Der unrühmliche Abgang von Peter Pacult im April war das Ende einer über 4 ½ Jahre andauernden Ära. Es war eine Zeit mit einigen... Pacult, eine grün-weiße Ära: Von der Roten Laterne nach Europa – Teil 1

Der unrühmliche Abgang von Peter Pacult im April war das Ende einer über 4 ½ Jahre andauernden Ära. Es war eine Zeit mit einigen großartigen Erfolgen, aber auch mehreren Tiefpunkten. Abseits.at blickt in einer dreiteiligen Reihe auf diese Zeit zurück.

Der 26.8.2006, Schauplatz Waldstadion in Pasching. Das Auswärtsspiel von Rapid bei Superfund Pasching ist die letzte Chance für Trainer Georg Zellhofer, seinen Arbeitsplatz beim Rekordmeister zu retten. Das Last-Minute Tor von Michael Baur nach einem schweren Patzer von Helge Payer kostet Rapid nicht nur das Unentschieden, sondern schlussendlich auch Zellhofer seinen Job. Nur enttäuschende sieben Punkte aus den ersten sieben Runden, dazu eine schmerzhafte 1:4 Heimniederlage gegen den GAK – das war für die Rapid-Verantwortlichen eindeutig zu wenig, nachdem man schon in der Vorsaison mit dem 5.Platz das internationale Geschäft nicht erreichen konnte.

Da die Bundesliga länderspielbedingt nach dem 7.Spieltag pausierte, hatte Rapid etwas Zeit sich nach einem neuen Trainer umzusehen, und nach etwas über einer Woche hatte Präsident Rudolf Edlinger seinen neuen Trainer gefunden – Peter Pacult. Die Gründe für diese Wahl waren schnell gefunden: Er bildete den Kontrast zum „braven“ Zellhofer, zudem waren seine Mannschaften immer dafür bekannt, konditionell extrem stark zu sein. Dies war ein Verdienst des Konditionstrainers Christian Canestrini, den Pacult von Dresden mit nach Wien nahm. Außerdem hat Pacult als Aktiver bei Rapid gespielt – eine Tatsache, die Präsident Edlinger bei der Suche nach neuen Mitarbeitern stets wichtig war.

UNGLÜCKLICHER ABGANG AUS DRESDEN

Der Floridsdorfer setzte sich gegen Konkurrenten wie Zlatko Kranjcar und Heribert Weber durch und kam vom deutschen Regionalligisten Dynamo Dresden, wo er trotz einem sehr guten Punkteschnitt (1,55) aus der zweiten Liga absteigen musste; zu groß war der Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze, als er den Klub übernahm. Auch der Abschied aus Dresden erfolgte für beide Seiten nicht wunschgemäß – Pacult bat die Vereinsführung um eine Vertragsauflösung, nachdem er vor der Saison den Kader komplett nach seinen Vorstellungen zusammenstellen durfte. Sowohl die Verantwortlichen als auch die Fans von Dynamo waren über die Vorgehensweise von Pacult erbost und sahen nach dieser Aktion in „PP“ zwar einen guten Trainer, witterten allerdings menschliche Schwächen.

Nun hatte er eine ganz andere und eine wohl noch viel schwierigere Aufgabe zu bewältigen, er sollte den Traditionsklub aus Wien wieder vom Mittelmaß an die Spitze führen. Die Mannschaft war zu dem Zeitpunkt am Boden, der zurückgekehrte Hoffnungsträger Steffen Hofmann schwer verletzt, einige Schlüsselspieler wie Hlinka oder Bazina komplett von der Rolle und die Fans völlig enttäuscht. Diese waren am Anfang auch alles andere als vollständig überzeugt, dass der neue Trainer der richtige für Rapid sei, alles in allem ist der mit Dresden abgestiegen und auch davor beim FC Kärnten gescheitert. Zudem hatte Pacult auch noch das Problem, dass er den Verein mitten in der Saison übernahm, bestritt also weder eine Vorbereitung mit seinen Spielern, noch war der Kader nach seinen Ansichten zusammengestellt worden. Nicht die besten Vorzeichen, um erfolgreich beim SK Rapid Wien arbeiten zu können.

UND DIE KRISE GING WEITER…

Für das Trainerdebüt wartete niemand geringerer als der Topfavorit auf die Meisterschaft, Red Bull Salzburg. Die Mozartstädter kamen als Tabellenführer nach Wien und hatten bereits zu der frühen Phase der Meisterschaft zehn Punkte mehr als Rapid auf dem Konto. Aber bereits in den ersten Wochen in Grün-Weiß schaffte er es, der Mannschaft neues Leben einzuhauchen. Rapid war im Vergleich zu den letzten Wochen nicht wiederzuerkennen und ging auch verdienterweise durch den damals erst 17jährigen Veli Kavlak in Führung, Red Bull konnte erst in der Nachspielzeit durch Dudic den Ausgleich erzielen. Trotz der großen Enttäuschung über dieses späte Gegentor war man im grün-weißen Lager wieder besser gelaunt, immerhin konnte man den Topfavoriten aus Salzburg an den Rand einer Niederlage drängen.

Im weiteren Verlauf der Herbstsaison änderte Pacult personell nicht allzu viel, erwähnenswert ist hier lediglich Ümit Korkmaz, der gleich beim nächsten Spiel bei Wacker Innsbruck sein Bundesliga-Debüt feiern durfte und von da an zum Stammspieler wurde. Trotz der neuen Aufbruchstimmung und vier Spielen ohne Niederlage ging es mit Rapid im Laufe des Herbstes wieder bergab. Dem ersten Sieg für Pacult als Rapid-Trainer (4:1 Heimsieg gegen Mattersburg) folgten acht Spiele ohne vollen Erfolg. Dazu flog Rapid blamabel bei der Vienna im Elfmeterschießen aus dem ÖFB-Cup. Der unrühmliche Höhepunkt wurde in der 17.Runde erreicht: Auch wenn Petr Vorisek beim Heimspiel gegen Pasching in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielen konnte, waren die Fans nach den erneut beschämenden Auftritten der letzten Wochen aufgebracht, zudem konnte im Kalenderjahr 2006 bis dahin kein Auswärtssieg verbucht werden – ein Platzsturm war die Folge, bei der auch die berühmte Bierbecher Attacke gegen den damaligen Sportdirektor Peter Schöttel stattfand. Dies führte zu dessen Rücktritt – Nachfolger wurde der Tiroler Alfred Hörtnagl (über den sich Pacult damals noch positiv äußerte).

Problematische Zeiten also für Peter Pacult, der sich aber nicht entmutigen ließ. Er konnte die Herbstsaison mit Siegen daheim gegen Sturm und in Ried ausklingen lassen, und auch wenn der langersehnte einzige Auswärtssieg im Jahr 2006 einige Fans versöhnen konnte, forderten viele die Ablöse Pacults – noch in der Winterpause. Pacult betonte allerdings immer wieder, dass er nicht die Versäumnisse der letzten Monate in so kurzer Zeit aufholen konnte und zudem wäre mit der Mannschaft eine Menge Ausdauertraining von Nöten (was auch dazu führte, dass die Mannschaft zum Ende der Spiele hin oft die Kraft ausgegangen war). Eindeutige Seitenhiebe gegen seinen Vorgänger Georg Zellhofer…

AUFHOLJAGD IM FRÜHJAHR

Nach seiner ersten Vorbereitung mit der Mannschaft und den Transfers des montenegrinischen Mittelfeldspielers Branko Boskovic und Verteidiger Hannes Eder konnte Pacult nun seinen Kritikern beweisen, dass er zu Recht die Nachfolge von Georg Zellhofer antreten durfte. Rapid spielte erfrischenden, offensiven und vor allem erfolgreichen Fußball, welcher die Hütteldorfer vom zwischenzeitlich letzten Rang auf Platz vier katapultierte, der zur Teilnahme am UI-Cup berechtigte. Für den finanziell dauerhaft gebeutelten Klub ein großer Erfolg, noch ein Jahr ohne Teilnahme am internationalen Geschäft wäre für Rapid schwer verkraftbar gewesen. Die Bilanz des Frühjahrs: 9 Siege (darunter ein 3:0 Derbysieg über die Wiener Austria), 2 Unentschieden, 4 Niederlagen.

Nach und nach war die Handschrift von Pacult erkennbar. Die Mannschaft präsentierte sich konditionell extrem verbessert und gewann durch die Erfolge auch sichtlich an Selbstvertrauen. Der Kampfgeist, der unter Zellhofer desöfteren vermisst wurde, kehrte genauso zurück wie die spielerische Linie, bedingt durch den wieder gesundeten Steffen Hofmann, einen starken Mario Bazina und Neuverpflichtung Branko Boskovic, der nach anfänglichen Schwierigkeiten eine Schlüsselrolle im System von „PP“ einnahm. Gerade was Boskovic und Bazina betrifft, hatte Pacult einen großen Verdienst daran, dass diese ihre Leistung zeigten. Beide Spieler hatten ihre schlechten Phasen und viele Anhänger wollten sie nicht in der Anfangself wiederfinden, aber Pacult stellte sie trotzdem auf, gab ihnen Spielpraxis und glaubte an sie.

Peter Pacult war also endgültig bei Rapid angekommen. Er betonte immer wieder, dass er nach einer gemeinsamen Vorbereitung die Mannschaft wieder auf Vordermann bringen würde, und genau das schaffte er auch. Bei den Fans verwandelte sich die Skepsis in Hoffnung, dass Pacult vielleicht doch der richtige Mann für die Position des Cheftrainers bei Rapid sei und der Klub mit ihm am Ruder wieder national und international Erfolge feiern könnte. Der größte Erfolg in der Ära Pacult kam gleich im nächsten Jahr.

Im zweiten Teil liest du alles über die Saison 2007/08, die Saison in der Peter Pacult Rapid zum 32.Meistertitel der Vereinsgeschichte führen konnte.

Kristof Kovacs, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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