Nachdem Japan gegen Uruguay und Venezuela ergebnistechnisch nicht überzeugen konnte, war es nun für das Team von Javier Aguirre an der Zeit, den ersten... Nachtrag zu den Länderspielen Japans im Oktober – Die große Neymar-Show gegen die Blue Samurai

Fußball in JapanNachdem Japan gegen Uruguay und Venezuela ergebnistechnisch nicht überzeugen konnte, war es nun für das Team von Javier Aguirre an der Zeit, den ersten Sieg einzufahren. Während im ersten Spiel mit Jamaika ein eher dankbarer Gegner wartete, war man im zweiten Spiel gegen Brasilien in einer klaren Außenseiterrolle. Erschwerend kam hinzu, dass Japan besonders in der Verteidigung große Verletzungssorgen hat. Im folgenden Artikel wird ein kleiner Überblick über den Verlauf der Länderspielwoche gegeben und versucht einen kleinen Überblick über die Leistungen einzelner Spieler und die Spielanlage Japans zu geben.

Kader

Tor: Eiji Kawashima (Standard Lüttich), Shusaku Nishikawa (Urawa Red Diamonds), Shuichi Gonda (FC Tokyo)
Verteidigung: Hiroki Mizumoto (Sanfrecce Hiroshima), Yuto Nagatomo (Inter Mailand), Kosuke Ota (FC Tokyo), Daigo Nishi (Kashima Antlers), Maya Yoshida (FC Southampton), Tsukasa Shiotani (Sanfrecce Hiroshima), Gotoku Sakai (VfB Stuttgart), Gen Shoji (Kashima Antlers)
Mittelfeld: Hajime Hosogai (Hertha BSC), Masato Morishige (FC Tokyo), Junya Tanaka (Sporting Lissabon), Shinji Kagawa (Borussia Dortmund), Ryota Morioka (Vissel Kobe), Gaku Shibasaki (Kashima Antlers)
Stürmer: Shinji Okazaki (1.FSV Mainz 05), Keisuke Honda (AC Mailand), Mike Havenaar (Córdoba CF), Yu Kobayashi (Kawasaki Frontale), Yoichiro Kakitani (FC Basel), Yoshinori Muto (FC Tokyo)

Maya Yoshida musste aufgrund einer Knöchelverletzung absagen. Für ihn wurde Taishi Taguchi (Nagoya Grampus) nachnominiert. Kurz darauf zog sich Gen Shoji einen Muskelfaserriss zu und wurde durch Daisuke Suzuki (Kashiwa Reysol) ersetzt.

Veränderungen zur letzten Länderspielpause

Im Tor steht erwartungsgemäß wieder der 25-jährige Shuichi Gonda im Kader.

In der Innenverteidigung wurde Tatsuya Sakai, der nicht überzeugen konnte, durch Tsukasa Shiotani ersetzt. Außerdem musste man auf dieser Position zwei Verletzte ersetzen. Für den Stamminnenverteidiger Yoshida wurde der Mittelfeldspieler Taguchi nachnominiert. Aus diesem Grund wurde Morishige, der in den letzten Spielen auf der 6 spielte, in der Verteidigung eingesetzt. Der talentierte Shoji musste verletzungsbedingt sein Debüt verschieben, für ihn wurde mit Suzuki der Abwehrchef von Kashiwa Reysol ins Team geholt.

Auf der rechten Verteidigerposition wurde Hiroki Sakai durch Daigo Nishi ersetzt. Dieser Schritt Überraschte, da man mit Uchida (der sich gerade erst von einer Verletzung erholte, und noch nicht fit ist), H. Sakai und G. Sakai eigentlich drei gestandene Bundesligaprofis auf dieser Position hat. Außerdem fiel Nishi in dieser Saison zwar oft durch gute Offensivaktionen auf, konnte jedoch nur selten hervorstechen. Auf der gegenüberliegenden Seite wurde Ota für Matsubara einberufen. Dieser agierte somit als Backup für den Inter-Mailand-Legionär Nagatomo.

Im Mittelfeld scheint Hasebes Nationalmannschaftskarriere nun endgültig vorbei zu sein. Außerdem wurde auch Ogihara erwartungsgemäß nicht einberufen. Für ihn stand, wie erwartet, der Borussia Dortmund-Star Shinji Kagawa im Kader. Außerdem wurde, wie oben erwähnt, Taguchi nachnominiert. Er zeigt in der Liga zwar gute Leistungen, ist jedoch noch relativ unerfahren.

In der Offensive wurde Osako durch Kobayashi und Minagawa durch Havenaar ersetzt. Während Kobayashis Nominierung schon Länger gefordert wurde, hat Havenaar bei vielen Fans einen eher schlechten Stand, da er zwar durch seine Kopfballstärke heraussticht, aber auch als Chancentod verschrien ist. Allgemein waren die Fans jedoch positiv gestimmt, da mit Kobayashi, Ota und Shiotani drei Spieler, die schon länger gefordert wurde, im Kader standen.

Japan – Jamaika 1:0

Japan startete mit dem 4-3-3, welches auch schon in den letzten beiden Spielen praktiziert wurde.

Die Startelf bestand aus Kawashima – G. Sakai, Shiotani, Morishige, Nagatomo – Hosogai, Shibasaki, Kagawa – Honda, Okazaki, Muto. Die Mannschaft startete überraschend defensiv. Honda zog sich, wenn Jamaika in Ballbesitz war, weit zurück und so blieb das Mittelfeld in einem 4-4-2 meist auf Höhe der Mittellinie. Muto und Okazaki standen um einiges Höher und attackierten die gegnerischen Verteidiger im Vollsprint, was auch mehrmals den Ballgewinn in Strafraumnähe zur Folge hatte. Schaffte der Verteidiger den Pass zu einem offensiveren Mitspieler, löste Japan sein 4-4-2 auf und begann mit mehreren Spielern auf den Ball zu pressen. Diese Taktik hatte zur Folge, dass Jamaika nur selten das Spiel aufbauen konnte und auch relativ wenig Ballbesitz hatte. Wenn die Japaner den Ball eroberten, versuchten sie meist mit schnellem Umschaltspiel und schnellen Kontern über ein paar Stationen in den Strafraum vorzudringen. Hier fehlten ihnen jedoch oftmals das Glück und die Ruhe am Ball, um die Aktion sicher zu Ende zu spielen. In diesem Konteraufbau zeigte besonders Shibasaki eine hervorragende Leistung. Er war immer anspielbar und konnte durch einige öffnende Pässe in die Tiefe viele Angriffe einleiten. Außerdem konnte er sich beinahe immer Freilaufen und so seine Mitspieler in Bedrängnis unterstützen. In der Defensive stach besonders Shiotani heraus, welcher einerseits durch geschickte Körpertäuschungen gegen körperlich überlegene Stürmer die meisten Zweikämpfe gewann und andererseits durch seine weiten Pässe, mit denen er oft das Spiel schnell machte.

Schon in der 16. Minute erzielte Japan das einzige Tor des Spiels, als Okazaki den Angriff schön einleitete, Shibasakis Schuss gerade noch pariert wurde und der jamaikanische Innenverteidiger Nyron Nosworthy den Ball vor dem herannahenden Okazaki ins eigene Tor grätschte. In weiterer Folge dominierte Japan das Spiel, konnte aber nur wenige Chancen kreieren. In der 59. Minute wurde dann Okazaki durch Kobayashi ersetzt, wodurch die Offensive auf Honda – Muto – Kobayashi umgestellt wurde. Okazaki fehlte in den letzten Wochen verletzungsbedingt und war noch nicht wieder hundertprozentig fit. So musste ab der 40. Minute Muto, durch seinen beherzten Laufeinsatz, auch Okazakis Defensivaufgaben übernehmen. Durch die Einwechselung von Kobayashi wurde Japan Offensiver. Man versuchte sich nun über die Flanken durchzusetzen und dann mit Flanken und Pässen in die Mitte Gefahr zu erzeugen. In der 74. Minute war dann auch Mutos Einsatz zu Ende, da er durch Kakitani ersetzt wurde. Dieser übernahm nun die Rolle in der Mitte, wobei er nicht wirklich glänzen konnte. Kurz vor Schluss kamen noch Ota und Taguchi für Nagatomo und Kagawa, wobei diese Wechsel hauptsächlich Symbolcharakter hatten.

Japan – Brasilien 0:4

Das zweite Freundschaftsspiel bestritt man in Singapur gegen Brasilien. Gegen diesen starken Gegner überraschte Aguirre dadurch, dass er die erfahrensten Spieler draußen ließ. So begann links hinten Ota statt Nagatomo und Taguchi ersetzte Hosogai. Außerdem spielte Morioka für den, wegen einer Gehirnerschütterung ausfallenden, Kagawa. Auf den Flügeln begannen Kobayashi und Tanaka statt Honda und Muto. Diese Aufstellung zeichnete sich besonders dadurch aus, dass das Mittelfeld mit drei spielstarken und passsicheren, aber auch relativ unerfahrenen Spielern besetzt ist.

In den ersten 20 Minuten spielte Japan relativ Offensiv und presste teilweise fast Harakiri-Artig auf den Ballführenden, was zwar zu manchen Ballgewinnen führte, aber Brasilien teilweise auch große Räume bot. So traf Neymar in der 17. Minute nach einem schönen Konter, bei dem er G. Sakai im Laufduell alt aussehen ließ. Danach konnte Japan sich ein wenig erholen und spielte bis zum Ende der ersten Hälfte gut mit. Taguchi rückte zwischen die beiden Innenverteidiger und Ota und Sakai wurden offensiver.

Zur Pause brachte Aguirre Honda für den, bis auf eine große Torchance, unauffälligen Kobayashi. Japan startete gut in die zweite Hälfte und konnte sogar ein bisschen Druck auf Brasilien ausüben. Doch gerade in dieser Drangphase unterlief Shibasaki ein schweren Ballverlust im Spielaufbau, der zu einem Konter führte, bei dem Neymar Taguchi überlief und zum 0:2 traf. Nun reagierte der Trainer ein weiteres Mal und brachte Muto für Morioka, der zwar ein paar gute Ansätze hatte, aber kaum gefährlich werden konnte. Daraufhin rückte Tanaka auf die 10 und Muto spielte auf der linken Flanke. Außerdem wurde Kakitani für Okazaki gebracht, der zwar viel lief, aber ebenfalls kaum Akzente setzen konnte. Doch das riskante Offensivkonzept ging nicht auf und so wurden die engagiert kämpfenden Japaner nach jedem Ballverlust ausgekontert. Als Aguirre dies bemerkte brachte er Hosogai für Tanaka, wodurch das System um einiges Defensiver wurde. Der Eingewechselte spielte nun mit Taguchi auf der Doppel-6, wobei meist einer der Beiden eher zwischen den Innenverteidigern zu finden war. In der 77. Minute schlug Neymar ein weiteres Mal zu, als Kawashima einen Weitschuss direkt vor seine Füße lenkte und er nur noch einschieben musste. Nur 4 Minuten später machte der Star des FC Barcelona seinen Auftritt perfekt, als er nach einer Flanke völlig ungehindert zum Kopfball kam und zum 0:4 traf. Um nun ein noch größeres Debakel zu verhindern wurde Suzuki für Shibasaki eingewechselt. Da nun drei Innenverteidiger auf dem Feld standen, konnte das Spiel etwas stabilisiert werden und Hosogai leitete sogar noch ein paar Angriffe ein.

Am Ende verlor man verdient mit 0:4, weil man die meiste Zeit über zu Offensiv agierte und kein Mittel gegen die schnellen Gegenstöße der Brasilianer finden konnte. Herauszuheben ist besonders Neymars Leistung, gegen den die japanischen Verteidiger kein Mittel fanden, um ihn zu stoppen.

Fazit

An der Torwartsituation änderte sich bei Japan im Oktober nichts. Nishikawa wurde gegen Jamaika kaum geprüft und hatte keine Chance sein Können zu zeigen. Kawashima verursachte nach einem Weitschuss, durch eine schlechte Abwehr das 0:3, war bei den anderen Gegentoren jedoch relativ schuldlos.

In der Innenverteidigung zeigten sich Shiotani und Morishige relativ sicher und konnten, trotz des Brasilien-Ergebnisses, einigermaßen überzeugen. Besonders Shiotani konnte mit seiner Spieleröffnung glänzen und ist einer der Lichtblicke dieser Länderspielwoche. Auf der rechten Seite spielte Gotoku Sakai zwei relativ gute Spiele. Zwar hatte er, wie immer, ein paar Aussetzer dabei, doch er konnte Offensiv seine Qualitäten zeigen und zählte besonders gegen Brasilien eher zu den Besseren. Auf der gegenüberliegenden Seite gab es kaum neue Erkenntnisse. Nagatomo spielte solide, schöpfte jedoch nicht sein volles Potential aus. Ota zeigte sich gegen Brasilien Offensiv zu ängstlich und spielte meist den „einfachen“ Pass. Außerdem war er mit seinen Defensivaufgaben meist überfordert, was überrascht, da er in der Liga regelmäßig sichere Leistungen zeigt.

Im Mittelfeld spielte Hosogai, trotz schwerer Aufgaben sicher und zeigte, wie wichtig er für die Mannschaft ist. Auch Shibasaki konnte sich durch eine Klasse Leistung gegen Jamaika empfehlen, musste aber gegen Brasilien viel Lehrgeld zahlen. Taguchi hatte gegen Brasilien eine undankbare Aufgabe, mit der er teilweise überfordert war. Er zeigte zwar taktisch ein solides Spiel, war aber weder Offensiv, noch Defensiv, in der Lage sein Potential zu zeigen. Es wäre interessant, ihn gegen einen schwächeren Gegner zu sehen. Das gleiche trifft auch auf Morioka zu, der gegen Brasilien kaum auf sich aufmerksam machen konnte, aber ebenfalls viel Talent mitbringt. Kagawa konnte gegen Jamaika in manchen Situationen sein Genie aufblitzen lassen, war sonst aber eher unauffällig.

Offensiv zeigte Japan im Oktober etwas wenig. Okazaki reiste verletzungsgeschwächt an und hatte in keinem Spiel die Kraft für 90 Minuten, was bei einem Spieler, dessen läuferische Leistung zu seinen Stärken zählt, besonders ins Gewicht fällt. Muto konnte gute Ansätze zeigen, war jedoch in beiden Spielen glücklos. Trotzdem viel er durch sein engagiertes und mutiges Spiel auf. Honda hingegen blieb eher im Hintergrund, war jedoch als Kapitän und Anführer dieser jungen Mannschaft sehr wichtig. Kobayashi, Kakitani und Tanaka hatten alle ein paar gute Momente, aber auch relativ viel Leerlauf dazwischen.

Wie auch in den letzten Länderspielen, war Japans Spielanlage eher Ballbesitzorientiert, wobei man meist versuchte schnell umzuschalten um sich rund um den gegnerischen Strafraum festzuspielen. Hier versuchten die Japaner meist mit Kurzpassspiel eine gute Position zum Abschluss zu bekommen, was jedoch zu selten gelang. Genau dieses Problem war auch schon bei den letzten Länderspielen ein Thema und so kann man eigentlich das gleiche Fazit wieder treffen. Japan spielt eigentlich gut mit, schafft es jedoch nicht aus aussichtsreichen Positionen Chancen zu kreieren. Des Weiteren ist die Abwehr weiterhin sehr anfällig. Hier fand man zwar mit Shiotani einen Spieler, der in Zukunft eine wichtige Stütze werden kann, doch die regelmäßigen Patzer konnte man auch in diesen Spielen nicht abstellen. Weiter ging es mit den nächsten Spielen im November gegen Honduras und Australien.

Andreas Mejavsek, abseits.at

Andreas Mejavsek

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