Der Wolfsberger AC etablierte sich seit dem Aufstieg im Jahr 2012 in der österreichischen Bundesliga. Letzte Saison kämpfte man gegen den Abstieg, schaffte den... Transfers erklärt: Darum wechselten Daniel Offenbacher und Philipp Prosenik zum WAC

_Philipp Prosenik - SK Rapid WienDer Wolfsberger AC etablierte sich seit dem Aufstieg im Jahr 2012 in der österreichischen Bundesliga. Letzte Saison kämpfte man gegen den Abstieg, schaffte den Klassenerhalt letztlich mit einem gewissen Polster. Ob die Kärntner auch heuer in der Bundesliga bestehen können, wird davon abhängen wie gut die Neuzugänge passen werden.

Unter Didi Kühbauer konterte sich der WAC in der Saison 2014/2015 in den Europacup, doch schon bei der Admira konnte man erkennen, dass diese Strategie ein Ablaufdatum hat. So trennte man sich im letzten Winter vom Burgenländer und setzte mit Heimo Pfeifenberger neue Impulse. Mit Erfolg: Der 49-Jährige führte den Verein vom Tabellenende auf Platz sechs. Trotz dieser erfreulichen Entwicklung hatte der WAC einige Probleme, auf die man am Transfermarkt reagierte.

Der WAC hat: Spieler, die den Ball erobern

Im Frühjahr zählten die Lavanttaler punktemäßig zu den besten Teams der Liga. Mithilfe einfacher statischer Methoden konnte man auch sehr schnell ableiten, wie Pfeifenberger diese Trendwende erreichte. Die Effizienz im Defensivspiel war zwar weiterhin diskutabel, allerdings konnte man die Strafraumverteidigung wieder stabilisieren und im Umschaltspiel wurden die Abläufe wieder präziser. Beispielhaft für diesen Spielstil stehen Peter Tschernegg und Christoph Rabitsch, die beiden Sechser im 4-4-2-System. Nachstehend ihre Radargrafiken.

Man sieht: die Stärken der beiden liegen in denselben Bereichen. Verblüffend ähnlich sind zum Beispiel die Balleroberungszahlen. Beide Spieler verzeichneten letzte Saison pro 90 Minuten 3,3 Tackles und fingen 3,5 Bälle ab – in beiden Kategorien waren sie damit im Spitzenfeld der Liga. Die Anzahl an klärenden Aktionen zeigt zudem, dass sie auch nahe des Strafraums regelmäßig zu finden waren. Auf der anderen Seite erkennt man, wo die Probleme der beiden lagen: im Passspiel. Die langen Bälle kamen zwar relativ oft an, was ein gutes Umschaltspiel ermöglichte, aus dem Aufbauspiel heraus fehlten allerdings die zündenden Impulse.

Der WAC hat nicht: Spieler, die das Spiel strukturieren

An und für sich hatten die Wolfsberger mit Manuel Seidl einen durchaus passenden Spieler für diese Rolle im Kader, dieser konnte allerdings nie konstant sein Potenzial beweisen und wechselte nach zwei Jahren wieder zurück zum SV Mattersburg. Als Ersatz holten die Kärntner Daniel Offenbacher vom SK Sturm Graz.

Bei den Steirern genoss Offenbacher keinen allzu guten Ruf. Die Fans machten immer wieder ihn als Grund für das schlechte Aufbau- und Kombinationsspiel sowie die Anfälligkeit in der Defensive aus. Nach dem personellen Aderlass im Winter musste er eine tragende Rolle im Mittelfeldzentrum einnehmen, die er in den Augen vieler nicht zufriedenstellend ausfüllte. Oft übersehen wird dabei jedoch, dass Sturm große gruppentaktische Probleme hatte, bei denen gerade Spieler im Zentrum naturgemäß schlecht aussehen.

Beim WAC kann Offenbacher nun zeigen, was wirklich in ihm steckt. Er dürfte nicht nur die Lücke auffüllen, die Seidls Abgang hinterließ, sondern könnte ein Upgrade sein und wird wohl eine sehr wichtige Rolle einnehmen. Sieht man sich die Daten des 24-Jährigen an, dann erkennt man, dass er genau jene Elemente mitbringt, die dem Spiel des WAC fehlten.

Offenbacher zählte letzte Saison zu den besten Einfädlern der Liga und kann auf ein breitgefächertes Repertoire im Passspiel zurückgreifen, mit dem er das Spiel seines Teams strukturieren kann. Er spielt nicht zu sehr in die Breite, sondern streut immer wieder beschleunigende Pässe in die Tiefe bzw. präzise Diagonalbälle. Seine Passquote bei langen Bällen gehörte im Vergleich mit den anderen defensiven Mittelfeldspielern der Liga zu den besten. Die fehlenden Balleroberungen müsste jedoch sein Nebenmann auffangen. Auch eine Variante mit zwei defensivstarken Sechsern und ihm versetzt davor wäre grundsätzlich denkbar.

Der WAC verliert: Einen physisch starken Zuarbeiter

Einen empfindlichen Abgang musste der WAC in diesem Sommer auch verdauen, denn mit Issiaka Ouedraogo verliert man den besten Torschützen der letzten Saison. Der 27-Jährige passte sehr gut zur Spielidee von Pfeifenberger, was sich auch in seiner Ausbeute zeigt. Von seinen 12 Scorerpunkten (9 Tore/3 Vorlagen) lieferte er sieben in der Ära des Salzburgers ab. Entscheidender war allerdings die Spielweise des Stürmers, die sich ebenfalls in seiner Radargrafik widerspiegelt.

Ouedraogo ist ein schneller und athletisch sehr starker Angreifer, der sich sehr viel bewegt und eigentlich besser in der Rolle des Zuarbeiters aufgehoben ist. So spielte er, obwohl er technisch keinesfalls überaus stark ist, überdurchschnittlich viele Pässe und schoss durchschnittlich auch nur alle rund 56 Minuten auf das gegnerische Tor. Dafür kommt er auf eine solide Anzahl an Balleroberungen. Insgesamt sind das zwar keine überaus spektakulären Zahlen, im Großen und Ganzen spiegelt das aber eben genau den Stil des WAC wider.

Der WAC bekommt: Einen physisch starken Zuarbeiter

Interessant ist wie die Verantwortlichen auf den Abgang ihres Torjägers reagierten. Sie liehen nämlich Philipp Prosenik vom SK Rapid Wien für ein Jahr aus. Wie Offenbacher war auch er bei den Fans seines Ex-Klubs regelmäßiger Kritik ausgesetzt. Dabei wurde jedoch meist außer Acht gelassen, dass die Rolle des Solostürmers bei den Hüttlerdorfern unter Zoran Barisic äußerst komplex war. Die Abläufe beim WAC dürften gerade im Ballbesitzspiel deutlich einfacher sein, sodass Prosenik durchaus passen könnte. Gerade ein Vergleich seiner Leistungsdaten mit jenen von Ouedraogo lässt darauf schließen, dass der WAC diesen Transfer sorgfältig abwog.

Proseniks Profil ähnelt jenem von Ouedraogo auf den ersten Blick erstaunlich stark. Auch der 23-jährige Österreicher ist trotz seiner starken Physis kein Stürmer, der nur im Angriffszentrum auf die Bälle wartet, sondern versucht, sich aktiv in das Kombinationsspiel einzubringen. Die Anzahl an Torschussbeteiligungen pro 90 Minuten ist gleich, bei den Scorerpunkten schneidet Prosenik sogar marginal besser ab. Allerdings eroberte er in der letzten Saison im Schnitt weniger als die Hälfte der Bälle – ein Punkt, den er verbessern muss, will er nach zwei Jahren als Rotationsspieler endlich Stammspieler in der Bundesliga werden.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem