Die Austria hatte letzte Saison durchaus Probleme mit undynamischem Ballbesitzspiel. Die Innenverteidiger schoben sich gemeinsam mit dem abkippenden Holzhauser oft nur den Ball zu,... Neue Flexibilität im Aufbau: Austria im Ballbesitz gegen Spartak Trnava

Thorsten Fink - FK Austria Wien_abseits.atDie Austria hatte letzte Saison durchaus Probleme mit undynamischem Ballbesitzspiel. Die Innenverteidiger schoben sich gemeinsam mit dem abkippenden Holzhauser oft nur den Ball zu, bis Letztgenannter schließlich doch zum hohen Ball griff.

Dies lag vor allem an der für ihn unpassenden Rolle von Grünwald und der fehlenden Anbindung ins Zentrum und die Halbräume. Dies hat man offensichtlich in der Vorbereitung adressiert und lässt nun situativ die beiden Außenverteidiger Martschinko und Larsen in die Halbräume rücken, während Serbest als Anker in der Mitte agiert und diese Rolle besser zu seinem Naturell passt als zu Alexander Grünwald.

Der junge Serbest war auch eine der positiven Erscheinungen bei der Austria an diesem Tag, da er mit klugem Stellungsspiel und Ruhe am Ball für Ordnung im Austria-Spiel sorgte. In Halbzeit eins wurde er noch zu schwach eingebunden, während er dann in der zweiten Halbzeit deutlich mehr Ballkontakte hatte und strukturgebend agierte. Lediglich das positionelle Zusammenspiel mit Holzhauser war phasenweise schlecht balanciert, es fehlte an der richtigen Abstimmung.

Die neuen Staffelungen der Austria ermöglichen es ihnen, im Aufbau flexibler zu sein und auf gegnerisches Pressing adäquat zu reagieren. Einzig die Sauberkeit in diesen Bewegungen, beziehungsweise auch in den Staffelungswechseln, fehlen noch. Dies kann sich jedoch im Laufe der Saison bessern, sofern man weiterhin daran arbeitet.

Der Ballvortrag gelingt deutlich flüssiger ins zweite Drittel und auch dort kann man den Ball noch länger halten, als dies noch in der vorigen Saison der Fall war. Diesbezüglich hat man sich also gebessert und das Austria-Trainerteam hat gute Arbeit geleistet.

Screenshot (371)Zu eng im ersten Drittel, zu flach im letzten

Screenshot (372)Rotpuller steht hier nicht breit genug, ein Pass zu ihm wäre leicht abzufangen. Somit kann Trnava im Pressing die Austria einfach leite

Letzte Saison kippte Holzhauser in der Regel zwischen beide Innenverteidiger ab, nun macht er dies vermehrt links. Dies hat mehrere Gründe, die wir bereits etwas ausführlicher erklärt haben. Das diagonale Abkippen verursacht jedoch auch, dass beide Innenverteidiger von Wechsel auf Ballbesitz kaum ihre Position verändern müssen. So steht man oft asymmetrisch im Aufbau, was bei einer Verlagerung von links auf rechts oft problematisch wird. Unter Druck hat nämlich Rotpuller kaum genug Platz und schlechte Passwinkel, woraufhin seine Vertikalpässe entweder ungenauer kommen als er sie eigentlich setzen könnte, oder er muss den Ball einfach hoch nach vorne schlagen.

Ein weiteres Problem waren die wiederum zu flachen Staffelungen im Angriffsdrittel. Die Austria hat im Sturm ähnliche, vertikale Spielertypen, die allesamt Sprintraketen sind. Logischerweise suchen Venuto, Kayode und Pires mit ihren Läufen oft den Rücken der Abwehr und fordern Bälle in die Tiefe. Dies ist an sich natürlich nichts Schlechtes, wird jedoch problematisch wenn dies erstens: andauernd gemacht wird, zweitens von allen dreien und drittens nicht richtig genutzt wird. Diese Bewegungen hatten zur Folge, dass man zu oft in einer Linie stand und kaum Dreiecke bilden konnte, welche die Basis für erfolgreiches Kombinationsspiel sind.

Zum ersten Problem: Spätestens während dem Spiel kann sich der Gegner auf häufig vorkommende Muster einstellen. Trnava hatte zwar mit den violetten Flügeldribblern durch ihre Manndeckung große Probleme, die Läufe in die Tiefe wurden jedoch stets konsequent verfolgt und die Läufer zumindest in schlechte Abschlusspositionen gedrängt. Vor allem Kayode wechselte sein Freilaufverhalten kaum und war leicht auszurechnen.

Zweitens: Wenn alle drei Stürmer in die Tiefe laufen gibt es somit weniger Spieler, die für kurze Kombinationen zur Verfügung stehen. Das auf Kurzpassspiel basierte Aufbauspiel bekommt somit einen einschneidenden Vorgangswechsel im letzten Drittel, was die davor liegende Struktur nicht unterstützt. Durch das zuvor bereits erwähnte konsequente Verfolgen der Trnava-Spieler gab es somit oft als einzige Möglichkeit den Rückpass oder einen Vertikalpass auf einen eng gedeckten  Stürmer.

Drittens: Ironischerweise hätte man diese fehlende Flexibilität im Freilaufverhalten durchaus für sich nutzen können. Da Trnava manndeckte wurden Verteidiger stets vom Ball weg gezogen, was mehr Raum für den Ballführenden erzeugte, in den er hineindribbeln hätte können. Dies wurde jedoch kaum genutzt, sondern der in die Tiefe laufende Spieler trotzdem angespielt, selbst wenn er in einer schlechten Position war.

Defensive und Offensive sind nicht trennbar

Der Fußballphilosoph und eine der einflussreichsten, aber gleichzeitig unbekanntesten Trainer, Juanma Lillo, pflegt stets zu sagen, dass man den Fußball als Ganzes betrachten solle. Nicht in Defensive, Offensive und Umschaltmomente zu kategorisieren, denn alles hat miteinander zu tun und beeinflusst sich gegenseitig. Die offensiven Probleme der Austria sind auch gleichzeitig defensive Probleme.

Zu flache Staffelungen in Ballbesitz verursachen nicht nur Probleme im Kombinationsspiel, sondern auch in der Ballrückeroberung. Die Austria hat ein Problem gegen Mannschaften die Konter fahren, dies war gestern einmal mehr ersichtlich. Nach Ballverlusten waren die Abstände zueinander unbalanciert, man konnte sich nicht schnell genug um den Ort des Verlustes ballen und konnte so kaum effektiv gegenpressen. Zudem bewegen sich nicht nur die Spieler ohne Ball unbalanciert, sondern auch die mit Ball. Oft wird aus der Tiefe vertikal gespielt, um danach Dynamik in die Tiefe aufzunehmen. Auch dies ist an sich nichts Schlechtes, kann in den falschen Momenten (die bei der Austria oft vorkommen) zu ungesicherten Räumen führen. Wird dann der Ball unsauber gespielt, kann der Gegner einfach in die gerade geöffneten Räume kontern.

Screenshot (374)Zu viele Läufe in die Tiefe, Tajouri kann nur nach hinten zu Grünwald spielen. Dieser ist jedoch stark bedrängt, verliert den Ball und durch sein Aufrücken ist hinter ihm viel Raum, den Trnava für einen Konter nützt.

Fazit

Die Austria hat sich verbessert, ist vor allem im Aufbauspiel flexibler geworden. Die Probleme im letzten Drittel bleiben jedoch weiterhin bestehen. Im Training muss deshalb vor allen in Spielformen an den offensiven Staffelungen gearbeitet werden, um sich aus dem gehobenen Mittelmaß der Liga zu befreien und trotz dünnen Kaders zumindest um die Meisterschaft mitspielen zu können und im Europacup nicht allzu schwach auszusehen, sofern an denn überhaupt weiterkommt.

David Goigitzer, abseits.at

David Goigitzer

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