Neben der heimischen tipico-Bundesliga und der deutschen Eliteliga ist wohl keine Spielklasse für Marcel Koller derart interessant wie die 2. deutsche Bundesliga. Schließlich tummeln... Die Verlierer der Hinrunde der 2. deutschen Bundesliga

TSV 1860 München LogoNeben der heimischen tipico-Bundesliga und der deutschen Eliteliga ist wohl keine Spielklasse für Marcel Koller derart interessant wie die 2. deutsche Bundesliga. Schließlich tummeln sich dort in zahlreichen Klubs (potentielle) Nationalteamakteure, denen es genau auf die Beine zu schauen gilt. Auch in der 41. Saison reißt der Boom rund um die Liga nicht ab, die extrem ausgeprägte Ausgeglichenheit verleiht der 2. deutschen Bundesliga ihren Reiz. Nun ist die Liga in der wohlverdienten Winterpause, es ist an der Zeit ein erstes Resümee zu ziehen. Deshalb beleuchteten wir in zwei Teilen unsere persönlichen Gewinner und Verlierer der Hinrunde.

Rubin Okotie einziger Lichtblick bei 1860 München

Betrachtet man Rubin Okoties ganz persönliche Situation, kommt man zum Schluss, dass sie besser wohl kaum sein könnte. Mit wirklich sehr guten Leistungen kämpfte sich der mittlerweile 27-jährige Angreifer nicht nur – entgegen aller Vorzeichen – wieder zurück ins ÖFB-Team, er ist mit mittlerweile zwölf Volltreffern mit Fug und Recht als Lebensversicherung der „Löwen“ zu bezeichnen. Mit starken Leistungen in Dänemarks höchster Spielklasse machte der Ex-Austrianer auf sich aufmerksam. Seine Verpflichtung ist den Fans wohl als eine der wenigen positiven Entwicklungen aus der Moniz-Ära in Erinnerung geblieben. Die Situation seines Klubs sieht weitaus trister aus.

Das Engagement des streitbaren Niederländers läutete den Anfang vom Ende der Aufstiegsambitionen ein, die vollmundigen Ankündigungen des neuen Coaches taten ihr übriges dazu, ein Team, das vor Saisonbeginn einen großen Umbruch zu verkraften hatte (zehn Neuzugängen standen zehn Abgänge gegenüber), von Beginn weg enorm unter Druck zu setzen. Der Auftakt am Betzenberg verlief äußerst unglücklich, in Überzahl konnte eine 2:0-Führung nicht ins Trockene gebracht werden. Das Unheil nahm seinen verhängnisvollen Lauf, die obligatorische Unruhe kam in Giesing traditionell schnell auf. Dass man gegen Aufsteiger RB Leipzig im eigenen Stadion sang-und klanglos mit 0:3 unterging und dabei eine spielerisch katastrophale Darbietung auf den Rasen brachte, machte den Fehlstart früh perfekt. Die Probleme lagen tiefer, dies offenbarten neben den unzureichenden Ergebnissen vor allem die gebotenen Leistungen. Dazu gesellten sich noch einige disziplinäre Verfehlungen, die für Aufsehen und mächtig Trubel sorgten.

Ein markantes Problem der „Sechziger“ war mit Sicherheit, dass Akteure, die als Leistungsträger vorgesehen waren, völlig aus ließen, und lange Zeit nicht zu ihrer Form fanden. Die von Barcelona B und Real Valladolid geholten Ilie Sanchez und Valdet Rama konnten nicht wie erhofft die Führungsrollen übernehmen und überzeugten nur selten. Die Spanier Edu Bedia und Rodri mussten sich schon früh mit langwierigen Verletzungen herumschlagen, vor allem Letzterer, der neben Okotie als zweiter Stürmer zum Zug kommen sollte, wurde schmerzlich vermisst. Aber auch vermeintliche Leistungsträger wie Daniel Adlung und Gary Kagelmacher benötigten eine lange Anlaufzeit, um so richtig in Tritt zu kommen und der Mannschaft weiterzuhelfen. Einzig und allein Okotie zeigte sogleich seine Klasse überzeugte auf ganzer Linie und entwickelte sich zum Königstransfer. Neben seinem Torriecher zeichnet ihn vor allem seine für einen Stoßstürmer gute Zweikampfbilanz aus. So sichert er viele Bälle, die Münchner operieren im Spielaufbau immer wieder mit langen Schlägen auf ihre Solospitze, mit knapp über 40 % gewonnener Duelle kann er durchaus zufrieden sein, zumal er sich häufig aufgrund fehlender Unterstützung aus dem Mittelfeld aufrieb. Dies macht ihn für die „ Sechzger“ so wertvoll. Bei insgesamt 24 erzielten Saisontoren ist die Präsenz und Torgefährlichkeit, die Okotie derzeit dank des wiedergewonnenen Selbstvertrauens in sich vereint, für die Giesinger Gold wert – er erzielte somit die Hälfte aller „Löwen“-Treffer. Doch auch unter Markus von Ahlen kehrte keine echte Sicherheit und Konstanz in das Spiel von 1860 ein. Das junge Team wirkt zwar engagiert und bemüht, spielerisch fehlt es aber immer wieder an einem klaren Plan und der nötigen Ruhe im Spielaufbau.

Gegen den KSC belohnte man sich für eine couragierte Leistung schlussendlich nicht und ließ sich die Butter noch vom Brot nehmen. Spielerisch ist zwar bei einigen Akteuren seit dem Trainerwechsel ein leichter Aufwärtstrend erkennbar, alles in allem war das aber zu wenig, um sicheren Zeiten entgegensehen zu können. Dank eines starken Auswärtsauftrittes in Leipzig, für den sich die „Löwen“ spät belohnten, schaffte der Verein es am letzten Spieltag vor der Winterpause vorläufig vom Relegationsplatz an das rettende Ufer zu klettern.

Aus Sicht des TSV 1860 München bleibt nur zu hoffen, dass Akteure wie Valdet Rama ihr Potenzial in der Rückrunde nicht nur andeuten, sondern wirklich regelmäßig ausschöpfen. Zudem sind Rodri und Bedia beinahe als echte Neuzugänge anzusehen, die Fans hoffen darauf, dass die beiden dem Team wirklich weiterhelfen können. Die teils guten und mutigen Performances, die die Youngsters gezeigt haben, stimmen ebenfalls positiv.Wenngleich die junge Garde, rund um Angha, Vollmann, Weigl, Wittek, Wolf und Mulic, denen der Coach immer mehr das Vertrauen schenkt, ihre Fehleranfälligkeit noch reduzieren und, sinnbildlich für die ganze Mannschaft, die Konstanz finden muss.

Mittlerweile dürften alle die Zeichen der Zeit soweit erkannt haben und die Herausforderung annehmen. Abstiegskampf statt Aufstiegskampf lautet die blau-weiße Münchner Realität. Gelingt es das Team weiter zu stabilisieren, dürfte, angesichts der zweifellos im Kader vorhandenen Klasse, das angepeilte Ziel, der Klassenerhalt, gelingen. Eine der allerwichtigsten Voraussetzungen dafür: die Tormaschine Okotie darf die Serienproduktion auf keinen Fall einstellen!

1. FC Nürnberg mit großen Startschwierigkeiten

Eine ebenso überaus enttäuschende Hinrunde erlebten die Fans des 1. FC Nürnberg. Als Meisterkandidat gestartet, erwischte die rundum erneuerte Elf alles andere als einen guten Start in die Saison. Die Franken haben in der Hinrunde nie die eine echte Initialzündung erlebt, um den Turbo richtig anzuschmeißen. Ähnlich wie 1860 hat Nürnberg allerdings einen Österreicher in seinen Reihen, für den die Hinrunde aus persönlicher Sicht durchaus zufriedenstellend und positiv verlief. Allessandro Schöpf, Leihgabe vom FC Bayern, erkämpfte sich einen Stammplatz und ist momentan aus der Elf der „Clubberer“ nicht mehr wegzudenken. Schöpf leistete vier Assists und erzielte selbst vier Treffer, er ist damit der effektivste Mittelfeldakteur der Franken. Der 20-jährige entwickelte sich zu einem wichtigen Antreiber im Mittelfeld und gab nicht selten den Takt vor. Dies wird dadurch untermauert, dass er mit insgesamt 1048 Ballkontakten, die meisten aus dem Club-Mittelfeld vorzuweisen hat. Hinsichtlich der Präzision im Passspiel kommt er auf eine Quote von 76,6 % geglückten Zuspielen – im zentralen offensiven Mittelfeld ein mehr als passabler Wert. Potenzial zur Verbesserung ist in Hinblick auf seine Zweikampfwerte gegeben, 45,21 % sind ein noch ausbaufähiger Wert. Insbesondere beim 3:2-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern bot er eine herausragende Leistung, die er mit zwei Treffern krönte.

Nachdem Valérien Ismaël nach zähem Ringen letzten Endes seinen Stuhl räumen musste, versucht sich nun René Weiler als neuer starker Mann an der Kommandobrücke des Bundesligaabsteigers. Bisweilen gelingt ihm das erfolgreicher, als dies seinem Vorgänger vergönnt war. Die Bilanz des Schweizers fällt mit bis dato vier Siegen, zwei Remis und zwei Niederlagen klar positiv aus, auch in Bezug auf eine spielerische Weiterentwicklung und Verbesserung zeigt die Tendenz klar nach oben. Der „ Club“ hat wieder an Selbstvertrauen gewonnen und weiß vor allem in Duellen gegen die Spitzenteams zu reüssieren. So zwangen die Nürnberger als einzige Leader Ingolstadt in die Knie und behielten auch gegen RB Leipzig knapp aber doch die Oberhand. Im letzten Match vor der Winterpause, dem so wichtigen und prestigeträchtigen Franken-Derby, kamen Pinola und Co gegen lange Zeit dezimierte Fürther nicht über ein 0:0 hinaus. Der FCN verpasste es somit den Anschluss an die Aufstiegsplatz herzustellen, liegt dank des kleinen Zwischenruns aber nur mehr sechs Punkten von den Aufstiegsrängen entfernt, der KSC und Darmstadt sind wieder in Schlagdistanz. Das Beispiel Nürnberg zeigt schön, wie schnell es in dieser Liga gehen kann, welch große Auswirkungen ein Zwischenhoch bzw.-tief haben können. Die Ausgeglichenheit der 2. deutschen Bundeliga macht es möglich, dass Nürnberg als Achtplatzierter nun doch wieder vorsichtig mit einer Bundesliga-Rückkehr spekulieren kann.

Die „Clubberer“ starteten wahrlich katastrophal, fanden sich zwischenzeitlich sogar auf Abstiegsplätzen wieder, scheinen sich nun aber gefangen zu haben, benötigen noch die letzte Konstanz, um die vorderen Plätze endgültig und ernsthaft angreifen zu können.

In Anbetracht ebenjener Entwicklung und Entspannung der Lage in Nürnberg, mag es vielleicht ein Stück weit eigenartig anmuten, dass die „Clubberer“ neben dem TSV 1860 München und dem FC St. Pauli zu den großen Verlierern der Hinrunde zählen. Summa summarum bleibt es wohl dabei, dass der große FCN, als Titelfavorit Nummer eins gestartet, mit einem achten Zwischenrang nicht zufrieden sein kann und auch alles andere als zufrieden sein wird. Die finanziellen Möglichkeiten und das sportliche Potenzial wurden bislang schlicht und einfach noch nicht ideal genutzt.

Führt man sich allerdings vor Augen, in welch prekärer Situation der Club sich noch vor wenigen Wochen befand, werden die Verantwortlichen dennoch äußerst froh sein, die Kurve, wie es scheint, doch noch so gut gekratzt zu haben – die Ausgangslage für einen Angriff im Frühjahr ist schließlich alles andere als schlecht.

David Kühhas, www.abseits.at

David Kühhas

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