Da begann es schon wieder zu rumoren rund um den SK Rapid. Wenige Tage vor dem Pflichtspielauftakt gab es noch immer keinen Ersatz für... Well played, Zoki!

Da begann es schon wieder zu rumoren rund um den SK Rapid. Wenige Tage vor dem Pflichtspielauftakt gab es noch immer keinen Ersatz für den schwerwiegendsten Abgang Boli Bolingoli – und von Zoran Barisic hörte man keinen Mucks. Und plötzlich machte der Rapid-Sportchef Maximilian Ullmann vom LASK zu seinem ersten, alleinigen Rapid-Transfer. Still und leise. Um 600.000 Euro…

Nach dem linken Flügelverteidiger Ullmann riefen eigentlich internationale Klubs. Hertha BSC war an einer Verpflichtung des bisherigen U21-Teamspielers interessiert, etwas früher waren auch die Young Boys Bern am beidbeinigen Flügelläufer dran. Auch Marco Rose betonte, dass Ullmann ein potentieller Red-Bull-Salzburg-Spieler werden könnte (der allerdings nicht an Andreas Ulmer vorbeigekommen wäre). Am Ende entschied sich Ullmann aber für einen Wechsel nach Hütteldorf, was selbst in Wien einige Beobachter verblüffte.

„Den kriegen wir nicht“

Die Diskussionen unter den Rapid-Fans wurden in den letzten Wochen hitziger. Einige forderten Geduld ein, andere – die Mehrheit – fragte bereits laut, wieso es noch immer keinen Ersatz für den zu Celtic abgewanderten Bolingoli gibt, wo doch nächste Woche schon Red Bull Salzburg zum Ligaauftakt nach Hütteldorf kommt. Ullmann geisterte immer wieder durch die Diskussionen, aber das Echo der Fans war stets dasselbe: „Den kriegen wir nicht.“

Gruber vs. Rapid

Diese Vermutung hatte einen Hintergrund: LASK-Präsident Siegmund Gruber spuckt seit der Diskussion um die Adaptierung des TV-Vertrags Gift und Galle gegen Rapid. Freunde werden die Vereinsführungen der beiden Großklubs keine mehr, aber beim LASK-Chef spielt bestimmt auch ein wenig strategisches Kalkül hinein. Eine klare Positionierung gegen Rapid ist gut für das Selbstverständnis des Klubs, kommt öffentlich gut an, schärft den „gallisches Dorf“-Charakter.

LASK wollte nicht innerhalb Österreichs verkaufen

Zugleich wurde vonseiten des LASK aber auch klar betont, dass man keine Leistungsträger an Ligakonkurrenten verkaufen würde. Joao Victor wechselte bereits nach Wolfsburg, Thomas Goiginger hatte ein Angebot aus Southampton, bevor sein Schambein zu zwicken begann. Ullmann wurde vom LASK vorzeitig ersetzt: Renner und Schnegg wurden verpflichtet, weil der Abgang des Juniorenteamspielers ins Ausland vermutet wurde. Und dann wurde es ausgerechnet Rapid. Jener verfeindete Klub, dem man derzeit wohl am allerwenigsten einen Leistungsträger geben wollte…

Schnäppchen für eine Schlüsselposition

Zoran Barisic hat alles richtig gemacht. Der neue Rapid-Sportchef hat die Ruhe bewahrt und ließ sich von außen nicht stressen. Dass Ullmanns Vertrag beim LASK eine Ausstiegsklausel beinhaltete, wurde eigentlich erst breit öffentlich zum Thema, als der Transfer bereits so gut wie fix war. Inklusive Ausbildungsentschädigung wird Ullmann die Hütteldorfer zwischen 700.000 und 900.000 Euro kosten.

Ein Blick sagt mehr…

Donnerstagabend veröffentlichte Rapid das erste Foto von Ullmann mit Barisic und dem neuen Rapid-Trikot. Das Zeichen dafür, dass der Transfer fix und Ullmann Rapid-Spieler ist. Zoran Barisic‘ Gesichtsausdruck spricht Bände: Wie nach einer gewonnenen Pokerpartie, in der ihm niemand in die Karten schauen konnte, scheint er mit einem verschmitzten „da schaut’s aber!“ in die Kamera zu lächeln. Ein Lächeln ist es nicht mal wirklich – eher eine Mischung aus Erleichterung, ein bisschen Stolz und angesichts der Begleitumstände des pikanten Transfers auch Genugtuung. Nach dem Motto: „Die Aktion hat Spaß gemacht.“

Die Karten gut verdeckt

Ullmann selbst betonte, dass das Bemühen Barisic‘ der Hauptgrund für den Wechsel nach Wien war. Der Transfer ist also ein gutes Beispielbild dafür, wie Barisic wohl auch in Zukunft arbeiten wird. Sehr ruhig, die Karten verdeckt auf dem Tisch. Für die Öffentlichkeit wird dies viel Spielraum für Spekulationen bieten und da und dort wird man schon mal nervös werden. Dies scheint aber speziell in der momentanen Lage wesentlich besser, als die Veröffentlichungen regelmäßiger Wasserstandsmeldungen, die am Ende vielleicht nicht halten. Bei der Suche nach dem zweiten Stürmer wird sich dies nicht anders gestalten.

Ein „typischer Rapid-Spieler“ bringt Barisic ersten Bonus

Klar ist, dass sich Barisic mit der Verpflichtung von Ullmann in der Rapid-Öffentlichkeit einen ersten Bonus verschafft hat, denn der 23-Jährige passt perfekt ins Profil. Zwar ist der Linzer kein so kompletter Fußballer wie sein Vorgänger Bolingoli, dafür aber einer, der dafür steht, was sich die Fans von einem Rapid-Spieler erwarten. Unermüdlicher Einsatz, Dauerläufe, Dynamik und Härte im Zweikampf.

Anderer Typ als Bolingoli

Gerade die große Laufstärke ist für seine Rolle im 3-5-2 Rapids von wichtiger Bedeutung. Bolingoli hatte schon in der Viererkette immer wieder mit defensiven Schwächen zu kämpfen. Zwar wäre der Belgier im 3-5-2 die offensive Idealbesetzung gewesen, das erhöhte Laufpensum hätte dennoch zum Problem werden können. Mit Ullmann wählt man hier einen pragmatischeren Zugang mit weniger Spektakel, dafür mehr Geradlinigkeit. Ullmann kam für den LASK in der Bundesliga übrigens auf neun Tore und zwei Assists, während Bolingoli in der Liga drei Tore und neun Assists beisteuerte – jeweils innerhalb von zwei Jahren.

Erst im U21-Team zur Fixgröße geworden

Interessant ist auch, dass Ullmann in den jüngeren Nachwuchsauswahlen des ÖFB keine große Rolle spielte. In der U17 und U19 kam er nur sporadisch zu Einsätzen – erst in der U21 wurde er weitgehend zum Fixstarter, als er bereits Bundesligaspieler war. Mit dem zuletzt sehr starken Jahrgang nahm er mit Legionären wie Posch, Danso, Lienhart und Wolf an der U21-EM teil, spielte beim 2:0-Auftaktsieg gegen Serbien eine bärenstarke Partie. Nun fiel der Oberösterreicher aus dem Altersraster – das nächste Ziel muss somit das A-Nationalteam sein, was allerdings auf dieser Position ein mehr als großer Schritt wäre.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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