Blau Weiß Linz gewinnt das erste Derby in dieser Saison nach drei Unentschieden. Luis Henrique hatte den LASK in Führung gebracht (25.), doch Manuel... Clevere Blau Weiße schlagen den LASK im vierten Saisonderby mit 2:1 (1:1)

Blau Weiß Linz gewinnt das erste Derby in dieser Saison nach drei Unentschieden. Luis Henrique hatte den LASK in Führung gebracht (25.), doch Manuel Hartl konnte noch vor dem Pausentee ausgleichen (44.). Nach dem Wechsel blieb die Partie schwungvoll, David Poljanec sicherte mit seinem 16. Saisontor den Sieg im Stadtduell (76.)

Weil der ORF lieber die letzten sieben Minuten des 7:3 des Nationalteams gegen Großbritannien im Eishockey bei der B-WM zeigen wollte, gab es von den Anfangsminuten leider keine offiziellen Live-Bilder. Die etatmäßige Schiedsrichterin Tanja Schett konnte das Spiel nicht leiten, statt ihr sprang Robert Schörgenhofer ein – und er war ein guter Spielleiter. Die Voraussetzungen waren bei den Athletikern denkbar schlecht. Gleich neun verletzte Spieler und drei gesperrte musste Walter Schachner vorgeben, das Auswechselkontingent beschränkte sich auf vier Mann. So ergab es sich auch, dass der LASK einen Startelfaltersschnitt von 23,7 Jahren aufwies – trotz Thomas Mandl (33), Rene Aufhauser (35) und Harald Unverdorben (31). Der ehemalige Meistertrainer vertraute auf „sein“ 4-4-2 mit Luiz Henrique, der erst in der Früh geheiratet hatte, als Spielmacher und Rafinha und Silvio Junior als seine kreativen Kollegen. Thomas Weissenböck musste Kapitän und Regisseur Konstantin Wawra vorgeben und vertraute weiterhin auf Simon Piesinger als Sechser.

Gefälliges Spiel in Durchgang eins, Vorteil LASK

Die erste große Chance fand Harald Unverdorben in der sechsten Minute vor. Silvio Junior und Rafinha hatten den gebürtigen Oberösterreicher nach schönem Kombinationsspiel gut eingesetzt, sein Schuss ging aber knapp am langen Eck vorbei. Danach verebbte das Spiel ein bisschen, war an großen Höhepunkten arm, wusste aber grundsätzlich zu gefallen. Beide Teams versuchten, schnell und zügig vor das Tor des Gegners zu kommen. Und dann passierte es: Rafinha mit der Flanke an die Strafraumgrenze, Luiz Henrique sah Leonhard Kaufmann links neben ihm, völlig alleine. Dieser scheiterte an David Wimleitner, den Nachschuss versenkte dann aber der frisch verheiratete Brasilianer zum 1:0 (25.). Damit war der LASK aufgewacht und war bemüht, den Vorwärtsgang einzulegen. Blau Weiß war ohne Spielmacher Konstantin Wawra zu ungeordnet in den Angriffen. Philipp Huspek über links und der junge Thomas Höltschl versuchten dem Spiel eine Linie zu geben. In der 40. Minute war die Abwehr um Rene Aufhauser und dem jungen Sebastian Wimmer indisponiert und nach einer Flanke von der linken Seite musste Thomas Mandl Svetozar Nikolov den Ball vom Fuß stibitzen. Die „Hausherren“ waren um Kontrolle bemüht, das klappte aber nur kurzfristig. In der 44. Minute wurde der Spielverlauf dann nämlich mehr oder weniger auf den Kopf gestellt. Eine Freistoßflanke aus dem Halbfeld konnte nicht weggebracht werden, in der Abwehr herrschte Verwirrung. Manuel Hartl erwischte den Rebound eines abgeblockten Schusses und ließ Mandl keine Chance.

Weiterhin gefällig, Vorteil Blau Weiß

Zwei Minuten nach Wiederanpfiff setzte sich Daniel Poljanec nach tollem Pass von Höltschl durch, wollte dann auf Hartl abspielen, sein Pass wurde aber geblockt. Wie in der ersten Halbzeit wogte das Spiel gefällig hin und her, die gute Stimmung von den Rängen übertrug sich wohl auf den Rasen, aber nicht ganz bis in die jeweiligen Sechzehner. Gute zehn Minuten später war dann endlich wieder Großalarm vor einem Tor. Ein zufälliger Abpraller eines Distanzschusses landete vor den Füßen von Kaufmann, der eigentlich gerade aus dem Abseits raus trabte. „Onside“ stehend nahm er den Ball an, doch die Störung durch Wolfgang Bubenik verhinderte die Führung, der Ball strich über das Gebälk. Das war der Auftakt zu einer Phase, in welcher der LASK nach dem unglücklichen Gegentor wieder das Kommando übernahm. In der 66. Minute musste Wimleitner eingreifen, da ihn Henrique aus einem Freistoß aus großer Distanz prüfte. Blau-Weiß wollte dem Stadtrivalen die Suppe aber versalzen, kämpfte sich in der Folge in das Spiel zurück. Zunächst prüfte Poljanec Mandl nach gutem Solo (72.) Nach den ersten Wechseln, die spät stattfanden – Wawra ersetzte Höltschl, Templ beim LASK Rafinha – ging es hin und her, die Gäste hatten nun leichte Vorteile. Es war Poljanec, der in der 76. Minute von Nikolov mit einem Lob perfekt eingesetzt wurde, der Abwehr auf und davon lief und das 2:1 erzielte. Dies war das 16. Saisontor des 26-jährigen Slowenen. Der LASK drückte zwar auf den Ausgleich, dieser gelang aber nicht mehr.

Saisonziel erreicht

Den Spielern der siegreichen Mannschaft war am Freitag im Duell mit Austria Lustenau die Nervosität anzusehen. Die als Saisonziel ausgegebenen 40 Punkte wurden gestern erreicht. Noch dazu zeigte die Elf von Thomas Weissenböck nun wieder, zumindest in Ansätzen, dass sie die Anforderungen des modernen Fußballs beherrscht. Das Spiel der Blau-Weißen, welches auf das Kollektiv setzt, funktioniert im Großen und Ganzen. Flaches Passspiel, gefährliche Standards und Pressing waren die ausschlaggebenden Punkte in diesem Derby. Der gute Herbst konnte in einigen Spielen im Frühjahr schon bestätigt werden. Ausschlaggebend und die Abwehr zermürbend waren die in der zweiten Halbzeit praktizierten Pässe in die Tiefe. Das Aufrücken des Gegners durch Pressing zu stören und selber flott vorzukommen, ist eine Taktik, die gegen individuell stärkere Kontrahenten aufgehen kann.

Aufstieg in weiter Ferne

Der LASK verspielte just im wichtigsten Spiel der Saison die wohl letzte Chance auf eine sofortige Wiederkehr in die höchste Spielklasse. Selbst bei einer Niederlage von Spitzenreiter WAC/St. Andrä scheinen sieben Punkte Rückstand in sechs Runden schwer aufholbar. In Altach wartet ein Team mit neuem Coach und der dazu gehörigen Motivation. Dann folgen die schweren Spiele bei den Abstiegskandidaten Vienna und Hartberg, sowie die seit November ungeschlagene Lustenauer Austria. Die Gründe für das Scheitern der Mission „Wiederaufstieg“ stehen aber nicht zu neunt auf der Verletztenliste. Während die Teams vor und unmittelbar hinter dem LASK weitgehend auf ein gutes Kollektiv setzen, ist das statische 4-4-2 von Walter Schachner zu sehr von den Einzelspielern abhängig. Die Brasilianer Luiz Henrique, Silvio Junior und Rafinha haben im eins-gegen-eins ihre unbestrittenen Qualitäten, sind diese aber dann irgendwann müde, schlägt der Gegner zu oder neutralisiert das Spiel. Das ist vor allem gegen Teams, die hinter den Linzern liegen augenscheinlich. Beim 1:1 gegen Hartberg (Dober, 76.), beim 1:1 gegen Grödig (Viana, 97.), beim 1:1 gegen den FC Lustenau (Haselberger, 90.) und gestern erneut. Irgendwann ist der Akku der Dribbler leer und den Oldies Aufhauser, Aigner oder Unverdorben fehlt dann auch die Puste, um am Ende konzentriert zu bleiben.

Blau-Weiß zeigt, wie es geht

Dabei müssten die Schwarz-Weißen nur zu den Blau-Weißen schauen. Ein guter Mix fitter, älterer Spieler und junger, hungriger schafft mit kleinen Mitteln das, was der „große“ LASK derzeit zu bewerkstelligen im Stande ist – ein Platz im Mittelfeld. Von der individuellen Klasse her ist der Bundesligaabsteiger klar über den Regionalligaaufsteiger zu stellen. Doch Weissenböck hat taktische Ideen und eine körperlich präsente Mannschaft, die sich im Rahmen der Möglichkeiten toll präsentiert. Beim Stadtrivalen sind die Standards offensiv oft wenig gefährlich und die Vorgaben würden ein höheres Maß an Kondition erfordern. Diese Dinge liegen beim Trainer und nur beim Trainer.

Insgesamt sahen die 6.200 Zuseher auf der Linzer Gugl ein faires, flottes Derby, das die cleverere Mannschaft für sich entscheiden konnte. Der LASK ist gut beraten, heute schon an Morgen zu denken und die strukturellen und Team-bezogenen Lehren aus dieser Spielzeit zu ziehen. Das Gute liegt so nah.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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