Die meisten Guten bleiben eben nicht lange in Österreich. Wobei das auf Lucas Galvao nicht unbedingt zutrifft, spielte der Brasilianer doch schon seit fünf... Eine Ode an Lucas Galvao

Die meisten Guten bleiben eben nicht lange in Österreich. Wobei das auf Lucas Galvao nicht unbedingt zutrifft, spielte der Brasilianer doch schon seit fünf Jahren in der Alpenrepublik, ehe ihm beim SK Rapid der große Wurf gelang.

Zwei Jahre in Lustenau, zwei Jahre in Altach – unterhalb des Radars konnte sich der heute 27-jährige Brasilianer im Ländle akklimatisieren. Frei von Druck, frei von zu engen taktischen und formativen Korsetten. Galvao spielte als Innenverteidiger, linker Verteidiger, Linksaußen, sogar als Zehner und hängende Spitze. Der unkomplizierte und flexible Brasilianer konnte eben überall hingestellt werden.

Innen links

Als Galvao vor einem Jahr von Rapid verpflichtet wurde, war man sich noch nicht hundertprozentig sicher, wo er spielen würde. Als Linksverteidiger oder doch innen – er könne beides, hieß es damals. Es dauerte aber nur wenige Wochen bis Galvao seine Bestimmung fand. Der linke Innenverteidiger in einer Viererkette war die Position, auf der er schwamm, wie ein Fisch im Wasser.

Ein Mentalitätsmonster, das man lieben muss

Obwohl Galvao nur 28 Pflichtspiele für Rapid bestritt, wird er in Hütteldorf einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der Hauptgrund hierfür sind nicht unbedingt seine weitgehend ausgezeichneten Spiele, sondern seine starke Mentalität, nach der die Fans in Hütteldorf traditionsgemäß lechzen. Obwohl nur 181cm groß ging Galvao stets resolut in seine Zweikämpfe, besserte nahezu jeden Fehler binnen kürzester Zeit aus und wirkte auf dem Platz schnell wie ein Leader.

Auf dem Platz anders als abseits

Dabei wirkt der zurückhaltende Brasilianer abseits des Platzes gar nicht so. Ruhig, fast schüchtern präsentiert er sich im persönlichen Gespräch und man ist geneigt sich zu fragen: Ist das derselbe Typ, der am Platz regelmäßig seine Gegenspieler wegräumt und tödliche Haken und Sololäufe als letzter Mann startet? Wenn der Schiedsrichter anpfeift, legt sich in Galvaos Kopf ein Schalter um und er ist Kämpfer mit Leib und Seele.

Vorstöße wie Lucio

Die größte Stärke des Verteidigers aus São José do Rio Preto ist sicher sein Aufbauspiel. Präzise Zuspiele sind eine Sache, aber die unwiderstehlichen Lucio’esken Vorstöße, bei denen er schon mal zwei, drei Gegenspieler stehen lässt, sorgten regelmäßig für ein erstauntes Raunen im Publikum. Nicht nur weil er durch seinen schnellen Antritt an den Gegnern vorbeikam, sondern weil er damit nicht selten ganze gegnerische Ordnungen auseinanderriss. Feiges hin- und herspielen mit dem Innenverteidigerkollegen ist nichts für den Südamerikaner – Galvao übernahm stets Verantwortung.

Deutlicher Schritt nach vorne, logischer Wechselzeitpunkt

Dass er nicht nur mit dem Ball, sondern auch läuferisch und gegen den Ball eine enorme Verstärkung für Rapid darstellte, rundete das Bild ab. Der Schritt nach vorne, den Galvao in einer weitgehend dominanten Mannschaften wie Rapid machen konnte, ebnete den Weg für einen Transfer nach Ingolstadt, wo man nächste Saison am Bundesliga-Aufstieg kratzen kann. Galvao ist dieser Aufgabe mit Sicherheit gewachsen und wird auch für Ingolstadt eine gewichtige Rolle spielen, womöglich sogar einer der großen Leistungsträger werden. Adaptierungsschwierigkeiten sind nicht zu erwarten und auf dem Weg zum Publikumsliebling gibt’s nur wenige Hürden. Der Wechselwunsch Galvaos war logisch, denn noch mehr konnte er sich in Österreich fast nicht profilieren. Da er schon 27 ist, musste der Wechsel in eine größere Liga also jetzt erfolgen.

Einer der besten Innenverteidiger der letzten zwei Jahrzehnte

In Wien-Hütteldorf wird Galvao als einer der besten Innenverteidiger der letzten zwei Jahrzehnte in Erinnerung bleiben. Er reihte sich in nur einem Jahr nahtlos in eine Liste von Spielern wie Hiden, Tokic oder Sonnleitner in seiner besten Zeit ein. Rapid muss nun einen neuen Linksfuß für die Innenverteidigung finden und hat die Kasse mit Galvaos Abgang hierfür recht gut gefüllt. Eines ist aber klar: Auch wenn der Neue definitiv seine Qualitäten mitbringen wird – er wird anders sein, als der unkonventionelle, seltene Galvao.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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