Bis zur Winterpause 2007/2008 kannte kaum jemand in Österreich Stefan Maierhofer. Der Lange machte sich aber innerhalb kürzester Zeit einen Namen, als er mit... Anekdote zum Sonntag (88) – Bananenflanke

Bis zur Winterpause 2007/2008 kannte kaum jemand in Österreich Stefan Maierhofer. Der Lange machte sich aber innerhalb kürzester Zeit einen Namen, als er mit Rapid Wien im Frühjahr zielsicher auf den Meistertitel zusteuerte. Alles lief perfekt: Der 202 cm große Stürmer setzte zunächst als Joker die wichtigen Nadelstiche und sorgte für grün-weiße Glücksgefühle.

Abseits des Platzes beherrschte der Niederösterreicher das Spiel mit den Medien bravourös. Jedem Mikrofon begegnete er souverän und plauderte gern Privates aus. So war es kein Zufall, dass der gelernte Koch in einem Video des Nationalteamsponsors aus seinen kulinarischen Vorlieben keinen Hehl machte: „Ich lasse mich gerne von meiner Mutter bekochen. Natürlich gerne Bananenschnitte oder ein gutes Cordon Bleu.“ Familie Maierhofer betrieb damals das Gasthaus Hochramalpe in Gablitz, durch das Stefan als wohlerzogener Sohn nun die TV-Kameras führte und so die Werbetrommel rührte. In den EM-Kader des Nationalteam schaffte es der Sturmtank damals übrigens nicht: Trotz seiner großartigen Bilanz (elf Spiele, sieben Tore), seinem entscheidenden Auftritt im Frühjahrsderby und seiner Hauptrolle beim 7:0-Sieg in Salzburg strich ihn Hickersberger nach dem letzten Lehrgang gemeinsam mit Kuljic und Janko von der Liste.

Jede Mutter sorgt sich, dass ihr Kind nicht genügend zu essen bekommt. Die Wirtin Maierhofer hatte ihren 25-jährigen Sohn nach Jahren wieder daheim und wachte so über seine Verpflegung. Damit der Junior auch auswärts genügend zu schnabulieren hatte, steckte sie Stefan regelmäßig hausgemachte Mehlspeisen zu. Während der Lange Steffen Hofmanns älteste Tochter mit Schokoriegeln versorgte, naschten seine Mitspieler vom Maierhoferschen Backwerk. Oft kam die damalige Nummer 9 mit Torten und Kuchen in die Kabine und erntete dankbare Blicke seiner Kollegen. Sturmpartner Hoffer, dessen Audi-Kofferraum einem fahrenden Zuckerlgeschäft glich, war nicht der Einzige, der von den Spezialitäten schwärmte.

So war es kein Zufall, dass Maierhofer auch zu Ostern 2008 den Mannschaftsbus Richtung Wals-Siezenheim mit einem Paket der besonderen Art bestieg. Das Meisterschaftsentscheidungsspiel stand an und zu diesem Festtag hatte Mama Maierhofer ihre köstlichen Bananenschnitten gezaubert. Das Match sollte der Knackpunkt der Saison und das Einbiegen auf die Meisterstrasse für den SK Rapid werden. Heute ist es lustig zu hören, wie der ORF-Kommentator vor dem Anpfiff über mögliche Spielausgänge orakelte: „Rapid könnte mit einem überraschenden Sieg die Tabellenführung erkämpfen.“ 7:0 demütigten die Wiener an diesem Tag den großen Favoriten. Trainer Trapattoni warf einigen seiner Spieler vor, sie hätten nicht genügend Engagement gezeigt, da ihr Abschied vom Verein sowieso bereits beschlossen war. Tatsächlich waren es kapitale Aussetzer in der Defensive, die den Grün-Weißen ungeahnte Räume eröffneten. Stefan Maierhofer stand an diesem Sonntag zum ersten Mal gemeinsam mit Erwin Hoffer in der Startaufstellung und hatte nach Spielende eine einfache Erklärung für den Rapidsieg: „Ich glaube, bei Salzburg war gar nichts falsch. Die haben auch versucht Fußball zu spielen.“

Den Druiden-Zaubertrank für diesen Nachmittag verdankte das Team jedenfalls seiner Mutter. Als sich das Rapid-Gefährt vor dem Hanappi-Stadion in Bewegung setzte, ließ Maierhofer das Tablett mit den Bananenschnitten herumgehen. „Wir waren nicht einmal noch auf der Autobahn, da hatten die Burschen mein Tablett schon leer gegessen.“, scherzte er nachher. Er selbst ergatterte gerade noch einen letzten Anschnitt. Die Mischung aus Obst, Creme, Schokoüberzug und luftigem Biskuit schmeckte den Spielern und füllte ihre Kraftreserven auf. So fegte der grün-weiße Sturm über die Mozartstädter hinweg. Klarerweise wurde dem Gablitzer prompt aufgetragen, er habe jetzt vor jeder Partie ein Blech Kuchen mitzunehmen. Oder wie man auf Neu-Deutsch sagt: Never change a winning recipe – äh, team.

Marie Samstag, abseits.at   

Marie Samstag

Keine Kommentare bisher.

Sei der/die Erste mit einem Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.