Der Profifußballer ist heutzutage ein gläserner Athlet! Während sich früher mit dem entsprechenden Talent-Segen oft schon ganz gut Karriere machen ließ, führen solch positiven... Digitalisierung: Die technischen Möglichkeiten für den Fußball-Profi 2.0

Videoüberwachung, Kamera, CCTVDer Profifußballer ist heutzutage ein gläserner Athlet! Während sich früher mit dem entsprechenden Talent-Segen oft schon ganz gut Karriere machen ließ, führen solch positiven Voraussetzungen alleine heute kaum mehr zum ganz großen Durchbruch. Gerade moderne Nachwuchsakademien bieten dank neuer Technologien dem motivierten Youngster vielfältige Möglichkeiten um an sich zu arbeiten. Aber auch der gestandene, im Team etablierte Profi wird durch objektive Bewertungskennzahlen ständig aufs Neue hinterfragt. Wir beleuchten heute im zweiten Teil der „Digitalisierung im Fußball-Serie“ den Hauptakteur des Sports, den Spieler!

Die optimale Vorbereitung

Wie in jeder Sportart wird die Basis für den Erfolg in den Trainingseinheiten gelegt – soweit nichts Neues. Aber gerade diese werden bei immer mehr ambitionierten Fußballklubs schon digital überwacht, das Trainingsgelände wird häufig zur High-Tech-Area. Mittels eines kleinen Chips an den Utensilien des Spielers befestigt, werden zig Daten gesammelt und meist zeitgleich weiterverarbeitet. Ein Vorreiter auf diesem Gebiet ist die TSG Hoffenheim. Dort hat der lokale Geldgeber und Software-Gigant SAP quasi sein Versuchslabor installiert, so wird schon am Trainingsplatz eine Flut an Werten gesammelt. Vom Nachwuchstalent bis zum Kampfmannschaftsprofi sind die Parameter für die Betreuer in Echtzeit entweder am Tablet oder sonst später im Büro abruf- und auswertbar. Immer öfter – mittels künstlicher Intelligenz – sind ist die Dateninvasion schon in einem gewissen Rahmen vorselektiert, auf wesentliche Merkmale fokussiert. Damit profitiert der Spieler durch eine möglichst ideale Dosierung der Intensität ebenso, wie dass bestimmte Defizite aufgezeigt und damit ausgemerzt werden können. Beim subjektiven Empfinden der eigenen Leistung lassen sich gerne Ausreden finden und Mängel damit leichter verdrängt werden. Harte Fakten sind dann aber schon eher ein Motivationsgrund um aktiv dagegen zu steuern und sich so fußballerisch weiterzuentwickeln.

Gerade in Deutschland – dem Vorreiter punkto neuer Technologien im Fußballsport – profitieren bei einigen Bundesligavereinen alle Altersklassen von modernen „Ballmaschinen“. Diese lassen sich präzise auf den gewünschten Schusswinkel, -geschwindigkeit und –präzision einstellen. Was zu einem besonderen Lerneffekt führt, da so gezielt auf die Schwächen abgezielt wird und sich im ständigen Wiederholungseffekt der Fortschritt nachweislich besser einstellt. Bei den angesprochenen „Nagelsmännern“ aus Hoffenheim funktioniert das alles schon dreidimensional. Von der einen Richtung kommt der Ball, der dann reaktionsschnell ins aufleuchtende Kästchen gepasst oder geschossen werden muss. Antizipation, Reaktion und eine möglichst perfekte, rasche Ballverarbeitung sind gerade in einem immer athletischer werdenden Sport das A.-O. für die Entwicklung des Fußballprofis. Das mit solchen Übungen eine gute Basis für den Spieltag gelegt wird, lässt sich kaum von der Hand zu weisen.

So ein großes Maß Hightech ist aber – gerade hierzulande – oft eher die Ausnahme denn die Regel, weil auch nicht ganz billig. Doch bis in untere, semi-professionelle Ligen bereits etabliert sind Fitness-Tracker. Diese vermessen die körperliche Verfassung des Athleten im Trainingsalltag. Sie geben Rückmeldung über die Performance und den Fitnessstand des Spielers. Zusätzlich wird auch der bei den Trainingseinheiten an den Tag gelegte Einsatz in gewisser Weise in messbare Zahlen gegossen. Segen für den motivierten Ergänzungsspieler, möglicherweise Fluch für den talent-privilegierten Primgeiger!

Die Wahrheit liegt am Platz

Worauf es schlussendlich im Fußballgeschäft natürlich ankommt ist die Performance am Matchday. Der Profi kann – zumindest theoretisch und am Reißbrett – optimal auf seine Aufgabe eingestellt und vorbereitet werden. Über die gegnerische Mannschaft oder oft vom prognostizierten direkten Gegenspieler werden zum Beispiel bei der deutschen Nationalmannschaft schon personalisierte Dossiers mit den wichtigsten Fakten und Taktikvideos aufbereitet. Was punkto Menge und Komplexität richtig dosiert für den so bestens vorbereiteten Spieler zumindest einen Wettbewerbsvorteil darstellen kann. Als Überdosis dagegen in einer Verwirrung und Blockade den Gegeneffekt verursachen kann.

Gleich nach dem Anpfiff rattert dann schon das Zahlenwerk in Hintergrund auf Hochtouren. Daraus erhält der Spieler als Teil seiner Beurteilung auch ein objektives, datenbasiertes Feedback zur Leistung am Platz. Darauf basierend, im Kontext mit den Mannschaftsteilen, werden wieder die folgenden Trainingseinheiten geplant. Doch diese Herausforderung obliegt dann dem Trainer oder besser gesamt dem Betreuerteam. Diesem wesentlichen Baustein in der „Digitalisierung des Fußballs“ möchten wir uns morgen genauer widmen, hier trennt sich nämlich ganz klar die Spreu vom Weizen. Doch wieder zurück zum Kicker! Der kann dann individuell abgestimmt bzw. im taktischen Verbund weiterhin seine Stärken fördern und an aufgezeigten Schwächen gezielter arbeiten. Da ja solche Informationen laufend gesammelt werden, erhält der Spieler ein Zeugnis über Trend und Entwicklung bestimmter Fähigkeiten, kann so den Trainingserfolg über eine bestimmte Zeitlang messen.

Auch abseits des Platzes wird’s zunehmend digitaler

Zwar nicht nur direkt den Fußballsport, sondern generell die heutige Gesellschaft, beeinflusst Social Media die Kommunikation zwischen dem Kicker und seinen Fans – oder besser gesagt Followern. Der Profi von heute kreiert sich über soziale Medien sein Image bis zu einem großen Teil selbst und kann so viel besser seine eigene Berichterstattung steuern, während vor einigen Jahren noch der Journalist in der Pole-Position stand.

Ein weiterer Effekt von dem der Spieler indirekt beeinflusst wird, sind mögliche Vereinswechsel. Neben unzähligen Minuten an Videomaterial stehen jetzt auch zusätzlich zig Kennzahlen bei den Datensammel-Plattformen zur Verfügung. So wie man früher selber beim Fußballmanager-Computerspiel am PC scrollt sich der Scout im Büro jetzt auch vermehrt durch Zahlen und Statistiken. Leistungstest im Probetraining lassen dann schnell Rückschlüsse über den aktuellen Fitnessstand des potentiellen Neuzugangs zu.

Keine Wunderwaffe und die Mischung macht‘s

Richtig eingesetzt und gut dosiert kann ein Spieler von der technischen Entwicklung im Hintergrund enorm profitieren. Dem heute jungen, motivierten Spieler stehen ungleich mehr Möglichkeiten offen, das Talent zu fördern, als allen Generationen zuvor. Mittlerweile gilt selbst bis in die unterste Amateur-Klasse das Credo, dass ohne Athletik und einer entsprechenden körperliche Verfassung nichts mehr zu holen ist. Mit einem besser gesteuertem Training und dann einer optimierten Matchvorbereitung lässt sich für den Spieler ein nicht unwesentlicher Wettbewerbsvorteil herausholen.

Durch die laufend steigende Professionalität quer durch alle Ligen, schaukelt sich natürlich auch der Level generell nach oben. Für bunte Vögel – die Basler’s oder Gascoigne’s – wird es in Zukunft damit aber immer schwieriger sich in diesem Umfeld durchzusetzen – was im Sinne des Unterhaltungswerts des Fußballs natürlich sehr schade ist.

Schlussendlich sind Digitalität und technische Fortschritte ein profundes Hilfsmittel, aber natürlich auch nur bis zu einem gewissen Grad. Technischer Support kann die Voraussetzungen verbessern, aber auch keine massiven Defizite ausmerzen oder gar erhoffte Wunder bewirken. Talentfreie Kicker werden auch mit technischen Hilfsmitteln nicht zum neuen Superstar, limitierte Mannschaften mit den besten digitalen Gimmicks wahrscheinlich besser, aber nur selten top. Fußball wird auch weiterhin von Menschen gespielt, die auch in Zukunft keine programmierbaren Roboter sein werden. Man kann aber die Hausaufgaben bestmöglich erledigen in dem man die Komponente „Zufall“ minimiert und Trainingsrückstände gezielter aufholt. Mit der Digitalisierung-Revolution kann ein Spieler an der Wahrscheinlichkeit drehen, dass er möglichst viel seines Potentials ausschöpft und möglicherweise auch Fehler vermeidet. Tagesform, Nervosität oder Konzentrationsschwächen – also Kopf und Psyche werden auch weiterhin die entscheidenden Einflussfaktoren sein, ob bzw. wie man das aneignete Potential schlussendlich auf den Platz bringt.

Morgen schauen wir uns an, wie der Trainer von digitalen Neuerungen profitieren kann und wo in diesem heiklen Bereich die Risiken liegen.

Werner Sonnleitner, abseits.at

Werner Sonnleitner

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