Es gibt sie in Hülle und Fülle; so viele, dass wir einen dritten Teil vorbereitet haben. Wieder wurden vier Spieler und die Geschichte, wie... G’schichterln ums runde Leder (15) – Hi, my name is! Fußballer und ihre Spitznamen (3)

Es gibt sie in Hülle und Fülle; so viele, dass wir einen dritten Teil vorbereitet haben. Wieder wurden vier Spieler und die Geschichte, wie sie zu ihren Spitznamen kamen, ausgewählt. Dieses Mal halten wir uns gedanklich in Bremen, Paris, Manchester und Dortmund auf:

Frecher Frings

Lange Haare und großflächige Tätowierungen – dafür war der Mittelfeldspieler Torsten Frings lange Zeit bekannt. Frings wuchs in derselben Stadt, wie der damalige EU-Parlamentspräsident und Kurzzeit-SPD-Vorsitzende Martin Schulz auf. Schulz arbeitete von 1987 bis 1998 sogar als Bürgermeister von Würselen, das in der Nähe Kölns liegt. Als er den Bau eines Schwimmbades verbockte, verabschiedete sich das Arbeiterkind nach „Europa“ und machte dort Karriere. Frings war damals Volksschüler und lebte mit Eltern und fünf Geschwistern im benachbarten Alsdorf. Er begann dort mit dem Fußballspielen und wechselte mit 13 Jahren zu Alemannia Aachen, wo er später Profi wurde. Seine nächste Station war Werder Bremen. Damals war dort Andi Herzog Spielmacher und unumstrittener Superstar. Als dieser den zwanzigjährigen Frings im Training auf einen Fehler ansprach, wurde dieser patzig: „Was willst du denn von mir, du Lutscher!“, schnauzte er den erstaunten Österreicher an. Andere Quellen behaupten, Frings hätte Herzog ein „Gurkerl“ geschoben oder ihn rüde gefoult, worauf ihn „Herzerl“ wütend als „Lutscher“ bezeichnet haben soll. Egal, wie sich die Geschichte nun tatsächlich zugetragen hat: Der Spitzname „Lutscher“ blieb Frings jedenfalls. Er wurde auch während seiner Zeit in Dortmund und München so gerufen. Frings beendete seine Profikarriere 2013 beim FC Toronto. 2017 war der Vizeweltmeister kurzfristig Cheftrainer von Darmstadt und schon vor seinem Engagement ließ er in der Presse anklingen, dass er seinen Spitznamen gerne ablegen würde: „Wir müssen diese Tradition ja hier nicht vorführen.“ Müssen nicht, aber können schon.

Die vielen Namen des Edwin van der Sar

Edwin van der Sar hat renommierte Klubs wie Ajax, Juve und Manchester United in seinem Lebenslauf stehen. 1970 in der Provinz Südholland geboren, wurde er als knapp Zwanzigjähriger von Louis van Gaal entdeckt und zu Ajax Amsterdam gelotst. Während der europäischen Großtaten der Niederländer, reifte van der Sar zum Startorhüter. Nach drei Saisonen bei Juventus Turin und nachdem er seinen Platz an den jungen Buffon verloren hatte, ging er zu Fulham.  Dort weckte er das Interesse Sir Alex Fergusons, der ihn zu Man. United holte.

Auch an van der Sar ging die schöne englische Tradition der Kicker-Spitznamen nicht vorbei. Bei Fulham fingen die Fans an den spielstarken Torwart wegen seiner Paraden „Flying Dutchman“ zu rufen. Hin und wieder wurde er auch „Dumbo“ genannt. Die abstehenden Ohren des Niederländers inspirierten die Anhänger, obwohl van der Sars Exemplare nicht mit jenen Extrembeispielen von Gareth Bale oder Sebastian Kurz zu vergleichen sind.

Als der Holländer seine Zelte in Manchester aufschlug, wurde er auch „Jolly Green Giant“ genannt. Bereits in Fulham war er mit einem grünen Trikot aufgelaufen – deshalb und wegen seiner beachtlichen Körpergröße von 1,97 Meter rief man ihn wie das Maskottchen einer US-amerikanischen Gemüsefirma. Van der Sar, der mit 27 gewonnenen Titeln einer der erfolgreichsten Fußballer aller Zeiten ist, kann mit diesen Spitznamen recht zufrieden sein: Es hätte ja auch „Nasenbär“ oder „Michelin-Männchen“ sein können.

Die Fledermaus von Paris

Als Marco Simone Profifußball spielte, waren die Kicker mit Körperbemalung noch in der Minderheit. Der Italiener verfügte selbst nur über eine kleine Tätowierung, die aber ausreichte um ihn „umzutaufen“.

1969 in Castellanza geboren, gab Simone sein Serie-A-Debüt als Achtzehnjähriger für Como. Seine erfolgreichsten Karrierejahre absolvierte der Offensivspieler jedoch für den AC Milan. Er holte in den Jahren 1989 bis 1997 vier italienische Meisterschaften, den Europacup und die Championsleague. Seine persönlich beste Leistung machte er in der Saison 1994/95, als er in 30 Spielen 17 Tore erzielte und Milan das CL-Finale gegen Ajax Amsterdam verlor.

1997 wechselte Simone zu Paris Saint-Germain, wo er die Herzen der französischen Fans gewann. Er blieb zwei Saisonen lang und erzielte 22 Treffer in 58 Pflichtspielen. Bei seinem letzten Tor entblößte Marco seinen Oberkörper und zeigte eine kleine Fledermaus am rechten Oberarm. Der Angreifer hatte trotz Bedrängnis knapp vor der Strafraumgrenze abgezogen und unhaltbar getroffen. Es war der Ausgleich gegen Olympique Marseille. Simone küsste anschließend sein Tattoo und machte Flügelbewegungen nach: Batman forever. Für die PSG-Fans blieb der Italiener bis heute der verkleidete Bruce Wayne. Simone spielte später in Nizza und Monaco und beendete seine Karriere in Legnano. Seitdem versucht sich der Ex-Nationalspieler als Trainer.

Dortmunder Mädl

„Meine Oma hat mir einen Schal gestrickt und dann bin ich über die Hohe Straße ab ins Stadion.“, erinnert sich Michael Zorc an seine Anfänge als BVB-Fan. Noch als Gymnasiast wurde der gebürtige Dortmunder bei seinem Lieblingsklub selbst Profi. Siebzehn Saisonen hielt er den Schwarz-Gelben die Treue und gab als 30-jähriger sein Nationalteamdebüt. Die Konkurrenz auf seiner Position war aber mit Lothar Matthäus einfach zu groß. Zorc schaffte es nicht sich in der DFB-Auswahl zu etablieren, dafür ist er beim BVB bis heute Rekordspieler. Als Spieler wurde Zorc zweimal Meister, einmal Cupsieger und holte 1997 den Champions League-Pott. Er arbeitet seit 2005 als Sportdirektor und sagt: „Meine Beziehung zum BVB ist kein normales Arbeitsverhältnis. Das ist schon mehr.“

Das Talent bekam Michael von Vater Dieter, der Amateurnationalspieler war, in die Wiege gelegt. Die Liebe zur Arbeit und zum BVB ergab sich durch das Aufwachsen im Ruhrgebiet. 1978 kam Michael vom TuS Eving-Lindenhorst zu den Schwarz-Gelben. Damals, als Jugendspieler, trug Zorc seine Haare etwas länger als die meisten Jungs. Irgendein Kollege, der in der Witzkiste übernachtet hatte, taufte ihn daraufhin „Susi“. Zorc nahms mit Humor, die „Susi“ störte ihn nie. Seine weichen Gesichtszüge wurden etwas härter, die Haare irgendwann abgeschnitten und mit Vollbart hätte man den gestandenen Mittelfeldspieler nie mit einem Fräulein verwechselt. Ob Susi oder Herr Zorc – Michael blieb im Herzen jedenfalls ein Dortmunder Jung.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag