Spanien und Italien führten in den letzten Monaten einen Umbruch in ihren Kadern durch, die Tage von Pirlo, Xavi und Co sind vorbei, für... Analyse: Italien und Spanien trennen sich 1:1

Italien - Flagge_abseits.atSpanien und Italien führten in den letzten Monaten einen Umbruch in ihren Kadern durch, die Tage von Pirlo, Xavi und Co sind vorbei, für die EM wird spätestens jetzt die ideale Aufstellung gesucht. Das Testspiel zwischen den beiden Mannschaften war eine ideale Probe für beide Teams, trotz einiger weniger Ausfälle auf beiden Seiten.

Italiens starkes Pressing, Spanien mit Probleme im Aufbau

Die Spanier formierten sich im höheren Mittelfeldpressing in einem asymmetrisch nach links geneigten 4-1-4-1 und versuchte die Italiener auf die Seiten zu leiten. Die Italiener  traten in einem 3-4-3 an, was vor allem im Ballbesitz zwecks Zirkulation ideale Staffelungen geben kann. Mit flachem, kontinuierlichen Spielaufbau wollten die Hausherren den Ball nach vor tragen, Spanien hatte jedoch Übergewicht im Zentrum, was es für die Hausherren nicht einfach machte sich in die Formation des Gegners zu spielen. So musste man in den Anfangsminuten nach den ersten paar flachen Pässen dennoch zum hohen Ball greifen, wofür man mit Pellé jedoch einen physisch starken Zielspieler hatte. Ziel war es durch Motta und Parolo nach vorne zu kommen, diese hatten aber selten den Raum um penetrierende Pässe spielen zu können, das Pressing der Gäste versperrte den Weg in den Zwischenlinienraum. So konnten die beiden Sechser meist nur Verlagerungen spielen, die in den Anfangsminuten aber kaum Raumgewinn einbrachten. Nach diesen Verlagerungen wurde meist wieder die Mitte gesucht, worauf die Spanier jedoch warteten und zwei Mal nach etwas ungenauen Ablagen von Florenzi den Ball gewinnen und einen Konter fahren konnten. Diese Ablagen wurden dann aber technisch besser ausgeführt, sodass sie besser funktionierten und auch vermehrt fokussiert wurden, um das starke ballorientierte Verschieben der Spanier auszuhebeln. Die Männer Antonio Contes suchten nun mehr Durchbrüche über die Flügel um anschließend Flanken für die im Strafraum starken Eder und Pellé zu schlagen. Die Gastgeber erhöhten den Druck, das Gegenpressing war intensiv und funktionierte auch im Kollektiv ideal, sodass man immer wieder vor allem über Candreva, Florenzi und Darmian gefährliche Situationen herausspielen konnte.

Die Spanier brauchten etwas, um ins Spiel zu kommen und ergriffen erst ab Minute zehn die Initiative. Im Mittelfeld war der Ballvortrag auf mehrere Schultern verteilt, auch weil Busquets fehlte. Nicht nur Sechser San José aus Bilbao wurde fokussiert, auch Fàbregas und Thiago kippten immer wieder seitlich ab und erlaubten den Außenverteidigern so eine hohe Position im Spielaufbau. Die Italiener erledigten ihre defensiven Aufgaben jedoch ähnlich konsequent wie die Gäste, im 5-4-1/5-3-2 fanden die Spanier anfangs nur wenig Raum, sodass auch sie einige Male direkt den Weg nach vorne suchten, wo man mit Aduriz und den situativ einrückenden Morata von links ebenfalls ideale Spielertypen zum Verarbeiten dieser Pässe hat. Man fand nur sehr schwer in den Zwischenlinienraum, und durch den erhöhten Druck Italien unterliefen auch Ramos ein, zwei Fehler im Aufbau, die immer wieder leichte Ballgewinne für die Gastgeber bedeuteten.  Die Mannorientierungen der Azurri im Mittelfeldzentrum machten den Spaniern zu schaffen, sodass die Ballzirkulation oft nach hinten gedrängt wurde. Die noch am stärksten agierende Seite war die linke, wo Thiago ab und an mit kurzen Dribblings oder Mitnahmen enge Situationen auflösen konnte, sich deutlich mehr bewegte als seine Nebenmänner im Zentrum und auch Morata durch kluge Freilaufbewegungen im Zwischenlinienraum immer wieder an den Ball kam, diesen durch seine Technik und Physis gut halten und anschließend oft öffnende Pässe spielen konnte.

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Italien versperrt den Spaniern den Weg in die Mitte

Verbesserung im spanischen Aufbau gegen schnelle italienische Konter

In Halbzeit zwei spielte Morata etwas zentraler gemeinsam mit Aduriz, was den Spaniern mehr Anspielstationen im letzten Drittel bringen sollte. Nach einer auf beiden Seiten von vielen Fehlern geprägte Anfangsphase des zweiten Durchgangs pendelte man sich etwas ein, die Spanier konnten ohne den fehleranfälligen Mata, für den Koke ins Spiel gekommen war, deutlich besser und länger den Ball halten, die Italiener hingegen taten sich schwer ähnlich guten Zugriff wie in der ersten Halbzeit zu generieren. Durch viele kurze Überladungen auf den Seiten und den Halbräumen konnte man deutlich sauberer nach vorne spielen als noch zuvor. Durch die besseren Staffelungen im Ballbesitz war nun das Gegenpressing ebenfalls effektiver und die Italiener konnten nur einige wenige Konter fahren. Diese waren jedoch sehr gefährlich, Bonucci konnte ein, zwei Mal mit einem weiten Ball gute Torsituationen einleiten, auch die Antizipation der italienischen Offensivspieler für einen Ballgewinn war passend. Mit der Einwechslung von Insigne für den unsichtbaren Eder kam deutlich mehr Tempo ins Spiel, was in Minute 67 auch genutzt wurde. Der Spieler des SSC Napoli erzielte nach einem Stanglpass von Bernardeschi, für den er vorher selbst Raum geschaffen hatte, das 1:0.

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Insignes Lauf schafft Raum für den Passweg

Nur wenige Minuten später erzielte Morata jedoch im Nachschuss nach einem Kopfball nach Freistoßflanke von Fàbregas das 1:1. Silva kam nun für Aduriz und machte das Ballbesitzspieler deutlich flexibler in der Spitze. Das Bild der Partie änderte sich jedoch nur minimal, Spanien war weiterhin dominanter, Italien verlegte sich aufs Kontern, beide Mannschaften konnten jedoch kein Tor mehr erzielen, obwohl die eine oder andere Chance durchaus noch da war.

Fazit

Natürlich wurde auf beiden Seiten einiges probiert. Auffallend war jedoch auf der einen Seite die Flexibilität, die Morata ins Angriffsspiel der Spanier bringt. Er ist nicht nur in individuellen Aktionen stark, sondern kann sich auch sehr gut ins Passspiel einbinden. Aber auch als Zielspieler für weite Bälle oder Flanken ist er geeignet. Er könnte die Rolle, die vor zwei Jahren noch Diego Costa zugeteilt wurde, übernehmen und diese Arbeit vielleicht auch besser verrichten. Die Italiener zeigten einmal mehr, wie flexibel sie in ihren Formationen sein können und spielten ihr 3-4-3 ohne große Probleme, vor allem im ersten Durchgang war das Pressing hervorragend und das Spiel über die Flügel funktionierte ebenfalls gut. In Halbzeit zwei hatte man gegen die passsicherer gewordenen Spanier etwas Probleme, dafür beeindruckte die Geschwindigkeit der Konter, Zaza und vor allem Insigne zeigten sich als ideale Spieler für diese Strategie der Italiener.

David Goigitzer, abseits.at

David Goigitzer

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