Halbzeit ist. 18 Spieltage sind in der österreichischen Bundesliga absolviert, und wie zum Abschluss des ersten Saisonviertels werden wieder die Tabellenstände im Vergleich zu... Die Bilanz zur Saisonhalbzeit

Halbzeit ist. 18 Spieltage sind in der österreichischen Bundesliga absolviert, und wie zum Abschluss des ersten Saisonviertels werden wieder die Tabellenstände im Vergleich zu den Vorsaisonen untersucht. Es lassen sich diesmal bereits deutlichere Trends bezüglich möglicher Meister und Absteiger sowie weitere interessante Schmankerl aus der Statistikecke feststellen. Analysiert wurden wieder die Heim-, Auswärts- und Gesamttabellenstände zur Saisonhälfte seit der Saison 2000/2001.

Weiterhin wenig Remis, beste Auswärtsbilanz

Nach 90 Spielen nur 17 Unentschieden, das ist nach dem Herbst 2008 mit 16 Remis die zweitbeste Bilanz des Jahrtausends. Zum Vergleich: in der Vorsaison gab es nach 18 Spieltagen unglaubliche 34 Punkteteilungen – ein neuer Negativrekord wurde damals aufgestellt.

Wie nach neun Spieltagen wurde auch zur Halbzeit ein neuer Rekord auf fremden Plätzen aufgestellt: 34 Auswärtssiege übertreffen die bisherige Bestmarke von 32 Erfolgen in der Fremde aus dem Jahr 2010. Herbstmeister Austria Wien hat mit beeindruckenden 42 Punkten die drittbeste Bilanz nach Innsbruck 2001 (48 Punkte) und der Austria 2003 (43 Punkte) erzielt. Erst zum zweiten Mal nach den damals so dominanten Tirolern blieb mit den Violetten ein Team in der Hinrunde auswärts ungeschlagen. Ein weiterer Beleg für die Auswärtsstärke: erstmals in diesem Jahrtausend holten die 3 besten Auswärtsteams mit 60 Punkten in der Fremde mehr Punkte als die 3 besten Heimteams zu Hause („nur“ 57 Punkte). Die Dominanz der Spitzenteams zeigt auch ein weiterer Bestwert: die Top 3 der Gesamttabelle holten 45% aller Punkte und überboten den Herbst 2001 (44,7%) damit knapp (Minusrekord: 2007 mit 37,9%).

Verbesserte Torbilanz, aber Fokus weiter auf starke Defensive

Im Torranking zeigen sich die Bundesligisten im Vergleich zum ersten Saisonviertel deutlich verbessert, dank treffsicherer Stürmer wie Hosiner oder Soriano belegt die Saison mit 273 erzielten Treffen Platz 3 (2008: 288 Tore, 2009: 285 Tore). Eine neue Bestmarke wurde wieder von den Auswärtsteams aufgestellt: 121 erzielte Treffer auf fremden Plätzen bedeuten einen überlegenen neuen Rekord (2010: 110 Tore). Ein Auswärts-Torverhältnis von -31 bedeutet nach 2010 mit -18 auch den zweitbesten Wert in dieser Kategorie. Die Heimbilanz bei den Toren ist durchschnittlich: 152 erzielte Tore bedeuten Rang 6 und deutlichen Abstand zu den Bestwerten (2008 und 2009 mit je 181 Treffern). Auch das Torverhältnis zu Hause ist mit +31 bescheiden (Platz 12, letzter Platz 2010 +18): vom Bestwert +77 aus 2009 ist man meilenweit entfernt.

Blick in den Tabellenkeller

Innsbruck als Tabellenletzter hat sich mit 10 Punkten im zweiten Saisonviertel zwar stark verbessert, darf sich mit einer Heim-Tordifferenz von -13 und nur 6 erzielten Heimtoren aber auch zur Herbstmeisterschaft darüber freuen, zwei unrühmliche Rekorde eingestellt zu haben: die Admira schaffte beides schon 2001 und stieg in der Folge ab, Bregenz 2004 hatte ebenfalls eine Tordifferenz von -13 und stieg auch ab. Zwei Mannschaften punktgleich mit 13 Zählern Letzter, das gab es auch schon im Herbst 2000, damals stieg der Neuntplatzierte LASK noch ab, die Admira war gerettet. Immerhin keine weiteren Negativrekorde für die Tiroler nach dem katastrophalen ersten Saisonviertel: 6 Heimpunkte, 5 Auswärtspunkte, alles im soliden Mittelfeld der Absteiger vergangener Jahre, und genau hier liegt auch das Problem: Durchschnitt unter den Absteigern zu sein heißt normalerweise auch abzusteigen.

Prognosen Meister und Absteiger

Nach 9 Spieltagen lag die Chance des Tabellenführers auf den Titel bei 50%, dies ist zur Saisonhälfte unverändert: sechsmal wurde vom Herbstmeister der Titel geholt, eben sooft auch nicht. War in den ersten drei Saisonen dieses Jahrtausends die Tabellenführung noch eine Bank auf den Titel (Innsbruck, Innsbruck, Austria), so gelang dieses Kunststück in der Folge nur noch weitere drei Mal (Rapid 2005, Salzburg 2006 und 2008). Was derzeit für die Violetten spricht, ist der Vorsprung von beachtlichen 5 Punkten auf den ersten Verfolger Salzburg. Kein künftiger Meister holte in der zweiten Saisonhälfte mehr als 4 Punkte Rückstand auf (Salzburg schaffte dies erstmals letzte Saison, zuvor waren 3 Punkte Rückstand das Meiste). Der durchschnittliche Vorsprung, wenn vorne, lag sogar bei 6,7 Punkten, war der spätere Meister nicht auf Platz eins, betrug der Rückstand im Schnitt nur 2,5 Punkte. Nur fünfmal war der Meister das beste Heimteam, gar nur dreimal das beste Auswärtsteam, aber ein für die Wiener Austria spricht folgendes: die Favoritner sind dieses Jahr in beiden Tabellen vorne. Dies schafften bisher nur Innsbruck 2001/2002 und die Austria 2002/2003. Beide dominerten die Meisterschaft nach Belieben und wurden auch souverän Meister. Noch drei weitere Pluspunkte für den FAK: erstmals seit Innsbruck 2001 blieb eine Mannschaft auswärts ohne Niederlage (das bedeutet auch die zweitmeisten Auswärtspunkte), das Auswärtstorverhältnis von +14 ist das Beste seit der Austria 2004 und jede Mannschaft, die zur Halbzeit 40 (Innsbruck 2001, Austria 2002, Salzburg 2008) oder mehr Punkte sammeln konnte, wurde auch Meister.

Bei den Absteigern ist das Bild nach unklaren Tendenzen zum ersten Saisonviertel diesmal ein Eindeutigeres: nach Punkten Letzter, stiegen nur Admira und Bregenz (je 17 Punkte) 2002/2003 nicht ab (die GAK-Saison 2006/2007 wird wegen der Punkteabzüge ausgeklammert), Ried (24 Punkte) musste damals in die zweite Liga. Der LASK 2000/2001 war nur aufgrund des besseren Torverhältnisses nicht Letzter, konnte in der Endtabelle aber die Admira nicht mehr hinter sich lassen. Achtmal stieg das schlechteste Heimteam ab, siebenmal das schlechteste Auswärtsteam und viermal gab es bereits den Fall, in beiden Kategorien Schlechtester zu sein – wie die Tiroler diesmal. Alle vier Mannschaften stiegen ab: Admira 2005/2006, Innsbruck (schon einmal) 2007/2008, Kärnten 2008/2009 und Kapfenberg 2011/2012. Was auch nicht gerade für Innsbruck spricht: sieben Niederlagen daheim sind auch die schlechteste Bilanz seit der Admira 2001. Die Tiroler können sich immerhin noch an die Hoffnung klammern, dass sie punktgleich mit Wiener. Neustadt sind. Der durchschnittliche Rückstand des Absteigers zur Halbzeit betrug immerhin 6,1 Punkte.

Christian Ditz, abseits.at

Christian Ditz