Manchester United brachte in einem aufsehenerregenden FA-Cup-Spiel Titelverteidiger Manchester City zu Fall. Die Mannschaft von Sir Alex Ferguson bezwang den Stadtrivalen mit 3:2, wobei... Manchester United schlägt Stadtrivalen im FA-Cup – Ein Krimi mit zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten

Manchester United brachte in einem aufsehenerregenden FA-Cup-Spiel Titelverteidiger Manchester City zu Fall. Die Mannschaft von Sir Alex Ferguson bezwang den Stadtrivalen mit 3:2, wobei die Fans zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten zu Gesicht bekamen. Nach 45 Minuten führte United mit 3:0 und hatte einen Mann mehr auf dem Platz, da Vincent Kompany bereits in der 12. Minute die rote Karte sah. City lieferte jedoch eine tolle zweite Halbzeit ab und sorgte mit einer beherzten Leistung dafür, dass die United-Fans bis zum Ende der Partie zittern mussten.

Wenn man sich die Stimmen der beiden Trainer nach Spielschluss anhört, dann müsste man meinen, dass das Ergebnis umgekehrt ausfiel. Ferguson zeigte sich nach Schlusspfiff unzufrieden mit seiner Mannschaft und warf ihr vor, dass ihre Unbekümmertheit dazu führte, dass diese Partie beinahe leichtfertig aus der Hand gegeben wurde. City-Trainer Roberto Mancini wiederum meinte, dass er nach dieser Niederlage erst recht davon überzeugt ist, dass seine Truppe den Premier-League-Titel holen wird. Die starke Vorstellung in der zweiten Hälfte in Unterzahl  gefiel dem Italiener ausgesprochen gut – trotzdem darf man nicht die grauenhafte erste Halbzeit vergessen, in der sich die Heimmannschaft vom Gegner vorführen ließ. Trotz Fergusons kritischer Worte sollte der Sieg seiner Mannschaft, nach den beiden Niederlagen in der Meisterschaft gegen die Blackburn Rovers und Newcastle United, neues Selbstvertrauen geben. Sehen wir uns zunächst die Aufstellungen der beiden Teams an:

 

 

 

 

 

 

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Bei Manchester United begann der 27-jährige dänische Nationalspieler Anders Lindegaard im Tor und ersetzte den Spanier David de Gea. Lindegaard absolvierte heuer sechs Einsätze in der Premier League, blieb dabei fünf Mal ohne Gegentor, musste allerdings in der letzten Meisterschaftsrunde gegen Newcastle United drei Mal hinter sich greifen. De Geas Leistungen blieben in dieser Saison unter den Erwartungen, aber auch Lindegaard zeigte in der gestrigen Partie große Unsicherheiten und konnte nicht überzeugen. Alex Ferguson wird sich den Kopf zerbrechen müssen, wie es auf dieser Position in Zukunft weitergehen wird. Manchester City hat dank Joe Hart überhaupt kein Tormannproblem – allerdings ließ Trainer Mancini im Tor rotieren und es begann, so wie schon zuvor im League Cup, der rumänische Nationaltormann Costel Pantilimon. Der Coach musste außerdem Kolo und Yaya Touré ersetzen, die zum Afrika-Cup abreisten. City hätte die beiden gerne in diesem Spiel eingesetzt, aber Francois Zahoui, der Trainer der Elfenbeinküste, erlaubte nicht, dass die Brüder verspätet ins Trainingslager der Nationalmannschaft eintreffen.

Ein frühes Tor und ein umstrittener Ausschluss

Nach genau neun Minuten drückte der überragende Wayne Rooney zum ersten Mal der Partie seinen Stempel auf, als er im Mittelfeld viel zu viel Platz hatte und Antonio Valencia auf der rechten Seite anspielte. Lescott verließ vor Rooneys Abspiel die Viererkette der Gastmannschaft, verlor aber beim zurücksprinten den starken Rooney aus den Augen, sodass dieser nach der präzisen Flanke von Valencia beim Elfmeterpunkt zum Kopfball kam. Der Ball knallte von der Latte ins Tor – Pantilimon hatte keine Chance. Rooneys Kopfballtechnik war absolut perfekt und der Wille das Tor zu erzielen war deutlich spürbar. Es schien als wollte er beim anschließenden Torjubel mit einem Kuss aufs Wappen die anhaltenden Wechselgerüchte beenden. Citys konfuse Raumaufteilung begünstigte den schönen Treffer.

Nur zwei Minuten später kam es zu der Szene, über die heute ganz England diskutiert: Vincent Kompany macht ein beidbeiniges Tackling und gewinnt den Ball, ohne dass er seinen Gegenspieler Nani berührt. Schiedsrichter Chris Foy zeigte die rote Karte – eine Entscheidung die wohl von den Regeln gedeckt ist, aber dennoch zu hart erscheint. Eine gelbe Karte und ein paar strenge Worte hätten in dieser Situation ausgereicht. Roberto Mancini beschuldigte nach dem Spiel Wayne Rooney den Schiedsrichter beeinflusst zu haben, da dieser nach dem Foul sofort zum Unparteiischen lief und den Ausschluss forderte. Hier sehen wir die umstrittene Szene:

 

 

 

 

 

Kompany fliegt mit beiden Beinen voran Richtung Nani….

 

 

 

 

 

…trifft aber nur den Ball

 

 

 

 

 

 

 

Rooney fordert die rote Karte

Zwei weitere Tore vor der Pause

In der Folge nutzte Manchester United die Überzahl geschickt aus und dominierte die restliche erste Halbzeit. City fand kein Mittel um sich gegen die starken Gäste zu wehren und bis auf einen starken Agüero-Schuss, den Torhüter Lindegaard fantastisch entschärfte, hatte die Gastmannschaft wenige Chancen. Diese Parade war Lindegaards einziger Lichtblick in dieser Partie, denn ansonsten wirkte der Däne in vielen Szenen unsicher.

Es dauerte bis zur dreißigsten Minute, bis die überlegene Gastmannschaft den zweiten Treffer erzielte. Die überforderte City-Abwehr übersah den linken Außenverteidiger Patrice Evra, der hervorragend von Nani freigespielt wurde. Evras scharfer Pass in die Mitte wurde von zwei City-Spielern abgefälscht. Der 21-jährige Stürmer Danny Welbeck verwertete den  Ball akrobatisch und erzielte ein herrliches Volley-Tor.

Knapp vor dem Halbzeitpfiff holte Kolarov Welbeck von den Beinen und Referee Foy zeigte zu Recht auf den Elfmeterpunkt. Wayne Rooney verwandelte erst den Nachschuss, nachdem Pantilimon den ersten Versuch entschärfen konnte.

Kolarovs Freistoß dreht die Partie (fast) um

Viele United-Fans spekulierten zur Halbzeit mit  einem Kantersieg, der nach der bitteren 1:6-Heimniederlage gegen City vom Oktober 2011 gerade rechtzeitig gekommen wäre. Knapp nach dem Wiederbeginn der zweiten Halbzeit verkürzte City jedoch nach einem Kolarov-Freistoß auf 1:3 und gewann das Momentum zurück. Erwähnenswert sind zudem die Auswechslungen von Mancini, der zur Halbzeit die Kreativen Silva und Johnson herausnahm und stattdessen Zabaleta und Savic brachte. Viele Zuschauer werteten diesen Wechsel als Schadensbegrenzung. Das daraus resultierende 3-5-1-System funktionierte aber ausgesprochen gut – Mancini machte in taktischer Hinsicht alles richtig, während sich seine Mannschaft mit großem Herz zurück in die Partie kämpfte. Über weite Strecken der zweiten Halbzeit war es nicht erkennbar, dass City einen Mann weniger am Platz hatte.

Den überraschendsten Wechsel führte jedoch Ferguson aus, als er Paul Scholes in der 59 Minute für Nani ins Spiel brachte. Das Comeback des schon pensionierten Mittelfeldspielers kam selbst für die eigenen Kollegen überraschend. Der 37-jährige Publikumsliebling, der in seiner Karriere für seinen Verein 102 Premier-League-Treffer erzielte und zehn Mal die Meisterschaft gewann, bat Ferguson vor zwei Wochen um ein Comeback. Der Startrainer hatte angesichts der unglaublichen Verletzungsmisere im zentralen Mittelfeld keine Einwände und brachte Scholes zur Freude des Publikums in der 59. Minute in die Partie. Nur knapp danach unterlief dem routinierten Scholes allerdings ein folgenschwerer Fehler, als er ein schlampiges Abspiel beging, aus dem der Anschlusstreffer zum 2:3 resultierte. Scholes ist allerdings nicht der einzige Schuldige an diesem Treffer, denn Smalling ließ im Zentrum Agüero aus den Augen und Lindegaard ließ den ersten Versuch des Argentiniers unnötiger Weise nach vorne abprallen, sodass Agüero noch einmal zum Nachschuss kam. Danach gab es noch eine strittige Elfmeter-Szene, als der 19-jährige Phil Jones eine Hereingabe mit dem Arm abfälschte. Trotz wilder Proteste zeigte der Referee nicht auf den Punkt. In der Schlussphase hatte Lindegaard abermals Probleme mit einem Kolarov-Freistoß, den er nach vorne schwach abprallen ließ. Da der Ball aber bei einem Mitspieler landete, blieb es beim 2:3-Endstand. Paul Scholes erholte sich nach seinem Fehler und darf mit seiner Leistung nach seiner langen Pause zufrieden sein. Es ist ärgerlich für ihn, dass gerade sein Fehlpass den zweiten Gegentreffer verursachte, da ansonsten  97 Prozent seiner Pässe bei seinen Mitspielern ankamen. Ferguson wird sich dennoch fragen müssen, ob er Scholes nach der langen Pause nicht zu früh in die Partie brachte.

Fazit

Ein Derby, das es in sich hatte! Die Zuschauer sahen fünf Treffer, eine rote Karte, eine sehenswerte Aufholjagd samt spannendem Finish und das Comeback der Legende Paul Scholes. Auch wenn Ferguson die Leistung aufgrund der zweiten Halbzeit eher negativ beurteilt, kann seine Mannschaft nach den zwei Niederlagen in der Premier League Selbstvertrauen tanken. Mancini sieht die Leistung seiner Truppe sowieso positiv – der Ausfall von Kompany, der sogar für vier Spiele gesperrt werden könnte, da es sein zweiter Ausschluss in dieser Saison war, wird City jedoch schmerzen. Spieler der Partie war Wayne Rooney, der in der ersten Halbzeit eine Weltklasse-Leistung ablieferte. Er erzielte zwei Treffer, war überall zu finden und immer anspielbar.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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