfmeter zum 1:0 herausholte. Aus dem sprichwörtlichen Nichts kam dann Argentinien zum Ausgleich, als Di Maria seinen Hammer auspackte und mit einem Sonntagsschuss am Samstag-Nachmittag zum 1:1 traf.

Argentinien reizt Frankreich, und die zeigen prompt ihr Leistungsvermögen

Kurz nach Wiederanpfiff stellte Argentinien die Partie völlig auf den Kopf und sorgte für einen Paukenschlag. Nach einer Standardsituation fälschte Mercado einen Messi-Schuss ins gegnerische Tor ab und sorgte damit für das schmeichelhafte 2:1. Doch dieser Treffer sollte sich im Nachhinein als nicht förderlich erweisen, auch wenn dies etwas komisch anmutet. Denn Frankreich verfiel in der ersten Halbzeit in eine gewisse Lethargie, da man die meiste Zeit in Führung lag und die Argentinier unter Kontrolle hatte. Mit dem 2:1 Rückstand änderte sich dieser Sachverhalt schlagartig, denn nun waren die „Les Bleus“ natürlich unter Zugzwang und gefordert. Und die Mannen um den Jungstar Mbappe lieferten auch ab, denn nun rückte man weit auf in die gegnerische Hälfte, agierte auch gegen den Ball aggressiver und ging nach Ballverlust sofort ins Gegenpressing. Das war für die Argentinier besonders fatal, denn da die Südamerikaner in der Defensive ebenfalls nicht gerade ein stabiles Konstrukt auf den Platz brachten, wurden die Probleme dahingehend nun stärker offenbart. Die Gauchos versuchten mit einem tiefen 4-1-4-1 die Angriffe des Gegners zu verteidigen, wobei der Fokus ganz klar darauf lag, die Zonen rundum den Strafraum dicht zu machen und da kein Durchkommen zu gewährleisten. Das Problem dabei war, dass dadurch die Aufbauspieler der Franzosen, allen voran Umtiti und Kante, nun alle Zeit der Welt hatten, sich die Argentinier zurechtzulegen.

Ein weiteres Problem waren die beiden Außenverteidiger der Franzosen, die den Argentiniern immer wieder Schwierigkeiten bereiteten. Vor allem Hernandez auf links hatte mit seinem guten Timing im Aufrücken seine Freude mit dem Gegner. Die Gauchos versuchten nämlich die Außenverteidiger mannorientiert zu verteidigen und dadurch wurden die Flügelspieler nach hinten gedrückt, was prompt auch ins Auge ging und das nicht nur einmal, sondern gleich zweimal. Beim ersten Mal hebelte Matuidi die kurzzeitig entstandene Fünferkette des Gegners mit einem tollen Schnittstellenpass aus, wodurch Hernandez flanken konnte und sein Pendant auf der anderen Seite Pavard aus dem Rückraum mit einem Traumtor zum 2:2 Ausgleich traf. Beim zweiten Mal spielte diesmal Pogba den Ball hinaus auf Hernandez, der brachte erneut die Flanke in den Strafraum, auf die gleich fünf (!) Franzosen lauerten, die letztlich Jungstar Mbappe mit einem Flachschuss zum 3:2 verwertete. Kaum schalteten die Franzosen ein paar Gänge höher, wurde es für die Argentinier ganz düster und die sahen kein Land mehr.

Mit dem Rückstand und der Verzweiflung im Rücken, mussten die Argentinier nun wieder mehr Risiko eingehen. Agüero kam ins Spiel für den schwachen Perez und stattdessen rückte Kapitän Messi eine Reihe zurück. Und nicht nur eine Reihe, der Superstar wich nun vermehrt immer weiter zurück und versuchte das Spiel von hinten heraus anzukurbeln, was ganz klar ein Ausdruck seiner Verzweiflung ist und etwas von einer „Brechstange“ hatte. Geholfen hat es nichts, denn die Franzosen machten wenig später quasi den Deckel zu und das mit einem weiteren Traumtor. Das 4:2 war dabei ein Lehrbeispiel, wie man einen pressenden Gegner umspielt. Zunächst baute man von hinten mithilfe des Torhüters, den beiden Innenverteidigern und Kante eine Raute auf. So umspielte man recht locker die erste Pressinglinie des Gegners. Dann folgte ein linienbrechender Pass durch das Mittelfeld von Kante ins Zentrum, den Giroud auf die Seite prallen ließ. Dadurch konnte Matuidi auf die Restverteidigung zulaufen und auf Giroud ablegen, der wiederum auf den in die Tiefe startenden Mbappe durchsteckte und der Jungstar dann diese Traumkombination auch noch mit einem Treffer vollenden konnte. Ein weiteres Tor zum Zungenschnalzen also.

Damit war die Partie quasi entschieden, auch wenn die Argentinier mit dem Mute der Verzweiflung nochmal alles nach vorne warfen. Doch die Franzosen verteidigten die Angriffe relativ problemlos und so lag bis kurz vor Schluss auch kein Treffer für die Südamerikaner in der Luft, bis Kapitän Messi seinen Zauberfuß auspackte und mit einer butterweichen Flanke den eingewechselten Agüero bediente und damit auf 4:3 verkürzte. Es folgte sogar noch eine weitere gefährliche Szene, als ein argentinischer Angreifer eine Di Maria-Flanke nicht verwerten konnte. So blieb es letztlich beim 4:3 Endergebnis und die Franzosen jubelten über den Aufstieg ins Viertelfinale.

Fazit

Das Duell dieser beiden großen Fußballnationen ging also verdient an die Franzosen. Die „Les Bleus“ zeigten dabei phasenweise ihr volles Leistungsvermögen und präsentierten sich insgesamt im Vergleich zur Gruppenphase verbessert, speziell was die Struktur der eigenen Formation anbelangt. Allerdings hatte man nach wie vor das Gefühl, Trainer Deschamps würde seine Mannen bremsen und nicht von der Leine lassen. Das merkte man vor allem in jener Situation, als die Franzosen einem Rückstand hinterherlaufen mussten und mehr Risiko eingingen, plötzlich sehr dominant wurden und den Gegner problemlos an die Wand spielten, weshalb man in knapp zehn Minuten drei Treffer erzielen konnte. Da blitzte das volle Offensivpotenzial auf, bevor man wieder zurückfiel und den Gegner erneut kommen ließ. Dieser pragmatische Ansatz und die Vorsicht mag zwar im ersten Moment Sinn ergeben, da es ja ein Turnier ist, allerdings zeigen die Franzosen, dass sie trotz offensiver Spielweise stabil bleiben können und in der Lage sind, dem Gegner ihr Spiel aufzuzwingen und ganz abgesehen davon, ist die eigene Defensive nicht so stark, um sich alleine darauf zu verlassen.

Dieser pragmatische Ansatz der Franzosen war letztlich wohl auch der Grund, warum Argentinien nicht mit einer Packung nach Hause geschickt wurde. Hätten die Franzosen den Abschnitt nach dem Rückstand über die volle Distanz durchgezogen, hätte den Gauchos wohl eine ähnliche Klatsche gedroht, wie beim 1:6 vor ein paar Monaten gegen die Spanier. Nicht nur, dass man in der Defensive wacklig agierte, auch die Offensive war nicht in der Lage zu liefern, da man von hinten bis nach vorne keine stimmige Struktur zustande brachte und das Positionsspiel einer mittleren Katastrophe glich. Bei den Argentiniern wirkte alles halb gar und nicht wirklich strategisch bis zum Ende durchdacht, sei es beim Spielaufbau oder bei den Aktionen in der gegnerischen Hälfte und der Ausführung der „falschen“ Neun. Die Gauchos bzw. Sampaoli scheiterten aber auch vor allem daran, Messi optimal zur Geltung zu bringen und ihn passend in das eigene Spiel einzubinden, weshalb sich der Superstar nicht voll entfalten konnte und bisweilen verkrampfte, weil seine Mitspieler und das System rundum ihn herum nicht imstande waren abzuliefern und zu viel Last auf seinen Schultern lag. Daher heißt es für die Südamerikaner nun Abschied vom Turnier zu nehmen und die Argentinier bleiben trotz der (glücklichen) Achtelfinale-Teilnahme DIE große Enttäuschung dieses Turniers.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic

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