Portugal, Deutschland, Spanien, Italien – Die Semifinalisten sind bekannt und die Dominanz dieser Teams kommt nicht von ungefähr. Spitzenleistungen durch alle Mannschaftsteile hindurch waren... Euro-kritisch (5) – Ein langes Jahr und immer mehr Teams

Portugal, Deutschland, Spanien, Italien – Die Semifinalisten sind bekannt und die Dominanz dieser Teams kommt nicht von ungefähr. Spitzenleistungen durch alle Mannschaftsteile hindurch waren allerdings nicht zu sehen.

 

Dominanz

Der Erfolg dieser Teams ist kein Zufall, dominieren doch auch Vertreter aus diesen Längern die europäischen Klubbewerbe. Seit Einführung der Champions League zur Saison 1992/93 wanderte der begehrte Pokal 14 von 20 Mal in eines dieser vier Länder. Vier Mal sicherten sich Mannschaften aus dem Land des Viertelfinalisten Englands die Trophäe, einmal ging sie nach Frankreich, einmal in die Niederlande. Selbiges Bild zeichnet sich in der Europa League bzw. dem UEFA-Cup: Galatasaray Istanbul (2000), FC Liverpool (2001), Feyenoord Rotterdam (2002), ZSKA Moskau (2005), Zenit St. Peterspurg (2008) und Schachtar Donezk (2009) hießen die sechs Sieger, die sich nicht durch eine der vier Ligen der Halbfinalisten qualifizierten.

Eh klar…

Es ist natürlich kein großartiger Zufall, dass die Länder den Fußball sowohl auf Nationalmannschafts-, als auch auf Klubebene dominieren. Qualität setzt sich durch und die beginnt in der Liga. Die Spitzenteams wie FC Porto, Sporting Lissabon, FC Bayern, Borussia Dortmund, Real Madrid, FC Barcelona, die Mailänder und Juventus Turin stehen für Qualität. Dass eine Liga, die im Europacup durch die Leistungen ihrer Klubs auffällt auch ein stärkeres Nationalteam stellen kann, zeigten die Tschechen. Viktoria Pilsen schaffte es in die Gruppenphase der Champions League und die Landesauswahl in  das Viertelfinale.

Hypothek

Viele Spieler kommen aber genau deshalb bereits mit einer Hypothek zur EM. Der FC Bayern, der zwölf Spieler aus fünf Nationen entsendete, absolvierte 55 Bewerbsspiele. Real Madrid, mit elf Spielern aus vier Nationen bei der Europameisterschaft vertreten, spulte 58 Spiele ab. Der FC Barcelona kommt auf 64 Spiele – die englische Premier League, die einige Akteure beschäftigt, trägt 38 Ligaspiele und drei Cup-Bewerbe aus, den Europacup noch nicht einberechnet – Das ergibt auch eine stattliche Anzahl an Spielen. Dadurch reisen die Ronaldos und Schweinsteigers nicht komplett frisch zu EM an. Am 19. Mai 2012 fand das Finale der Champions League statt, am 8. Juni, knapp drei Wochen später, begann die Euro! Nach dem Finale bleiben im besten Fall vier Wochen Zeit zur Regeneration, ehe das runde Leder wieder rollt und die Jagd nach Titeln und Toren von Neuem beginnt.

Noch mehr Spiele ab 2016!

Ab der Europameisterschaft 2016 in Frankreich wird das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 Teams aufgestockt. Noch mehr Mannschaften dürfen nach einer langen Saison ihre Spieler weiter kicken lassen. 1996 nahmen erstmals 16 Teams teil, in Frankreich sollen von 53 Landesverbänden 24 Teams antreten dürfen. Das macht den Sinn der langen, gut 700 Tage dauernden Qualifikation zu Nichte und verwässert auch die Endrunde, da ohnehin so gut wie jedes zweite Nationalteam dabei ist. Nimmt man die letzten absoluten Fußballzwerge Andorra, San Marino, Malta, Liechtenstein, Luxemburg und die Färöer raus, wird noch deutlicher, wie sinnlos eine ausgedehnte Qualifikation ist.

Wieder mal: Die Kasse muss klingeln

Wenige Trainer ließen ihre Teams von der Leine und wollten ein Spektakel sehen. Die, die das taten, scheiterten, wie etwa Kroatien oder Russland. Sie entschieden sich zum falschen Zeitpunkt zum Kräftesparen. Sogar die übermächtig anmutenden Spanier mussten bis zur 88. Minute zittern, ob der Aufstieg denn gelingen würde. Eines ist aber – wieder einmal – klar: Es geht ums Geld. Die hoch bezahlten Kicker sollen noch mehr laufen und die Kassen der UEFA alle vier Jahre ein Jahr lang klingeln. Die Person Bastian Schweinsteiger mit seinen Verletzungen und Formtiefs seit zwei Jahren zeigt, dass die Spieler da aber irgendwann nicht mehr mitkönnen.

16 sollte die Grenze sein

So hart es für Österreich und andere kleinere Nationen klingt: 16 Teams sind das äußerste Maximum bei einer Europameisterschaft. Der Fußball leidet darunter. Es gibt kaum Vorbereitungszeit, die Spieler der Topnationen, die den Fußball letztlich weiterentwickeln, reiben sich zwischen Liga, Europacup und Endrunden auf. Alleine schon das Team, das nicht bei der EM-Endrunde dabei ist, kann sich sehen lassen. So fehlten mit Carles Puyol, David Villa, Ivica Olic, Frank Lampard oder Bacary Sagna wichtige Spieler durch Verletzungen. Dadurch geht die Dichte der Kader flöten, die erste Elf wird dezimiert und die Besucher bekommen eben nicht das Beste vom Besten geboten, sondern das, was davon überbleibt.

Kein Gefallen

Die UEFA macht sich selbst keinen Gefallen, die Spielpläne so dicht zu gestalten, dass es Absagen regnet wie Wasser bei einem ukrainischen Sommergewitter. Dass die honorigen Herren in der Schweiz – da gehört die FIFA auch dazu, immerhin ist Europa der wichtigste Markt – nicht merken, wie sie sich im Endeffekt selber schaden, ist eigentlich unglaublich. Hierbei geht es ja wieder um Geld…

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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