26 rumänische Meisterschaften, 22 Cupsiege, der Europacup der Landesmeister 1986 – und trotzdem musste sich die rumänische Institution Steaua Bukarest im März 2017 umbenennen.... Steaua: Der einstige Armee-Klub als Aushängeschild Rumäniens

26 rumänische Meisterschaften, 22 Cupsiege, der Europacup der Landesmeister 1986 – und trotzdem musste sich die rumänische Institution Steaua Bukarest im März 2017 umbenennen. Rapid trifft somit morgen nicht auf Steaua, sondern auf den „SC Fotbal Club FCSB SA“. Wir nennen den Rekordmeister im Zuge unserer Berichterstattung dennoch weiter Steaua.

Steaua wurde 1947 als Armeeklub gegründet und hieß anfänglich CSCA, was eine Abkürzung für das rumänische „Zentraler Sportklub der Armee“ ist. Vergleichbar mit anderen ursprünglichen Armeevereinen wie ZSKA Moskau oder ZSKA Sofia. Steaua hingegen bedeutet schlichtweg Stern und der Verein wurde seit 1961 so genannt. Erst eine Klage des rumänischen Verteidigungsministeriums und ein damit verbundener Schiedsspruch des Obersten Gerichtshofes Rumäniens ließ den Namen Steaua – zumindest offiziell – verschwinden.

Antiker Champions-League-Sieger

Da Steaua als Armeeverein groß wurde, war es nicht verwunderlich, dass sich in der Diktatur die Ceausescu-Familie am Klub bediente und ihn sich unter den Nagel riss. In diese Zeit, Mitte bis Ende der 80er Jahre, zählte Steaua zu den besten Fußballklubs Europas. 1986 gewann das Team den Vorläufer der Champions League, den Europacup der Landesmeister. Im Finale wurde der FC Barcelona besiegt, weil Torhüter Helmuth Duckadam im Elfmeterschießen vier Elfer der Katalanen parierte. Drei Jahre später verlor man ein weiteres Meistercupfinale gegen den AC Milan mit 0:4. Ruud Gullit und Marco van Basten erzielten je zwei Treffer und Steaua benötigte damals nur acht Spiele um ins Finale vorzustoßen.

Repräsentativer Präsident, knallharter Besitzer

Der zuvor erwähnte Europacup-Held Duckadam ist heute Präsident des Vereins. Als solcher ist er aber lediglich das freundliche, repräsentative Gesicht Steauas. Der wahre starke Mann bei Steaua ist Vereinseigentümer Gigi Becali. Der 60-Jährige ist einer der reichsten Männer Rumäniens, Unternehmer, einstiger Politiker und vor allem Selbstdarsteller. Geht es nach dem exzentrischen Klubbesitzer sind Homosexuelle böse und es gab nie einen Holocaust in Rumänien. Immer wieder kam Becali mit dem Gesetz in Konflikt, musste etwa 2013 für knapp zwei Jahre ins Gefängnis. Grund dafür war, dass seine Leibwächter und er, Autodiebe, die sich an einer Luxuskarosse Becalis bedienen wollten, eigenhändig fingen, festhielten und physisch misshandelten.

Harte Hand, modernes Stadion

Es ist nicht verwunderlich, dass Steaua mit eiserner Hand geführt wird. Disziplinlosigkeiten werden hier nicht geduldet, gleichzeitig kann man aber auch mehr Geld verdienen, als bei so manchem deutschen Bundesligaklub. Zudem kann man bei Steaua seit einigen Jahren die große Fußballwelt erahnen, wenn man das Stadion des Klubs betritt. In der Arena Nationala wurde unter anderem das Europa League Finale 2012 ausgetragen und auch bei der EM 2020 wird das Stadion eine Rolle spielen. 55.600 Zuschauer finden in der 2011 eröffneten Arena Platz. Im letzten Qualifikationsspiel Steauas gegen Hajduk Split kamen immerhin 27.400. Die knapp 3.500 Zuschauer vom letzten Ligaspiel gegen den Sepsi OSK muten hingegen weniger glamourös an.

Titel-Zweikampf mit Cluj?

Die letzten Titel für Steaua gab es 2015 – damals gewann das Team das rumänische Double. In den letzten Jahren schrammte der Klub immer nur extrem knapp am Meistertitel vorbei: In der vergangenen Saison fehlte ein Punkt auf Cluj, davor war man sogar punktegleich mit Meister Viitorul Zweiter. In der aktuellen Saison zeichnet sich ein neuer Zweikampf mit Cluj ab. Nach fünf Runden ist Steaua mit einem Punkt Rückstand auf Cluj Zweiter. Schuld daran ist eine 0:1-Niederlage bei Astra Giurgiu in der ersten Runde der Meisterschaft – seitdem ist Steaua unbesiegt, gewann von acht Pflichtspielen sechs und remisierte zweimal.

Gute Auftritte in der EL-Quali

In der Liga gab es zuletzt drei Siege in Serie (Tordifferenz 9:1). Im Europacup wurde zuletzt Hajduk Split durch ein Last-Minute-Tor des Franzosen Harlem Gnohéré besiegt. Davor gab es glatte Erfolge gegen den slowenischen Vertreter Rudar Velenje: Nach einem 2:0-Auswärtssieg wurde der Aufstieg in die dritte Quali-Runde zu Hause mit einem klaren 4:0 fixiert.

Zuletzt zweimal in der EL-Gruppenphase

In der vergangenen Saison schaffte es Steaua ins Sechzehntelfinale der Europa League. In der Gruppenphase setzte man sich gegen Lugano, Hapoel Beer Sheva und Viktoria Pilsen durch. Damit erwischte Steaua, das zuvor im Champions-League-Playoff an Sporting Lissabon scheiterte, eine sehr dankbare Gruppe. Im K.O.-Modus schied der Klub dann gegen den späteren Salzburg-Gegner Lazio Rom aus, wobei das Heimspiel noch mit 1:0 gewonnen werden konnte. Auswärts gab es dann aber ein klares 1:5. Auch in der Saison 2016/17 stand man in der Europa-League-Gruppenphase, scheiterte da aber an einer schwierigen Gruppe mit Zürich, Osmanlispor und Villarreal.

Königsklasse zuletzt 2013

Die letzte Champions-League-Teilnahme des Hauptstadtklubs liegt mittlerweile fünf Jahre zurück. Im Playoff wurde Legia Warschau besiegt, aber gegen Chelsea, Basel und Schalke gab es keine Chance auf ein Weiterkommen. Steaua konnte allerdings immerhin drei Remis holen: Beide Spiele gegen Basel endeten 1:1 und zu Hause gegen Schalke erreichte man ein 0:0.

Teure Auslandstransfers

In Bezug auf die teuersten Abgänge der Vereinsgeschichte liegt Steaua knapp vor dem SK Rapid. Der teuerste Export war der Innenverteidiger Vlad Chiriches, der 2013 um 9,5 Millionen Euro zu Tottenham wechselte. Es folgen der 8,2-Millionen-Euro-Transfer von Nicolae Stanciu zu Anderlecht und der 6,8-Millionen-Euro-Abgang von Florin Gardos zu Southampton. Lange Zeit war die Verpflichtung Georghe Hagi durch Real Madrid 1990 mit umgerechnet 4,3 Millionen Euro das Maß aller Transfer-Dinge.

Daniel Mandl, abseits.at

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen