Den wohl interessantesten Wechsel gab es in der tipico Bundesliga im Winter nicht am Spieler-, sonder am Trainersektor. Oscar Garcia übernahm bei Red Bull... Red Bull Salzburg unter Oscar Garcia: Drei Erkenntnisse aus den ersten beiden Pflichtspielen

_Oscar Garcia 2 - Red Bull SalzburgDen wohl interessantesten Wechsel gab es in der tipico Bundesliga im Winter nicht am Spieler-, sonder am Trainersektor. Oscar Garcia übernahm bei Red Bull Salzburg das Amt von Peter Zeidler und ließ sich in der Vorbereitung nicht in die Karten blicken. Nach zwei Pflichtspielen gibt es nun erste Erkenntnisse, die wir in diesem Artikel beleuchten wollen.

Obwohl die Salzburger den großen Glanz in den beiden Spielen gegen Admira und Sturm noch nicht versprühen konnten, wurden sie gewonnen. In einigen Szenen konnte man die Handschrift von Garcia dennoch erkennen. Manche Dinge haben sich stark, andere weniger stark geändert. Drei wesentliche Punkte haben wir uns herausgenommen.

Weiterhin hohes Pressing

Das Markenzeichen der roten Bullen in den letzten Jahren war ihr extremes Angriffspressing, das nach dem Abgang von Roger Schmidt jedoch zusehends schwächer bzw. unstrukturierter wurde. Obwohl die Aggressivität und Intensität äußerst hoch war, nahm die Stabilität ab. In den ersten beiden Spielen unter Garcia konnte man Verbesserungen erkennen. Eine besonders wichtige Rolle übernahmen dabei die Außenverteidiger, da ihre Aktionen gut auf jene der Offensivspieler abgestimmt werden mussten.

Diese agierten nämlich weiterhin stark ballorientiert, jedoch nicht so extrem wie es beispielweise unter Adi Hütter der Fall war. So waren die Räume hinter der ersten Pressinglinie nicht dermaßen offen, jedoch dennoch vorhanden. Je nach Situation attackierten die Außenverteidiger dann ebenfalls hoch oder rückten in die entstandenen Freiräume neben dem Sechser auf. Die Abläufe schienen naturgemäß noch nicht perfekt aufeinander abgestimmt, jedoch wirkte das Angriffspressing um einiges stabiler.

Probleme hatte man vielmehr eine Etappe tiefer. So kam Sturm hauptsächlich dann zu Chancen, wenn sie die erste Linie der Mozartstädter kontrolliert umspielen konnten. Auch das 1:1 in der Südstadt war ein passendes Beispiel für die noch nicht perfekte defensive Abstimmung auf der Zentralachse.

Veränderte Abläufe im Ballbesitzspiel

Den größten Unterschied, der bereits bei Garcias Antritt erwartet wurde, sah man im Ballbesitzspiel. In den beiden Spielen räumte er allerdings mit dem einen oder anderen Vorurteil gegenüber der „Cruyff-Schule“ auf. Das Ballbesitzspiel war nämlich keineswegs horizontal ausgelegt, sondern es wurde weiterhin in die Tiefe gespielt – jedoch kontrollierter und nicht in so absurd hoher Frequenz wie davor. Zudem wurde demonstriert, dass dieser Philosophiewechsel nicht mit einer Umstellung des Pressingverhaltens einhergeht – siehe oben. Hohes Angriffspressing und Ballbesitzfokus sind vereinbar, wie neben Garcia auch andere Trainer, zum Beispiel Pep Guardiola, zeigen.

Ein wesentlicher Unterschied zu den Spielen in den letzten Jahren war zudem, dass in den beiden Spielen unter Garcia das Geschehen stärker auf die Flügel verlagert wurde. Man suchte nicht den direkten Weg über die Halbräume in den Strafraum, was gerade unter Hütter extrem praktiziert. Die Abschlüsse waren vielmehr das Resultat von Pässen in den Rückraum, die nach Durchbrüchen über die Seite gespielt wurden. Die folgende Grafik verdeutlicht das.

Im letzten Angriffsdrittel agierte Salzburg sehr fluid und flexibel. Die Flügelspieler hielten je nach Situation die Breite, zogen zum Tor oder gaben spielerische Impulse. Im der Besetzung des Angriffs gab es in den beiden Spielen markante Unterschiede. Omer Damari fokussierte sich einmal mehr sehr stark auf die Gefahrenzone. Das brachte ihm zwar einen weiteren Scorerpunkt, unterstützte dadurch in ein paar Szenen nicht. Takumi Minamino agierte im Cup gegen Sturm gänzlich anders. Der Japaner brachte sich nicht nur kombinativ ein und unterstützte auf den Seiten, sondern zog vom Halbraum aus auch immer wieder gefährlich vors Tor.

Unkonventionelle Einbindung des Zehners

Die interessanteste Umstellung sah man im Mittelfeld, wo nur Valon Berisha zweimal von Beginn an spielte. Die Rollenverteilung war dennoch eine sehr ähnliche. Besonders die unkonventionelle Besetzung der Zehnerposition stach dabei ins Auge. Sowohl in der Südstadt als auch in Graz begannen mit Konrad Laimer bzw. Bernado zwei nominelle Defensivakteure. Möglicherweise wollte Garcia damit die Zentralachse auf eine ganz bestimmte Weise absichern.

Im Pressing agierten beide Youngsters außerordentlich stark und orientierten sich am spielmachenden Akteur des Gegners. Bei der Admira war dies Daniel Toth, bei Sturm Daniel Offenbacher – zwei strategisch starke Spieler, die für das Aufbauspiel ihrer Teams enorm wichtig sind. Durch den hohen Druck der Salzburger Sechser konnten sie sich jedoch selten nach vorne drehen.

Im Ballbesitzspiel hielten sich die beiden jedoch vergleichsweise zurück, unterstützten den Sechser oder positionierten sich so, dass sie eine passende Ausgangslage fürs Gegenpressing hatten. Probleme gab es aufgrund der individuellen spielerischen bzw. technischen Mängel der beiden vor allem im offensiven Umschaltspiel, wenn sie den Ball eroberten. Ein Problem, das sich jedoch kurzfristig nicht lösen löst. Möglicherweise sind die beiden aber auch nur Platzhalter bis Naby Keita, der in diese Rolle perfekt passen würde, wieder einsatzfähig ist.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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