Zahlreiche internationale Topklubs wollen ihn im kommenden Sommer unter Vertrag nehmen. Arsenal, Tottenham, Real Madrid und auch Inter werden seit geraumer Zeit mit Yann... Mit Weitblick und Kontinuität – Wie Frankreichs Nachwuchssystem funktioniert

Zahlreiche internationale Topklubs wollen ihn im kommenden Sommer unter Vertrag nehmen. Arsenal, Tottenham, Real Madrid und auch Inter werden seit geraumer Zeit mit Yann M’Vila, dem derzeit wohl begehrtesten Nachwuchsstar aus der französischen Ligue 1, in Verbindung gebracht. Eine Liga, die junge Talente scheinbar wie am Fließband produziert und sich die Nachwuchsförderung seit jeher auf ihre Fahnen schreibt.

Ob Karim Benzema, Samir Nasri oder Lassana Diarra in jüngerer Vergangenheit oder Franck Ribery, Eric Abidal und Florent Malouda, die schon seit Jahren bei europäischen Spitzenklubs unangefochtene Leistungsträger sind – Frankreichs Eliteliga bringt laufend Ausnahmetalente hervor. Wie hat der französische Profifußball diesen Status erreicht?

Verpflichtende Vereinsinternate

Der Grund für das erfolgreiche Nachwuchssystems Frankreich liegt in den frühen Anfängen und in der Kontinuität, mit der seitdem gearbeitet wird. Bereits in den späten 70er-Jahren wurde der Grundstein gelegt. Seit jeher sind alle Profivereine verpflichtet, ein vereinseigenes Sportinternat aufzubauen, ein sogenanntes „Centre de Formation“ zu führen. Die Lizenzvergabe ist direkt an das Führen einer Akademie gekoppelt. Eine Entwicklung, die sich im Ligaalltag niederschlägt: Saison für Saison sind nahezu ein Drittel aller Ligue-1-Spieler „Eigengewächse“.

Um zu verhindern, dass andere Vereine die vielversprechendsten Talente nach fertiger Ausbildung im Internat wegschnappen, sind die Spieler, die aus der vereinseigenen Akademie kommen, verpflichtet, ihren ersten Profivertrag für maximal drei Jahre beim ausbildenden Klub zu unterschreiben. Einzige Ausnahme: ein Transfer zu einem ausländischen Verein.

Höhere Wertschätzung im Nachwuchsbereich

Im Gegensatz zu österreichischen Gepflogenheiten ist die Beschäftigung im Nachwuchsbereich weitaus angesehener, was dazu führt, dass sich zahlreiche ehemalige Profis nicht davor scheuen, als Trainer in diesen Ausbildungszentren zu arbeiten. So sind – ähnlich wie in den Niederlanden – namhafte Ex-Spieler in den Betreuerstäben der Nachwuchsakademien zu finden, die dort ihre Kompetenzen und Erfahrungen weitergeben.

Als Anreiz spornt der nationale Fußballverband die Vereine mit einer jährlichen Auszeichnung an. Seit zehn Jahren kürt die FFF (Fédération Française de Football) jährlich jenen Verein mit der besten Nachwuchsförderung. Diese „Classement des centres de formation“ gewann Stade Rennes seit 2006 jede Saison und mit bislang sechs Mal auch deutlich am öftesten. „Les Rouges et Noirs“, die Rot-Schwarzen, reiben sich angesichts des nahenden Abgangs des eingangs angesprochenen Yann M’Vilas bereits die Hände.

Ausgewiesene Ausbildungsvereine wie eben Rennes, Toulouse, Montpellier, Le Havre oder Auxerre profitieren ganz besonders von diesem System. Diese Vereine leisten Nachwuchsarbeit auf allerhöchstem Niveau, basierend auf einem Konzept das an Durchgängigkeit und Konsequenz kaum zu übertreffen ist. Mit den Transfereinnahmen steigt auch die Reputation als Ausbildungsverein, die sich die Vereine mit jedem weiteren verkauften Spieler erarbeiten. Mit dem erreichten Standing verbessert sich so automatisch die Verhandlungsposition bei den nächsten Spielerverkäufen.

Die nächste Generation

Etwas im Schatten von M’Vila stehen bereits einige Toptalente vor dem nächsten Karriereschritt. Zum Beispiel Moussa Sissoko, Mittelfeldmotor beim FC Toulouse. Inter hat ihn angesichts des geplanten Kaderumbaus ebenso auf dem Zettel stehen wie Younès Belhanda, der mit Montpellier sensationell auf Meisterkurs liegt. Belhandas Vereinskollege, Yanga M’Biwa ist als kompromissloser Innenverteidiger ein wesentlicher Grund für Montpelliers Erfolg und hat sich mit seinen Leistungen ebenso in den Radar europäischer Spitzenklubs gespielt. Dem FC Bayern München wird Interesse an Mamadou Sakho, Innenverteidiger bei PSG, nachgesagt.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der nächste aufstrebende Stern in eine der absoluten Topligen wechselt und dort für Aufsehen sorgt. Aufsehen, das dem jeweiligen Ausbildungsverein die Basis für den nächsten Spielerverkauf liefert. Der wiederum Teil eines Systems sein wird, von dem der französische Fußball seit Jahrzehnten profitiert.

bs, abseits.at

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