Eines der wichtigsten Ziele für Peter Stöger in der Sommerpause war die taktische Weiterentwicklung und Variabilität. Wir haben uns deswegen den 1. FC Köln... Weiterentwicklung als Ziel: So macht Peter Stöger seine Kölner noch variabler
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_Peter Stöger - 1.FC Köln

Eines der wichtigsten Ziele für Peter Stöger in der Sommerpause war die taktische Weiterentwicklung und Variabilität. Wir haben uns deswegen den 1. FC Köln und seine Taktik und Strategie gegen den SC Freiburg genauer angesehen und analysiert.

In der Defensive

Das 4-4-2 war auch schon letztes Jahr die meist angewandte Grundordnung der Kölner – so auch gegen die Freiburger die ebenfalls ein 4-4-2, jedoch mit Raute, spielten.

Man richtete das eigene Pressing im höheren Mittelfeld aus, ließ die Freiburger Verteidiger jedoch generell den Ball ohne viel Druck zirkulieren. Sechser Frantz sollte jedoch stets in den Deckungsschatten gestellt werden: War der Ball zentral, dann stellten sich beide Stürmer vor ihn und machten ihn unanspielbar.

Wurde der Ball auf einen der Außenverteidiger gespielt dann sollte der ballnahe Stürmer mit einem Bogenlauf den Innenverteidiger in den Deckungsschatten stellen und gemeinsam mit den attackierenden, den Diagonalpass zustellenden, ballnahen Flügelstürmer den Außenverteidiger attackieren. Der ballferne Stürmer deckte währenddessen den Freiburger Sechser oder stellte ihn in den Deckungsschatten, wenn Frantz weit weg vom Geschehen war.

Die Kölner agieren in ihren Orientierungen sehr flexibel: Vor allem im Mittelfeldzentrum bevorzugten sie ballnahe Mannorientierungen, während die Flügelstürmer, die deutlich öfter den Ball attackieren als die zwei Sechser der Geißböcke, viel mit ihren Deckungsschatten arbeiten und stets versuchen die Halbräume zu versperren.

Dies lag natürlich auch an der Formation von Freiburg, die mit der Raute die Halbräume und das Zentrum überladen wollten, weshalb sich die Flügelstürmer nicht um einen direkten Gegenspieler kümmern mussten. Oft sieht man bei Köln nämlich auch am Flügel Mannorientierungen, weshalb manchmal Fünferketten, oder bei schlechtem Balancieren auch Sechserketten-Staffelungen, entstehen.

Im Mittelfeld formiert man sich meist in einer Art flachen Halbkreis und kann so die strategisch wichtigsten Räume gut absetzen und bedecken.

In der letzten Linie war man bedacht keine hohen Bälle hinter die Abwehr kommen zu lassen, weshalb man stets auf der Hut sein musste, um sich rechtzeitig antizipativ nach hinten zu bewegen. Diese hohen Bälle kamen jedoch vor allem zu Beginn eher sporadisch, weshalb man diesbezüglich nur wenig zu tun bekam.

Dennoch gilt es ein Lob an die Viererkette der Kölner auszusprechen, die auch trotz der drohenden Gefahr der langen Bälle immer die vertikale Kompaktheit hielt und den Zwischenlinienraum verengte.

Zudem wusste man sich gegenseitig stets gut abzusichern und zu balancieren, wenn sich einer der beiden Stürmer Freiburgs zurückfallen ließ. Dies birgt nämlich potentielle Gefahrenherde, da durch das mannorientierte Verfolgen Räume geöffnet werden, in denen der andere Stürmer hineinstarten kann. Diese Situationen wusste man jedoch stets gut zu managen.

In der Offensive

Im Aufbau gab es immer wieder Abkippen von Sechser Lehmann zu sehen. Er hielt sich hierbei jedoch flexibel und kippte nicht immer nur zwischen sondern auch manchmal rechts neben die Innenverteidiger ab. Dies sorgte für Staffelungsänderungen sowie eine bessere Halbraumbesetzung, was das Aufbauspiel einfacher machte.

Marco Höger besetzte währenddessen meist alleine den Sechserraum und sollte Verlagerungen und simple Pässe spielen, um die Zirkulation am Laufen zu halten. Die Kölner hatten jedoch kein Problem mit dem Verwenden von hohen Bällen, da man in der Offensive gut indoktrinierte Mechanismen hat um füreinander Räume zu öffnen und hohe Bälle gut zu verarbeiten.

Folgeaktionen beinhalten meist kurze Ablagen mit anschließenden Pässen in die Tiefe. Meist sind es Risse oder Bittencourt, die beiden Flügelstürmer, die die geöffneten Räume diagonal ansprinten und mit Zug zum Tor den Ball in hohem Tempo führen sollen. Beide sind zudem auch dribbelstark, weshalb die Kölner sich selbst wenn sie sich in der Mitte freigespielt haben, stets nach den beiden orientieren und versuchen sie in Szene zu setzen.

Anschließend sollen Bittencourt und Risse entweder zum Tor hin dribbeln, dies ist vor allem eher Bittencourts Aufgabe, weswegen der kombinative Osako als linker Stürmer agiert. Oder sie versuchen so nah am Strafraum wie möglich Hereingaben zu bringen, hier ist vor allem Modeste der Zielspieler.

In Umschaltsituationen

Nach Ballgewinn suchten die Kölner so schnell wie möglich den Pass in die Tiefe. Dies wurde von zurückfallenden Bewegungen von Modeste oder Osako unterstützt, die sich für diese Bälle in den Fuß anboten. In die geöffneten Räume hinter dem zurückgefallenen Spieler sprintet dann entweder der Sturmpartner oder der Flügelstürmer. So entstand auch das 2:0, als Osako in die Tiefe sprintete und einen hohen, weitergeleiteten Ball erkämpfte und Bittencourt per Stanglpass bediente.

Im Gegenpressing agieren die Kölner sehr aggressiv und versuchen stets mit ein, zwei Spielern zu attackieren, während ballnah Manndeckungen aufgenommen werden um Optionen zu versperren. Allzu kollektiv führt man das Nachsetzen nach Ballverlust jedoch nicht aus, da man die Restverteidigung so stabil wie möglich halten möchte.

Standardsituationen

Die Kölner besetzen in der Offensive den Strafraum nicht sehr zahlreich, beim Corner zur 1:0-Führung von Modeste war man lediglich zu viert. Jedoch platzieren sich rund um den Strafraum, sowie natürlich auf Nähe der Mittellinie, Spieler zur Absicherung und zum Abfangen von Kontern.

Im Strafraum selbst gibt es dann meist einen blockenden Spieler, der sich vor den Torwart stellt, während der Rest in einstudierten Laufwegen von der Strafraumgrenze in den Ball sprintet.

Bei defensiven Standardsituationen spielt man eine Mischform aus Mann und Raumdeckung. Bei Cornern gibt es stets vier Raumdecker auf der Fünfmeterlinie, der Rest deckt den Mann. Modeste bleibt meist etwas weiter vorne, um eine Anspielstation für Konter zu sein.

Fazit

Weniger weiterentwickelt als verbessert und vor allem verfeinert kann man das Kölner System beschreiben. Zwar wurde in der Vorbereitung auch an der Dreierkette gearbeitet, diese kam gegen den SC Freiburg jedoch nicht zum Einsatz. Die Mannorientierungen werden stets gut balanciert und eingebunden, was ja eine der größten Schwierigkeiten in der Anwendung dieser Art der Verteidigung ist.

Stögers Köln schafft dies jedoch, und das auch noch sehr gut. Die Abläufe in der Offensive sind ebenfalls klar und wirken gut einstudiert, sodass man Köln eigentlich als „italienische“ Mannschaft beschreiben könnte. Wäre das Design der Trikots auch etwas stylisher, dann wäre der Vergleich noch näher an der Realität…

David Goigitzer, abseits.at

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