Emanuel Pogatetz war lange – gemeinsam mit Paul Scharner – einer der österreichischen Fußballrepräsentanten auf der Insel. Mit Fleiß, Einsatz und einer üppigen Portion... Anekdote zum Sonntag (89) – Mad Dog, Sleepy Dog

Emanuel Pogatetz war lange – gemeinsam mit Paul Scharner – einer der österreichischen Fußballrepräsentanten auf der Insel. Mit Fleiß, Einsatz und einer üppigen Portion Härte erkickten sich die beiden ihre Stammplätze und somit jede Menge Pfund auf dem Konto.

So mancher dachte, dass der Niederösterreicher und der Steirer nun auch als Führungskräfte dem Nationalteam neuen Aufschwung geben könnten. Aber spielerisch – so ehrlich muss man sein – waren weder „Scharns“ noch „Pogerl“ eine richtige Hilfe für die Rot-Weiß-Roten. Während Querkopf Scharner seine Karriere bereits beendet hat, ist Pogatetz heute noch aktiv und wechselte vor wenigen Wochen zum LASK: „Ich freue mich wirklich, dass ich nun nochmals in Österreich spielen kann, denn nach 12 Jahren im Ausland ist es Zeit, nach Hause zu kommen.“, sagte der gebürtige Grazer, der seine Laufbahn im Nachwuchs von Sturm begonnen hatte. Später kam er über Kärnten, Leverkusen und Aarau zum Stadtrivalen GAK. Damals war Pogatetz zeitgleich im burgenländischen St. Michael eingerückt um seinen Wehrdienst abzuleisten. Die Steirer durchlebten gerade ihre erfolgreichste Zeit, denn sie waren mit Walter Schachner Meister geworden.

Die Saison 2003/04 war auch für „Pogerl“ selbst ein voller Erfolg: Er konnte sich als linker Außenverteidiger in der Viererkette etablieren und reifte – trotz Doppelbelastung – zum Bundesligaspieler. Nach der Meistersaison und der Sommerpause setzte „Schoko“ zur Vorbereitung auf die neue Spielzeit ein Testspiel gegen Kapfenberg an. Blöd nur, dass Emanuel Pogatetz am Vorabend zur Nachtübung mit seinen Bundesheerkollegen ausrücken musste. Bei einem Vorgesetzten erkämpfte er sich die Erlaubnis früher abzureisen. Doch die Sache hatte einen Haken: Er traf nun schon früh morgens – und somit lange vor der Abfahrt – beim Treffpunkt vor dem Stadion ein.  Der Verteidiger überlegte, dass ihm ein kleines Nickerchen in seiner nur wenige Kilometer entfernten Wohnung vielleicht guttun würde. Gesagt, getan. Er drückte aufs Gaspedal und fuhr über die Autobahn beinahe direkt in sein bequemes Bett.

Pogatetz dachte, er würde für ein, zwei Stunden gemütlich dösen, doch kaum hatte er sich die Decke bis zum Kinn hochgezogen, fiel er in einen komatösen Schlaf. Die Robberei durch Felder und Wiesen hatte auch bei einem Sportler seines Kalibers Spuren hinterlassen. Im Nu war er tief eingeschlafen und erwachte erst kurz bevor es 12 Uhr mittags schlug. Jetzt war er plötzlich hellwach: Um 12 Uhr sollte der Bus Richtung Kapfenberg abfahren. Pogatetz sprang aus den Federn, schlüpfte in die am Boden liegende Trainingshose und die Turnschuhe, schnappte sich Schlüssel und Rucksack und raste die Treppe hinunter. Ohne auf Tempolimits zu achten, flitzte er über die Autobahn flehend, dass man auf ihn warten würde. Der Spieler hatte Glück: Tatsächlich stand der Bus noch vor dem Stadion. Klar war jedoch, dass Trainer Schachner eine Erklärung erwartete.

Zwischen den Zähnen sprudelte „Pogerl“ eine Märchenversion hervor: „Trainer, tut mir leid, wir hatten Nachtübung, ich konnte nicht früher weg.“ Jetzt hatte er Pech: Schachner antwortete: „Das ist aber merkwürdig – ich hab‘ dich doch vor ein paar Stunden auf der Autobahn, die zu deiner Wohnung führt, überholt.“ Pogatetz wurde rot und rückte mit der Wahrheit heraus. Er fürchtete eine ordentliche Standpauke und einen Stammplatz auf der Ersatzbank, doch der gebürtige Leobener brummte nur: „Dass das nie wieder vorkommt!“ und drehte sich nach vorne zum Zeichen, dass die Sache hiermit gegessen war. Sir Schoko verlor danach wirklich nie wieder ein Wort über diesen Zwischenfall und Pogatetz stellte sich ab diesem Zeitpunkt für jede noch so kurze Siesta sicherheitshalber einen Wecker.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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