Während die sportlichen Akteure des SK Rapid in der Vorbereitung schwitzen, ist ein Teil der Fans noch immer mit dem Platzsturm beim Wiener Derby... UNITED WE STAND – oder doch nicht?

Während die sportlichen Akteure des SK Rapid in der Vorbereitung schwitzen, ist ein Teil der Fans noch immer mit dem Platzsturm beim Wiener Derby beschäftigt.

Aktuell erhitzt eine neue Initiative der großen Fanclubs (u.a.: Ultras Rapid, Tornados Rapid, Green Lions, Lords, usw.) die Gemüter: auf einer schlicht gehaltenen Homepage (http://unitedwestand.at/) wird Einigkeit im Anhang des SK Rapid gefordert, man will sich gemeinsam gegen „unverhältnismäßige Reaktionen von Medien, Vereinsverantwortlichen und Politik“ auf den Platzsturm wehren – auch mit einem Spendenkonto, das für die rechtliche Rückendeckung der Platzstürmer betrieben wird.

VERHÄRTETE FRONTEN INNERHALB DES ANHANGS

Der Großteil der Fans hat kurze Zeit nach dem Platzsturm klar gemacht, dass diese Form des Protestes nicht in ihrem Sinne war. Die Diskussionen in den Wochen nach dem Derby waren zäh, die Fronten waren verhärtet, relativ schnell war klar, dass sich zwei größere Lager bilden werden: die Befürworter des Platzsturms, die immer wieder die Schuld bei Edlinger, Kuhn und einzelnen Spielern suchen, und auf der anderen Seite die Gegner des Platzsturms, für die diese Form des Protestes untragbar ist, die der Meinung sind, dass der provozierte Spielabbruch eine Aktion von Chaoten und Radaubrüdern war, die nicht wegen dem Fußball im Stadion sind.

HAUSDURCHSUCHUNGEN – LEGITIM?

Vor einigen Wochen war diversen Medien zu entnehmen, dass der Verdacht besteht, der Platzsturm sei durchaus organisiert gewesen – und nicht eine „aus dem Ruder gelaufene Spontanaktion, die gegen den sportlichen Protest gerichtet war“, wie es von Befürwortern des Platzsturms propagiert wird. In Folge gab es eine Hand voll Hausdurchsuchungen (laut einem Insider/Betroffenen 7 Haushalte von 5 Besitzern), bei der Hinweise auf eine gezielte Organisation aufgetrieben werden sollten. Einer der durchsuchten Haushalte gehört dem Administrator und Betreiber des Forums rapidfans.at, welcher sich nun öffentlich gemeldet hat. In welcher Form er bei einer eventuellen Organisation des Platzsturms und Spielabbruchs involviert war ist fraglich.

UNSCHULD AUF DER EINEN SEITE…

Die Betroffenen der Hausdurchsuchungen waschen ihre Hände weiter in Unschuld, nichts wäre organisiert gewesen, der anstehende Prozess wegen Landfriedensbruch (und das damit hohe Strafmaß) sei eine politische Machtdemonstration der neuen Innenministerin, man sei das Opfer von Medien, Politik und Vereinsführung. Die Initiative und Spendensammlung „UNITED WE STAND“ soll die „Rapidfamilie“ wieder näher zusammenrücken, man soll gemeinsam gegen die mediale Berichterstattung, den vom SK Rapid auferlegten Maßnahmenkatalog und die politisch motivierte Vergeltungsjustiz kämpfen.

…UNVERSTÄNDNIS AUF DER ANDEREN

Den „gemäßigten“ Fans, die mit dem Platzsturm nichts zu tun haben wollen, fehlt hier ganz klar das Zugeständnis, dass der Protest gegen die sportlichen Leistungen nicht nach Plan verlief, dass Fehler begangen wurden. Auf der Homepage der Initiative lese man kein Wort der Entschuldigung oder Distanzierung. Dass ein Bengale seinen Weg in den Austria-Sektor fand, dass die Strafen Rapid eine gute halbe Million Euro kosten, und dass man Derbies künftig im Happel-Oval ansehen muss – all das wären Sachen, die man in einem Atemzug mit dem Platzsturm erwähnen müsse. Stattdessen würde sich der Block West (stellvertretend auch für die Fanclubs der Ost- und Nord-Tribüne) in eine Opferrolle drängen, die ihm nicht zustände.

KEIN SUPPORT BEI TEST- UND FREUNDSCHAFTSSPIELEN

Die Fanclubs haben schon vor geraumer Zeit angekündigt, dass man bei den Vorbereitungsspielen nicht supporten wird. Am Sonntag empfängt Rapid Hoffenheim – das einzige Spiel diesen Sommer, das im Hanappi-Stadion stattfinden wird – eine sportlich durchaus interessante Partie, doch auch die geisterhafte Stimmung wird dem Spiel wohl eine ganz eigene Note verleihen. In knapp zwei Wochen wird die Admira unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Hütteldorf zu Gast sein, zwei Wochen später die SV Ried. Das erste „wirkliche“ Heimspiel von Rapid wird ausgerechnet das Wiener Derby sein, welches aber wie bereits erwähnt im Happel-Stadion ausgetragen wird – somit müssen die Fans bis zum 10.9. warten, ehe sie gegen Mattersburg das erste Bundesligaspiel der Saison im „St. Hanappi“ sehen. Bleibt zu hoffen, dass die Fans bis dahin Einigkeit gefunden haben, um die Mannschaft des SK Rapid gemeinsam wieder zu Spitzenleistungen motivieren zu können.

Konrad Peters, abseits.at

Stefan Karger